Wasserknappheit in Griechenland: Acht Inseln rufen Notstand aus
Wasserknappheit: Acht griechische Inseln im Notstand

Griechenland erwartet in diesem Sommer wieder Millionen Urlauber, doch ausgerechnet in der Hauptsaison wird auf vielen Inseln das wichtigste Gut knapp: Wasser. Noch bevor der Sommer richtig begonnen hat, müssen mehrere Regionen mit außergewöhnlichen Maßnahmen reagieren. Die Behörden warnen vor einer zunehmenden Belastung der Wasserversorgung.

Acht Inseln im Notstand

Die kleine Insel Poros wurde zuletzt offiziell zum Notstandsgebiet erklärt. Damit wächst die Zahl der griechischen Inseln, auf denen wegen der Wasserknappheit der Notstand ausgerufen wurde, auf acht. Betroffen sind inzwischen unter anderem Tinos, Alonissos, Astypalea, Leros, Patmos, Symi und Karpathos. Auch Teile von Korfu und die Diapontischen Inseln stehen vor ähnlichen Herausforderungen, berichtet tovima.gr.

Ursachen: Trockenheit und steigender Bedarf

Die Ursachen sind vielfältig. In vielen Regionen haben geringe Niederschläge und hohe Temperaturen die Reserven geschwächt. Gleichzeitig steigt der Bedarf während der Urlaubssaison massiv an. Gerade die griechischen Inseln stehen dabei vor einem besonderen Problem: Viele von ihnen sind klein, haben nur begrenzte Möglichkeiten, Wasser unterirdisch zu speichern, und verfügen über keine großen natürlichen Reserven.

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Im Sommer verändert sich die Situation zusätzlich durch den Tourismus. Aus kleinen Inselgemeinden werden innerhalb weniger Wochen internationale Urlaubszentren mit deutlich mehr Menschen als im Winter. Ein Beispiel ist Mykonos: Während in der kalten Jahreszeit täglich etwa 1.600 bis 2.000 Kubikmeter Wasser verbraucht werden, steigt dieser Wert in der Hauptsaison auf bis zu 18.000 Kubikmeter pro Tag. Auch auf anderen beliebten Inseln zeigt sich die extreme saisonale Belastung: Auf Santorin steigt der Verbrauch um mehr als 500 Prozent, auf Paros und Karpathos um rund 344 Prozent.

Astypalea: Vom Vorbild zur Warnung

Besonders aufmerksam verfolgt wird die Lage auf Astypalea. Die Insel galt lange als Beispiel dafür, wie eine nachhaltige Wasserversorgung funktionieren kann. Ein in den 1990er Jahren gebauter Staudamm ermöglichte es der Insel, einen großen Teil ihres Bedarfs aus gespeicherten Wasservorräten zu decken. Nach Angaben von Professor Dimitris Emmanouloudis in einem Interview mit liberal.gr konnte Astypalea zuletzt etwa 90 Prozent ihrer Wasserversorgung über dieses System sichern. Doch inzwischen reichen selbst diese Reserven nicht mehr aus. Bürgermeister Nikos Komineas beschrieb gegenüber Reuters die dramatische Lage: Die gesamte Jahresmenge an Niederschlag würde gesammelt in einem Behälter nur eine wenige Zentimeter hohe Wasserschicht ergeben.

Luxustourismus erhöht den Druck

Eine wichtige Rolle spielt nach Einschätzung von Fachleuten auch der steigende Wasserverbrauch einzelner touristischer Angebote. Professor Dimitris Emmanouloudis von der Demokrit-Universität Thrakien weist darauf hin, dass der Verbrauch pro Gast stark von der Unterkunft abhängt. Während Besucher einfacher Unterkünfte durchschnittlich etwa 450 Liter Wasser am Tag benötigen, können es in hochwertigen Fünf-Sterne-Hotels bis zu 1.000 Liter pro Person sein. Bei großen Anlagen mit mehreren Hundert Gästen entstehen dadurch erhebliche Mengen. Für kleine Inseln mit begrenzten Wasserressourcen kann diese zusätzliche Nachfrage zu einem ernsten Problem werden. Der Professor betont jedoch, dass nicht der Tourismus allein verantwortlich sei. Entscheidend sei die Kombination aus steigender Nachfrage, kleinen Wasserspeichern und veränderten klimatischen Bedingungen.

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Lösungsansätze: Mehr Speicher statt nur Entsalzung

Als schnelle Lösung setzen viele Regionen auf Entsalzungsanlagen. Dabei wird Meerwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Für Emmanouloudis ist diese Technik allerdings nur eine Notlösung. Der Grund: Entsalzung benötigt viel Energie, verursacht hohe Kosten und bringt zusätzliche Umweltfragen mit sich. Statt ausschließlich neues Wasser zu gewinnen, müsse Griechenland stärker versuchen, vorhandenes Wasser festzuhalten. Besonders Regenwasser spiele dabei eine wichtige Rolle. Wasser, das im Winter bei starken Regenfällen unkontrolliert abfließt und teilweise Überschwemmungen verursacht, könnte gespeichert und später im Sommer genutzt werden. Dafür seien nicht immer riesige Bauprojekte notwendig. Der Experte nennt kleinere Maßnahmen wie Auffangflächen für Regenwasser, Speicherbecken, Rückhalteanlagen und traditionelle Trockenmauern.

Regierung vereinfacht Projekte

Die Regierung will angesichts der zunehmenden Probleme die Umsetzung wichtiger Projekte vereinfachen. Durch den Notstand können betroffene Regionen schneller handeln. Geplant beziehungsweise ermöglicht werden sollen unter anderem zusätzliche Entsalzungsanlagen, Reparaturen und Verbesserungen an Wasserleitungen, neue Speicheranlagen sowie schnellere Genehmigungen für notwendige Infrastruktur.

Experten fordern neuen Umgang mit Wasser

Neben technischen Lösungen müsse sich auch der Verbrauch verändern, sagt Emmanouloudis. Dazu gehöre zunächst, genauer zu wissen, wie viel Wasser Touristen tatsächlich verbrauchen. Der sogenannte Wasserfußabdruck des Tourismus sei bislang nicht ausreichend erfasst. Auch im Alltag müsse Wasser sparsamer genutzt werden. Der Professor vergleicht die notwendige Veränderung mit der Entwicklung beim Recycling: So wie sich die Gesellschaft an Mülltrennung gewöhnt habe, müsse auch ein bewusster Umgang mit Wasser selbstverständlich werden.