Die verheerenden Waldbrände, die derzeit in Spanien und Frankreich wüten, sind einer internationalen Schnellanalyse zufolge in ihrer Wahrscheinlichkeit massiv durch den menschengemachten Klimawandel gestiegen. Die Wissenschaftsinitiative World Weather Attribution (WWA) berechnete, dass die Wetterbedingungen, die solche Feuerszenarien ermöglichen, in Frankreich mindestens doppelt so wahrscheinlich geworden sind wie vor der Industrialisierung. In Spanien liegt der Faktor den Angaben zufolge sogar bei mindestens 20 – und dies sei nach Einschätzung der Forscher noch ein konservativer Wert, da einzelne regionale Effekte nicht vollständig in die Modelle eingingen.
Für die betroffenen Gebiete bedeutet das eine deutliche Zunahme der Brandgefahr: Im heutigen Klima ist mit derart zerstörerischen Waldbränden im Südwesten Frankreichs etwa alle 20 Jahre zu rechnen. In Zentralspanien, wo die Brände besonders intensive Feuerwetterlagen erreichten, verkürzt sich das Intervall auf rund sechs Jahre. Zum Vergleich: Ohne die vom Menschen verursachte Erwärmung wären solche Ereignisse statistisch gesehen extreme Seltenheiten.
Das Vorgehen der Wissenschaftler
Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, untersuchte das Forschungsteam einen Sieben-Tages-Zeitraum im aktuellen Juli, in dem in den betroffenen Regionen extreme Brandrisikobedingungen herrschten. Diesen Abschnitt setzten die Forscher in Beziehung zu den extremsten Brandrisiko-Perioden früherer Sommer. Mit Hilfe von Klimasimulationen ermittelten sie, wie viel wahrscheinlicher solche Bedingungen im heutigen Klima entstehen im Vergleich zu den klimatischen Bedingungen des vorindustriellen Zeitalters.
Dabei stützten sich die Wissenschaftler auf einen speziellen Index für sogenanntes Feuerwetter. Dieser berücksichtigt nicht allein die Temperatur, sondern kombiniert Hitze mit Luftfeuchtigkeit und Wind. Gerade die Trockenheit der Luft und die Stärke des Windes sind entscheidend dafür, ob ein Funke sich zu einem Flächenbrand ausweiten kann. In den untersuchten Regionen lagen diese Werte auf einem Niveau, das bislang nur selten erreicht wurde.
Eine der schlimmsten Brandsaisonen in der Geschichte
Die aktuellen Feuer in Frankreich und Spanien gehören zu den verheerendsten, die in den beiden Ländern je registriert wurden. Hunderttausende Menschen wurden zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen. Besonders dramatisch war die Lage in Zentralspanien, wo in der Region Valle de Iruelas ein Campingplatz vollständig von den Flammen eingeschlossen und zerstört wurde. In Frankreich kämpfen tausende Feuerwehrleute gegen mehrere Großbrände im Südwesten des Landes.
Die derzeitige Hitzewelle verschärft die Situation zusätzlich. Die hohen Temperaturen entziehen Böden und Pflanzen die Restfeuchtigkeit, wodurch sich die Brände ungehindert ausbreiten können. Zudem erschweren die extremen Bedingungen den Löscheinsatz: Wasser verdunstet schneller, und immer wieder entstehen durch Funkenflug neue Glutnester in unwegsamem Gelände.
Klimaforscherin: Wetterkonstellationen häufiger
„Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Wetterkonstellationen, die Landschaften zu Brandherden machen und Brände zur Katastrophe werden lassen, deutlich häufiger auftreten“, erklärte die Forscherin und WWA-Gründerin Friederike Otto vom Imperial College London. Die Studie belege, dass der Einfluss des Menschen auf das Klima bereits heute unmittelbare Folgen für die Sicherheit und Gesundheit von Millionen Menschen in Südeuropa habe.
Die Wissenschaftler weisen auf einen besonderen Mechanismus hin, der die Waldbrandgefahr in der Mittelmeerregion verstärkt: Regenreiche Winter, auf die trockene Frühlinge folgen, sorgen zunächst für ein üppiges Wachstum von Bäumen, Sträuchern und Gräsern. Fallen dann im Frühjahr die Niederschläge aus, vertrocknet die dichte Vegetation und wird zu einem idealen Brennstoff, der die Intensität eines Feuers um ein Vielfaches steigern kann.
Ausnahmephänomen wird zur Regel
In Europa brennt es in diesem Sommer so heftig wie nie zuvor. Einer ersten wissenschaftlichen Einordnung zufolge wird diese Entwicklung jedoch keine vorübergehende Episode bleiben, sondern künftig zur Normalität gehören. Die von WWA vorgelegte Schnellanalyse zeigt, dass der Klimawandel die Rahmenbedingungen für Waldbrände in Spanien um den Faktor 20 begünstigt – und selbst das könnte laut den Autoren noch unterschätzt sein.
Die zunehmende Häufigkeit solcher Extremereignisse stellt nicht nur die Feuerwehren vor enorme Herausforderungen, sondern auch die Raumplanung und den Zivilschutz. Experten fordern daher neben konsequentem Klimaschutz auch bessere Präventionsmaßnahmen, etwa den gezielten Schutz von Wäldern durch Brandschneisen und eine angepasste Bepflanzung, um das Risiko zumindest zu begrenzen.



