Zwei Deutsche schildern Horror-Erdbeben in Caracas: „Auto hüpfte auf der Straße“
Deutsche berichten von Erdbeben-Horror in Caracas

Erdbeben in Venezuela: Zwei Deutsche berichten von ihren Erlebnissen

Ein schweres Erdbeben hat Venezuela am 25. Juni 2026 erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS maß die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5. Die Regierung rief den Notstand aus. Bilder und Videos zeigen die Verwüstung, Dutzende Menschen kamen ums Leben oder wurden verletzt. Zwei Deutsche, die zum Zeitpunkt des Bebens vor Ort in Caracas waren, schildern ihre Erlebnisse.

Cornelia Leiter: „Das war surreal – als ob es ein Film wäre“

Cornelia Leiter ist Prädikantin bei der Deutschen Evangelischen Kirche im Stadtteil Altamira. An jenem Abend hatte sie die Kirche bereits verlassen und war in ein nahe gelegenes Brathähnchenrestaurant gegangen. Sie stand an der Theke, als sie plötzlich etwas spürte. „Meine erste Assoziation war, dass vielleicht ein schwerer Transporter draußen vorbeifuhr“, erinnert sie sich. Doch dann fing die Theke an zu wackeln – und Panik brach aus.

Gäste aus der oberen Etage versuchten, über die Treppe nach unten zu flüchten. Da jedoch alles schwankte, hatten die Menschen Mühe, das Gleichgewicht zu halten, mehrere Personen stürzten. Mit Leiter konnten sie sich auf einen großen freien Platz vor dem Restaurant retten. Viele Menschen kamen aus umliegenden Restaurants gerannt und sammelten sich dort. Sie entdeckte auch ihren Mann, der neben einem Auto stand. „Das Auto hüpfte auf der Straße“, berichtet sie. Die wenigen Meter zu ihm zurückzulegen, war alles andere als einfach: „Ich hatte kein Gleichgewicht. Diese Bewegung vom Boden zu kompensieren, das ist niemand gewohnt. Das war furchtbar.“

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Als sie das Auto erreicht hatte und sich festhielt, sah sie in etwa 30 Metern Entfernung ein rund zehnstöckiges Gebäude, das zu schwingen begann. Dann brachen an verschiedenen Stellen die Außenwände heraus. „Das war surreal. Als ob es ein Film wäre.“ Eine Staubwolke stieg auf – sie vermutet, von einem eingestürzten Gebäude.

Nachbeben und Zerstörung: „Man hat das Vertrauen verloren in den Boden“

Wie lange das Beben dauerte, kann Leiter nicht genau sagen. „Gefühlt dauerte es ewig.“ Als es vorbei war, traute sich zunächst keiner irgendwo hinein. Sie half noch einer Kellnerin, die eine Treppe hinuntergestürzt war und unter Schock stand. Dann machte sie sich auf den Weg zu ihrer Schwiegermutter. Auf der Fahrt dorthin sah sie viele zerstörte Gebäude, deren Außenwände herausgefallen waren. „Man konnte richtig in die Wohnungen reinschauen.“ In der Wohnung der Schwiegermutter waren Risse in den Wänden, die nun kontrolliert werden müssen. Leiter selbst wohnt etwas außerhalb von Caracas, in einer bergigen Lage. Dort hielt sich der Schaden in Grenzen – ein heruntergefallenes Weinglas, sonst nichts. Doch die Nachbeben lassen sie und ihren Mann nicht zur Ruhe kommen. „Man hat das Vertrauen verloren in den Boden“, sagt sie. „Wenn man das einmal erlebt hat, dass der Boden nicht das ist, was er sein soll, sondern sich in etwas ganz anderes verwandelt, was sich bewegt, was man nicht kontrollieren kann – das ist ein Gefühl der Machtlosigkeit und des absoluten Ausgeliefertseins.“ Sie hofft nun, dass die Nacht ruhig verläuft: „Wir hoffen jetzt einfach, dass alles gut geht, und warten ab, wie die Nachbeben werden.“

Gisela Fernow: „Sehr, sehr viel Zerstörung“ in Caracas

Auch Gisela Fernow, Leiterin des Deutschen Altersheims in Caracas, war vor Ort, als das Beben passierte. Das Heim blieb verschont – niemand wurde verletzt, nichts wurde beschädigt. Doch direkt gegenüber dem Heim steht ein Hochhaus, aus dem die Fenster herausgerissen wurden und Teile der Außenwände abbrachen. Fernow erlebte das Beben in ihrem Reihenhaus etwas außerhalb von Caracas, im Stadtteil Los Naranjos in den Bergen. Ein Alarm klingelte, und sie wunderte sich zunächst, da sie keinen Wecker gestellt hatte. Kurz darauf folgte eine Nachricht auf ihrem Mobiltelefon: Erdbeben. Im selben Moment fing der Boden an, sich zu bewegen: „Man konnte gar nicht mehr richtig laufen. Eine große, schwere Pflanze bewegte sich plötzlich hin und her.“ Blumenvasen fielen von den Tischen, Bilder von den Wänden. Alle Nachbarn liefen aus ihren Häusern und warteten auf der Straße, bis es aufhörte. „Das Gefühl, wenn sich plötzlich der Boden unter den Füßen hin- und herbewegt und die Lampen anfangen zu wackeln – das ist etwas ganz Furchtbares“, sagt Fernow.

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Dann folgten mehrere Nachbeben. „Wir sind gesund, die Häuser haben nicht gelitten“, sagt Fernow dankbar. Doch die Nachrichten ihrer Mitarbeiter und die Bilder aus der Stadt seien erschreckend: „Unten in Caracas – sehr, sehr viel Zerstörung.“ Ihr Nachbar kämpft mit einem gebrochenen Rohr in der Wand, und auch ihr Keller ist nass. „Alles, was man reparieren kann, ist nicht so schlimm“, sagt Fernow. Mit weiteren Nachbeben sei zu rechnen, sagt sie: „Keiner wird schlafen.“