Ein Betonkoloss aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Bombensturm Menschenleben rettete, dämmert seit Jahrzehnten unbeachtet in Berlin-Tempelhof vor sich hin. Der Tiefbunker an der Bosestraße, erbaut in den frühen 1940er-Jahren, wurde im Kalten Krieg modernisiert und diente als Zivilschutzbunker für rund 200 Personen. Heute ist er ein verlassener Lost Place, der nicht betreten werden darf.
Lage und Erreichbarkeit
Der Bunker befindet sich an der Adresse Bosestraße 5 im Ortsteil Tempelhof des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Die Google-Koordinaten lauten F97H+4WH Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück über die Buslinien 184, 246 und N84 (Haltestelle Albrechtstraße/Manteuffelstraße) erreichbar. Von dort führt ein etwa fünfminütiger Fußweg entlang der Manteuffel- und Bosestraße zum Bunker. Das Gelände ist privat, ein Betreten ist nicht gestattet.
Geschichte des Bunkers
Errichtung im Zweiten Weltkrieg
Als 1940 Luftangriffe der Alliierten die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung. Der Bunker an der Bosestraße gehörte zur „ersten Welle“ dieser Schutzbauten. Er bot Platz für etwa 200 Personen, die in 18 Kammern mit dreistöckigen Betten untergebracht wurden. Die Schlüssel wurden bevorzugt an kinderreiche Familien vergeben.
Während der Bombenangriffe suchten Anwohner Schutz in dem Stahlbetongiganten. Besonders verheerend war der Angriff in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1943, bei dem 712 britische Flugzeuge über 2200 Tonnen Bomben auf Tempelhof und Neukölln abwarfen. Der Bunker erhielt keinen direkten Treffer, rettete aber vielen das Leben.
Nachkriegszeit und Kalter Krieg
Nach Kriegsende wurden viele Bunker gesprengt, doch der Bunker an der Bosestraße blieb erhalten. In den 1960er-Jahren, während der Spannungen des Kalten Krieges, wurde er reaktiviert und modernisiert. 1985 wurde er nach umfangreichen Maßnahmen in das Zivilschutzprogramm Berlins aufgenommen. Die Modernisierung umfasste neue Filteranlagen, Sanitäranlagen und eine Notstromversorgung. Der Bunker war für den Schutz vor Atomkrieg ausgelegt und bot Platz für 200 Westberliner.
Aufgabe und heutiger Zustand
Nach der Wiedervereinigung und dem Zerfall der Sowjetunion änderte sich die Bedrohungslage. 2007 beschloss die Bundesregierung, das Konzept öffentlicher Schutzräume aufzugeben. Der Bunker an der Bosestraße wurde aus der Zivilschutzbindung entlassen und verfiel. Heute ist er ein verlassener Lost Place, der unter einem Tennisplatz des Tempelhofer Tennis Clubs liegt. Vandalismus blieb bisher aus, aber eine Nachnutzung ist nicht in Sicht. Angesichts aktueller Bedrohungen wie dem Ukraine-Krieg wird jedoch über eine mögliche Reaktivierung diskutiert.
Fakten zum Tiefbunker Bosestraße
- Adresse: Bosestraße 5, 12103 Berlin-Tempelhof
- Errichtet: Anfang der 1940er-Jahre als Luftschutzbunker
- Modernisierung: 1980er-Jahre für den Zivilschutz
- Bunkertyp: Flachbunker Typ 2D mit 18 Kammern
- Schutzkapazität: ca. 200 Personen
- Status: Lost Place, kein Denkmalschutz, keine Führungen
Der Bunker ist ein stummes Zeugnis der deutschen Geschichte, das sowohl die Schrecken des Zweiten Weltkriegs als auch die Ängste des Kalten Krieges widerspiegelt. Ob er jemals wieder eine aktive Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten.



