Ein neues Video aus der ukrainischen Stadt Cherson zeigt offenbar, wie eine russische Drohne einen Gemüsehändler gezielt angreift und neben ihm explodiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte das Video und sprach von einer „Drohnen-Safari“ der Russen gegen Zivilisten. Der Mann überlebte den Angriff mit mehreren Splitterverletzungen, wie ukrainische Behörden mitteilten.
Video zeigt Angriff auf Straßenhändler
Das Video, das zunächst in einem Telegram-Kanal aus Cherson und später bei der örtlichen Polizei auftauchte, zeigt einen Mann, der an einem Transporter steht. Ein grüner Schirm ist aufgebaut, Pappkisten mit Gemüse stehen auf dem Boden. Als die Drohne näherkommt, faltet der Mann flehend die Hände und sucht panisch Schutz hinter seinem Auto. Die Drohne verfolgt ihn und explodiert schließlich direkt neben ihm.
Nach Angaben der ukrainischen Polizei überlebte der Mann den Angriff leicht verletzt. Die Behörden veröffentlichten ein Foto, das ihn nach der Attacke zeigt. Später wurde der Mann offenbar im Krankenhaus interviewt; ein Video des Chefs der Militärverwaltung des Gebiets Cherson zeigt ihn auf einem Bett sitzend. Er heißt demnach Jurij und erlitt vielfache Splitterverletzungen.
Selenskyj wirft Russland gezielte Jagd vor
Selenskyj schrieb in sozialen Medien: „Heute hat ein weiteres Video der Drohnen-‚Safari‘, die die Russen gegen Zivilisten in Cherson führen, viele schockiert.“ Er betonte, dass solche Angriffe in der Stadt an der Tagesordnung seien. Die Russen hätten sogar den Angriff auf den Gemüsehändler zugegeben und dabei „null Reue“ gezeigt, so der Präsident.
Jurij selbst beschreibt im Interview, wie er seine Ware ausgebreitet und den Schirm aufgestellt hatte, als die Drohne erschien. Seine Frau sei weggelaufen. Er habe versucht, dem Drohnenpiloten zu signalisieren, dass er nur Gemüse verkaufe und keine militärische Fracht transportiere. „Er ist ja unter den Schirm geflogen und hat gesehen, dass da Tomaten standen und Auberginen“, sagt Jurij. „Ich zeigte ihm: ‚Schau her, Gemüse!‘“ Dennoch habe die Drohne ihn weiter verfolgt.
Hintergrund: Frontstadt Cherson
Cherson liegt am Ufer des Dnipro, wo sich ukrainische und russische Truppen gegenüberstehen. Die Stadt ist regelmäßig Ziel von Angriffen mit ferngesteuerten Kleindrohnen aus Russland. Immer wieder gibt es Berichte über eine gezielte Jagd auf Zivilisten. Erst kürzlich wurden bei einem Drohnenangriff auf die nahe gelegene Stadt Nikopol mindestens fünf Menschen getötet.
Selenskyj forderte erneut mehr Druck auf Moskau, um den Krieg zu beenden. Es gehe nicht nur um die Ukraine, sondern auch um die Sicherheit der Nachbarstaaten Russlands. Diese sollten zusammenarbeiten, um echte Sicherheitsgarantien zu erreichen und den Krieg zu beenden.
Reaktionen und Forderungen
Der Vorfall hat international für Empörung gesorgt. Beobachter sehen darin ein weiteres Beispiel für die brutale Kriegsführung Russlands, die gezielt Zivilisten ins Visier nimmt. Menschenrechtsorganisationen fordern eine unabhängige Untersuchung der Drohnenangriffe auf die Zivilbevölkerung in der Südukraine.
Die ukrainische Regierung dokumentiert solche Vorfälle, um sie als Beweise für Kriegsverbrechen zu nutzen. Selenskyj appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Ukraine mit mehr Waffen und Luftverteidigungssystemen zu unterstützen, um die Zivilisten besser zu schützen.



