Fünf Jahre nach der tödlichen Trunkenheitsfahrt zweier Deutscher auf dem Gardasee, die das Liebespaar Greta Nedrotti (25) und Umberto Garzarella (37) das Leben kostete, darf das Unglücksboot wieder zu Wasser gelassen werden. Das Berufungsgericht in Brescia hob die Beschlagnahmung des Luxus-Motorbootes „Orso“ (dt. „Bär“) auf.
Rechtsstreit um Rückgabe des Bootes
Die Verurteilungen des Lenkers der Riva Aquarama zu viereinhalb Jahren Haft und des Bootsbesitzers zu zwei Jahren und elf Monaten wegen fahrlässiger Tötung sind inzwischen rechtskräftig. Doch um die Rückgabe des 300 PS starken Mahagoni-Bootes tobte lange ein bizarrer Rechtsstreit, der bei den Angehörigen von Greta und Umberto alte Wunden aufriss. „Mich widert der Gedanke an, dass die blutbefleckte Riva wieder auf dem Gardasee segelt“, sagte Umbertos Vater, Enzo Garzarella, italienischen Medien.
Gerichtspräsident ordnet Freigabe an
Nun ordnete Gerichtspräsident Francesco Nappa die Rückgabe der Riva an den Eigentümer an, der nach deutscher Rechtsprechung nicht in Medienberichten identifiziert werden darf. Einzige Auflage: „Vorlage von Unterlagen, die die Ordnung und Sicherheit des Bootes belegen.“ Damit gemeint ist die nachträgliche Installation von zweifarbigen Positionsleuchten. In der Todesnacht sollen diese Lichter für Greta und Umberto nicht sichtbar gewesen sein, sodass sie mit ihrem kleinen, in der Bucht von Salò treibenden Holzboot keine Chance zum Ausweichen hatten.
Angehörige bis heute belastet
„Seit dem 19. Juni 2021 haben wir Lebenslänglich“, sagte Nadia Nedrotti (60), Gretas Mutter, zu BILD über den Tag, an dem ihre Tochter starb. Der Besitzer der „Orso“ hatte seinem Freund das Ruder für die Rückfahrt überlassen, obwohl der erheblich angetrunken war. Er raste dann viermal so schnell wie nachts auf dem Gardasee erlaubt nach Salò, rammte um 23.24 Uhr die kleine „Motobarca“ von Umberto. Er habe es für Treibholz gehalten und sei weitergefahren, sagte er im Prozess aus.
Gretas Eltern waren bei der Entscheidung des Berufungsgerichts in Brescia anwesend, zeigten sich danach wütend und enttäuscht. Auf ihre Initiative hin führte Italien 2023 einen neuen Straftatbestand ein: Der „nautische Totschlag“ wird ebenso hart wie im Straßenverkehr bestraft.



