Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, mit Drohnen gezielt Jagd auf Zivilisten in der Stadt Cherson zu machen. Anlass ist ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert und zeigt, wie eine Kleindrohne einen Straßenhändler attackiert. Selenskyj schrieb in sozialen Medien, dieses Video sei ein weiteres Beispiel für die „Drohnen-Safari, die die Russen gegen Zivilisten in Cherson führen“. Er betonte, solche Angriffe gehörten für die russischen Truppen zum Alltag.
Video zeigt Angriff auf Gemüsehändler
Das veröffentlichte Video zeigt, wie sich eine Drohne einem Mann nähert, der an einem Transporter steht. Ein grüner Sonnenschirm ist aufgebaut, Pappkisten liegen auf dem Boden. Der Mann versucht offenbar, Schutz zu suchen, doch die Drohne verfolgt ihn und explodiert schließlich direkt neben ihm. Das Video wurde zunächst über einen Telegram-Kanal in Cherson verbreitet und anschließend von der örtlichen Polizei aufgegriffen. Der genaue Ursprung der Aufnahme ist unklar.
ARD-Experten bestätigen Authentizität
Verifikationsexperten der ARD haben das Bildmaterial untersucht. Sie kamen zu dem Schluss, dass das Video tatsächlich einen Platz in Cherson zeigt. Zudem gebe es keine Anzeichen für eine Manipulation der Aufnahme, wie die ARD berichtet. Damit ist die Echtheit des Videos weitgehend bestätigt.
Opfer überlebte leicht verletzt
Nach Angaben ukrainischer Behörden überlebte der Mann den Angriff mit leichten Verletzungen. Der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Cherson, Olexander Prokudin, veröffentlichte bei Telegram ein weiteres Video. Darin sitzt der Verletzte auf einem Krankenhausbett und schildert, wie er um seinen Transporter lief und versuchte, dem Drohnenpiloten zu signalisieren, dass er nur Tomaten und Auberginen verkaufe.
Ukrainischer Außenminister fordert internationale Verurteilung
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verurteilte den Angriff scharf. Er sprach von einer gezielten Kampagne zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung. „Dieses barbarische russische Kriegsverbrechen in Cherson erfordert internationale Verurteilung und Gerechtigkeit, doch Tausende ähnlicher Verbrechen gelangen nie an die Öffentlichkeit“, schrieb er auf seinem Telegram-Kanal.
Hintergrund: Frontstadt Cherson
Im Gebiet Cherson stehen sich ukrainische und russische Truppen am Fluss Dnipro gegenüber. Die Gebietshauptstadt Cherson liegt in Reichweite ferngesteuerter Kleindrohnen. Deshalb gibt es immer wieder Berichte über gezielte Angriffe auf Zivilisten. Russland führt seit mehr als vier Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Selenskyj fordert mehr Druck auf Moskau
Selenskyj forderte erneut internationalen Druck auf Moskau, um den Krieg zu beenden. Es gehe nicht nur um die Ukraine, schrieb er. Die Nachbarstaaten Russlands sollten zusammenarbeiten, um echte Sicherheitsgarantien zu schaffen und den Krieg zu beenden.



