Putins strategische Neuausrichtung: Der Winter als Waffe
Die Ukraine verzeichnet zwar Erfolge mit Drohnenangriffen auf russisches Territorium, doch die eigene Luftabwehr zeigt deutliche Schwächen. Mit Beginn des Herbstes und Winters könnte Russlands Präsident Wladimir Putin erneut eine Taktik des Kälte-Terrors gegen die ukrainische Zivilbevölkerung anwenden. Dies analysiert BILD-Weltchefreporter Paul Ronzheimer im Gespräch mit Thomas Kausch.
Luftabwehr der Ukraine unter Druck
Nach monatelangen intensiven Kämpfen ist die ukrainische Luftverteidigung zunehmend überlastet. Während Kiew mit westlichen Systemen wie Patriot und IRIS-T ausgestattet wurde, reichen die Kapazitäten nicht aus, um alle russischen Raketen und Drohnen abzufangen. „Die Lücken in der Luftabwehr werden größer, und genau das will Putin ausnutzen“, so Ronzheimer. Experten schätzen, dass Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur verstärken wird, um die Ukraine im Winter erneut ins Dunkel zu stürzen.
Der 5. Kriegswinter: Eine Zäsur?
Der bevorstehende Winter wäre der fünfte seit Kriegsbeginn. In den vergangenen Jahren hatte Russland gezielt Stromnetze und Heizungsanlagen bombardiert, um die Bevölkerung zu demoralisieren. „Putin setzt darauf, dass die Ukrainer den Kälte-Terror nicht durchhalten“, erklärt Ronzheimer. Die ukrainische Regierung bereitet sich mit Notstromaggregaten und dezentralen Energiequellen vor, doch die Herausforderungen sind enorm. Laut offiziellen Angaben sind bereits 40 Prozent der Energieinfrastruktur beschädigt oder zerstört.
Drohnenoffensive als Gegenschlag
Gleichzeitig zeigt die Ukraine mit eigenen Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien und Militärstützpunkte, dass sie weiterhin offensiv agieren kann. Diese Angriffe sollen Russlands Kriegswirtschaft schwächen. „Jeder erfolgreiche Drohnenangriff ist ein psychologischer und materieller Schlag gegen Putin“, betont Ronzheimer. Allerdings könne dies die defensive Schwäche nicht kompensieren. Die Ressourcen für die Drohnenproduktion seien begrenzt, während Russland seine Raketenproduktion hochgefahren habe.
Internationale Unterstützung und ihre Grenzen
Die westlichen Partner haben weitere Luftabwehrsysteme zugesagt, doch die Lieferungen verzögern sich oft. „Ohne ausreichende Luftverteidigung wird die Ukraine jeden Winter zum Kampf ums Überleben“, warnt Ronzheimer. Präsident Wolodymyr Selenskyj drängt auf schnellere Hilfe, insbesondere auf F-16-Kampfjets, die die Luftabwehr ergänzen könnten. Bislang sind jedoch nur wenige Maschinen einsatzbereit.
Fazit: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Die Ukraine steht vor einem harten Winter. Die Erfolge bei Drohnenangriffen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Luftabwehr geschwächt ist. Putin wird diese Schwäche nutzen, um die Bevölkerung mit Kälte und Dunkelheit zu quälen. Die Frage ist, ob die Ukraine durchhalten kann – und ob der Westen rechtzeitig die notwendige Unterstützung liefert.



