Posad-Pokrowsk: Nach Wiederaufbau kehrt der Schrecken zurück
Posad-Pokrowsk: Nach Wiederaufbau kehrt der Schrecken zurück

Im kleinen Dorf Posad-Pokrowsk nahe Cherson versuchen die Menschen, trotz des Krieges weiterzuleben. Doch ein dramatischer Rückschlag erschüttert die Gemeinschaft: Am 5. Juni 2026 schlägt eine russische Geran-Drohne in eine Tankstelle ein. Vier Menschen sterben, elf werden verletzt. Unter den Toten ist Liudmyla, eine 36-jährige Verkäuferin und Freundin von Oleh Dolholutskyi.

Ein Ort der Hoffnung wird zum Symbol der Tragödie

Die Tankstelle war mehr als nur eine Raststätte. Sie galt als Symbol für den Willen der Dorfbewohner, ihr von Russland zerstörtes Dorf wiederaufzubauen. Im Februar 2026 hatten Funke-Reporter die Tankstelle noch als Ort der Normalität erlebt, mit Hotdogs und Kaffee. Nun ist sie eine Ruine: rußgeschwärzte Metallteile, Glassplitter, ausgebrannte Autowracks. „Was hier passiert, ist sehr erschütternd. Es ist tragisch“, sagt Dolholutskyi. „Es sind Menschen getötet worden, die wir alle kannten.“

Wiederaufbau trotz permanenter Gefahr

Posad-Pokrowsk liegt zwischen Cherson und Mykolajiw und wurde 2022 schwer bombardiert. Nach dem Rückzug der Russen im Herbst 2022 begannen die Bewohner mit dem Wiederaufbau: Sie verlegten Wasserleitungen, deckten Dächer, verteilten Hilfslieferungen. Inzwischen stehen über 100 neue Häuser, viele Straßen sind befahrbar, die Stromversorgung ist stabil. Doch die jüngsten Angriffe machen alle Fortschritte zunichte. „Ich lebe mit einer inneren Angst, weil meine Familie hier ist, meine Kinder sind hier“, gesteht Dolholutskyi.

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Bauern fürchten um ihre Ernte

Der Sommer 2026 hätte ein Sommer der Hoffnung sein können. Viel Regen im Mai ließ die Ernte gut gedeihen. Viacheslav, 36, Bruder von Oleh, steht mit ölverschmierten Händen vor seinem alten Traktor. „Die Ernte könnte in diesem Jahr viel besser ausfallen als in den letzten Jahren.“ Doch die jüngsten Drohnenangriffe machen ihm Sorgen: „Hoffentlich stürzt keine Drohne in meine Felder. Dann könnte mein Getreide abbrennen.“ Seine Befürchtung ist real: Vor zwei Tagen explodierte eine russische Kamikaze-Drohne vor dem Dorfladen, eine Verkäuferin wurde verletzt. In der Nacht traf eine Drohne die zweite Tankstelle des Dorfes. Die Russen setzen nun Molniyas ein, Drohnen mit größerer Reichweite, die das Dorf wieder in Gefahr bringen.

Schutzmaßnahmen und fehlende Freiwillige

An der beschädigten Ukrnafta-Tankstelle arbeiten Männer daran, die Schäden zu beheben. Tankwart Iwan trägt jetzt eine Splitterschutzweste – zum ersten Mal. „Was auch immer passiert, passiert“, sagt er fatalistisch. Der Dorfladen hat nach dem Angriff sofort wieder geöffnet, die Verkäuferinnen haben die Auslagen gesäubert und zerbrochene Fenster durch Spanplatten ersetzt. Doch Oleh Dolholutskyi kritisiert die Behörden: „Niemand scheint an Sicherheit zu denken. Und niemand ergreift auch nur grundlegende Maßnahmen, um wichtige Orte zu schützen.“ Er lagert große Mengen an Schutznetzen, die eine norwegische Hilfsorganisation gespendet hat. Doch es fehlen Pfeiler, um sie aufzurichten, und vor allem Männer für die Arbeiten. „Es gibt immer weniger Freiwillige, weil TZK alle holt“, beklagt er. Die Territorialen Rekrutierungszentren greifen viele Männer im wehrpflichtigen Alter ab und schicken sie direkt in Trainingscamps.

Die Bewohner bleiben trotz allem

Wolodymyr Mikheiew, 62, ist beunruhigt über die Sicherheitslage. Er fordert, dass das Militär vorsichtiger sein müsse, da die Tankstelle ein beliebter Treffpunkt für Soldaten war. Lena, die mit ihrer Enkelin in den Park kommt, sieht trotz allem Fortschritte: „Als wir hierherkamen, gab es nichts als Ruinen. Jetzt ist es besser geworden.“ Sie lächelt: „Es ist ermutigend, hier wieder Kinder auftauchen zu sehen. Man hört abends Lieder, Lachen.“ Doch sie weiß: „Wir brauchen vielleicht weitere zehn Jahre zum Wiederaufbau, wenn wir weiterhin Hilfe erhalten.“ Oleksandra, die erst kürzlich mit Mann und zwei Kindern in die Nachbarschaft gezogen ist, kann sich ein Leben woanders nicht vorstellen. „Es ist ohnehin nirgendwo völlig sicher. Wir sind hier aufgewachsen. Wir gehören nirgendwo anders hin. Unsere Seelen sind hier zu Hause.“

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