Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die massiven russischen Angriffe auf die Ukraine scharf kritisiert und den Einschlag einer mutmaßlichen russischen Rakete in Polen als Zeichen für Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft gewertet. „Viele Zivilisten mussten wieder ihr Leben lassen“, schrieb Merz am Donnerstag auf der Plattform X. „Der Einschlag in Polen zeugt auch von russischer Rücksichtslosigkeit und Eskalationsbereitschaft.“ Deutschland stehe „unverbrüchlich“ an der Seite seiner Partner, versicherte der Kanzler.
Massive Angriffe auf die Ukraine
Bei den neuen russischen Angriffen auf die Ukraine waren nach Behördenangaben mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter einer in der Hauptstadt Kyjiw. Die Angriffe reichten bis in die westlich gelegene Stadt Lwiw. Dutzende Menschen wurden zudem verletzt, wie die ukrainischen Behörden mitteilten. Im benachbarten Polen schlug ein Objekt ein, bei dem es sich laut Ministerpräsident Donald Tusk wahrscheinlich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ Kh-101 handelte.
Einschlag in Polen: Krater auf Ackerland
„Ein nicht identifiziertes Objekt, das sich in westlicher Richtung bewegte, wurde im polnischen Luftraum entdeckt“, teilte das Einsatzkommando der polnischen Streitkräfte auf X mit. Kurz nach der Sichtung um 3:40 Uhr Ortszeit verschwand es von den Radargeräten. Ein Mi-24-Hubschrauber lokalisierte die wahrscheinliche Absturzstelle in einem unbebauten Gebiet nahe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin, etwa 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Krater war nach Angaben des Innenministeriums etwa zehn Meter breit und befand sich auf Ackerland, nur zwei Kilometer von Wohngebäuden entfernt. In Lublin ertönten Sirenen, um vor möglichen russischen Angriffen zu warnen.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha erklärte auf X: „In der Nacht drang im Rahmen des massiven russischen Angriffs auf die Ukraine ein russischer Kh-101-Marschflugkörper nach Polen ein und verletzte damit den NATO-Luftraum.“ Eine Stellungnahme aus Russland lag zunächst nicht vor.
Tusk: Alles deutet auf russische Waffe hin
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte bei einer Krisensitzung: „Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine russische ballistische Kh-101-Rakete handelte, aber wir wollen zu 100 Prozent sicher sein, um welchen Raketentyp es sich handelt und wer sie abgefeuert hat.“ Er fügte hinzu: „Es bestand keine direkte Bedrohung, da die Rakete in einem unbewohnten Gebiet einschlug; wir waren bereit, sie abzuschießen, falls sie ihren Flug fortgesetzt hätte.“ Tusk betonte, es gebe keinen Grund von Polen als Ziel auszugehen. Ukrainische Kampfpiloten hätten versucht, Raketen abzuschießen, die sich der polnischen Grenze genähert hätten. Laut polnischen Ermittlern hat die Ukraine darum gebeten, das eingeschlagene Objekt mit eigenen Spezialisten zu untersuchen.
NATO und EU reagieren
Der Oberbefehlshaber der NATO, General Alexus G. Grynkewich, sprach am Donnerstag mit dem polnischen Generalstabschef, General Wieslaw Kukulan, um die Reaktion auf den Vorfall zu besprechen. Ein Sprecher des NATO-Militärhauptquartiers teilte mit: „Die NATO und Polen haben ihre Luft- und Bodenabwehr aktiviert. Der Vorfall wird derzeit noch untersucht.“ Grynkewich betonte, die NATO werde weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das NATO-Gebiet zu verteidigen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Verletzung des polnischen Luftraums auf das Schärfste. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schloss sich auf X der Kritik an und bezeichnete den Vorfall als weiteren Beweis für die Bedrohung durch Russland.



