Neuer Zwischenfall im Südchinesischen Meer
Im anhaltenden Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer hat die chinesische Küstenwache erneut ein philippinisches Schiff mit Wasserwerfern attackiert. Nach Angaben der philippinischen Behörden ereignete sich der Vorfall am Morgen (Ortszeit) nahe des umstrittenen Scarborough-Riffs, etwa 220 Kilometer westlich der philippinischen Hauptinsel Luzon. Die Wasserwerfer seien rund zwei Minuten lang auf ein Versorgungsschiff der philippinischen Fischereibehörde gerichtet gewesen.
Philippinische Darstellung: Keine direkten Treffer
Der philippinischen Küstenwache zufolge wurde das Schiff nicht direkt getroffen und konnte seinen Einsatz zur Unterstützung örtlicher Fischer fortsetzen. Verletzte habe es nicht gegeben. Die chinesische Küstenwache hingegen sprach von zwei philippinischen Schiffen, die wiederholt gewarnt und daraufhin mit „notwendigen Maßnahmen“ verfolgt und abgedrängt worden seien. In einer Mitteilung bezeichnete die Behörde ihr Vorgehen als „professionell“ und „rechtmäßig“.
Häufung von Vorfällen an umstrittenen Riffen
Die Zwischenfälle an den umstrittenen Riffen scheinen sich wieder zu häufen, nachdem es zuletzt ruhiger war. Erst Anfang der Woche waren an einem anderen Riff in der Region, um das sich Peking und Manila seit Langem streiten, Seeleute beider Seiten aneinandergeraten. Damals hatte sich die chinesische Küstenwache einem dort seit Jahrzehnten auf Grund gelaufenen philippinischen Kriegsschiff mit einem Schlauchboot genähert und nach philippinischen Angaben einen Soldaten mit einem Schlagstock am Kopf verletzt. Beide Seiten warfen sich anschließend unrechtmäßiges Verhalten vor.
Diplomatische Verwicklungen vor Asean-Treffen
Der jüngste Zwischenfall ereignete sich kurz vor dem Außenministertreffen der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean, das in dieser Woche in der philippinischen Hauptstadt Manila stattfand. Auch Chinas Chefdiplomat Wang Yi war angereist. Wie es von chinesischer Seite hieß, protestierte er bei einem Treffen mit seiner philippinischen Amtskollegin am Rande der Konferenz wegen des Vorfalls.
Hintergrund: Chinas Ansprüche und internationale Kritik
China reklamiert fast das gesamte Südchinesische Meer für sich. Allerdings erheben auch andere Länder wie Vietnam, Malaysia oder die mit den USA verbündeten Philippinen sowie Taiwan Ansprüche in dem rohstoffreichen Gebiet. Sie verweisen auf die Entscheidung eines UN-Schiedsgerichts von 2016, die China jedoch ignoriert. Obendrein kündigte China an seiner südöstlichen Küste für Donnerstag und Freitag Schussübungen in Teilen der Meerenge an, die das Festland von Taiwan trennt – jene unabhängig regierte Inselrepublik, die Peking ebenfalls für sich beansprucht und an die Volksrepublik binden will.



