WHO: Europa muss Bürger besser vor Hitze schützen
WHO: Europa muss besser vor Hitze schützen

Die Länder Europas müssen ihre Bürger nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der fortschreitenden Klimakrise besser vor Hitze schützen. „Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent – und wir bezahlen dafür mit Menschenleben“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. „Allein in den letzten vier Jahren sind europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.“ Hitze sei „ein stiller Killer“. Aber einer, den man vermeiden könne. „Wir haben die Instrumente. Nun müssen wir sie nutzen“, erklärte Kluge.

Hitzeaktionstag in Berlin

Beim deutschen Hitzeaktionstag in Berlin stellte Kluge gemeinsam mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (beide SPD) Maßnahmen zum Schutz vor Hitze vor. Im Fokus stehen ältere und besonders gefährdete Menschen. Umweltminister Schneider betonte: „Der Klimawandel ist überall auf der Welt zu spüren, auch hier bei uns in Deutschland und Europa.“ Hitzeschutz sei auch eine soziale Frage, sagte Schneider. Wer in aufgeheizten Wohnungen und dicht bebauten Vierteln lebe, könne sich oft kaum vor Hitze schützen. Abhilfe würden gesenkte CO2-Emissionen sowie städtische Bäume, Parks, intakte Flüsse, Wälder und Moore schaffen. „Die Natur kann uns helfen gegen die Hitze, wenn wir sie lassen“, so Schneider.

WHO-Leitfaden aktualisiert

Die WHO hat zudem einen aktualisierten Leitfaden vorgelegt, der unter anderem Hitzewarnsysteme und Risikokommunikation verbessern soll. Die zunehmende globale Erwärmung sorgt nach Angaben von Klimaexperten für häufigere, heftigere und länger anhaltende Hitzeperioden. Gerade für Ältere, Kranke und andere Risikogruppen birgt das Gefahren, wie man immer wieder in Hitzewellen etwa in Europa beobachten kann. Weltweit führt extreme Hitze nach WHO-Angaben jedes Jahr zu einer Häufung von hitzebedingten Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden bis hin zu vorzeitigen Todesfällen. Hinzu kommen wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.

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Deutschland unzureichend vorbereitet

Gesundheits- und Klimaexperten halten Deutschland auf Extremhitze bislang nicht ausreichend vorbereitet. Mehr als 150 Organisationen forderten jüngst, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren. In Deutschland sind die Bundesländer und Kommunen für die Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen und -maßnahmen zuständig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums verfügen bislang sieben von 16 Bundesländern über einen landesweiten Hitzeaktionsplan, ein weiteres arbeitet daran.

Die WHO ruft daher zu entschlossenem Handeln auf. Nur durch koordinierte Maßnahmen auf allen Ebenen könne die Zahl der hitzebedingten Todesfälle gesenkt werden. Besonders wichtig seien frühzeitige Warnsysteme, kühle Räume in Städten und die Sensibilisierung der Bevölkerung. Der Hitzeaktionstag soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen und konkrete Schutzmaßnahmen voranzutreiben.

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