Russland greift zwei Frachter vor Odessa an – Kapitän getötet
Das russische Militär hat zwei weitere zivile Frachter bei der südukrainischen Hafenstadt Odessa im Schwarzen Meer attackiert. Dabei kam der Kapitän eines der Schiffe ums Leben, wie der Militärgouverneur des Gebiets Odessa, Oleh Kiper, auf Telegram mitteilte. Von den elf Besatzungsmitgliedern wurden drei verletzt. Die Schiffe fuhren unter den Flaggen Tansanias und Liberias.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe auf zwei Trockenfrachter, die auf dem Weg in den Hafen Odessa waren. Zudem seien drei weitere ankernde Frachter im Hafen mit Kampfdrohnen angegriffen worden. Nach russischen Angaben transportierten die Schiffe militärische Güter.
In den vergangenen Tagen hatte die Ukraine Drohnenangriffe auf Tanker und Frachter im Asowschen Meer durchgeführt. Nach ukrainischen Angaben wurden dabei bereits über 100 Schiffe attackiert. Russland weitete daraufhin seine Angriffe auf die ukrainische Hafeninfrastruktur und Schiffe, die ukrainische Häfen anlaufen, aus.
Zivile Opferzahlen steigen – Kriegsrecht verlängert
In der Ukraine steigen die zivilen Opferzahlen den fünften Monat in Folge. Laut einem UN-Bericht wurden im Juni 293 Zivilisten getötet und 1990 verletzt. Seit Kriegsbeginn sind mehr als 16.400 Zivilisten getötet und über 48.600 verletzt worden. Der Großteil der Opfer wurde in von der Regierung kontrollierten Gebieten erfasst, während die UN-Experten keinen Zugang zu den russisch besetzten Gebieten haben.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kämpfe hat das ukrainische Parlament das Kriegsrecht und die Mobilmachung um weitere 90 Tage verlängert. Für die von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereichten Gesetze stimmte jeweils eine Zweidrittelmehrheit. Nach der erwarteten Unterschrift Selenskyjs gelten beide Maßnahmen bis Ende Oktober.
Ukraine versenkt russisches Grenzschutzboot
Die ukrainische Marine hat nach eigenen Angaben mit einer Seedrohne ein Schiff des russischen Grenzschutzes im Schwarzen Meer versenkt. Zum Einsatz kam ein unbemanntes Schnellboot vom Typ Sargan-3000. An Bord des russischen Schiffs gab es Tote und Verletzte. Das Gefecht fand vor der russischen Küste bei Noworossijsk statt. Aus Russland gab es keine Bestätigung. Es handelte sich um die 62,5 Meter lange „Isumrud“, die dem Inlandsgeheimdienst FSB untersteht.
Polen fängt russisches Aufklärungsflugzeug ab
Polnische Kampfjets haben ein russisches Aufklärungsflugzeug Iljuschin Il-20 dicht vor der Ostseeküste Polens abgefangen. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte: „Das ist der erste russische Versuch seit langem, sich unserer Küste zu nähern, um die Flugabwehr auszukundschaften.“ Russland teste die Nato aus. Die russische Maschine flog etwa 30 Kilometer vor der Hafenstadt Ustka über internationalen Gewässern und drehte nach einer Warnung ab.
Chef von Ukroboronprom tritt zurück
Der Chef des staatlichen ukrainischen Rüstungskonzerns Ukroboronprom, Herman Smetanin, ist zurückgetreten. Dies geschah eine Woche nach einem russischen Angriff auf ein Lager des Unternehmens in der Region Kiew. Smetanin nannte keinen Grund. Zum kommissarischen Nachfolger wurde der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister Serhij Bojew ernannt. Der Konzern vereint rund 100 Waffenhersteller; die jährliche Produktionskapazität wird auf rund 50 Milliarden Dollar geschätzt.
Ukrainisches Parlament nimmt Rücktritt von Ministerpräsidentin an
Das ukrainische Parlament hat den Rücktritt von Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko angenommen. Sie legte ihr Amt nach einem Jahr auf Bitten von Präsident Selenskyj nieder. Damit tritt die gesamte Regierung zurück. Selenskyj begründete die Umbildung mit einem neuen politischen Kurs. Der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Schelesnjak kritisierte: „Uns wurden jeden Tag Ergebnisse versprochen. Die Regierung hat dieses Versprechen gehalten: jeden Tag Präsentationen, jeden Tag Pressekonferenzen und jeden Tag ein neuer Verdächtiger in einem Korruptionsfall.“
Polen kündigt erste Manöver der „Koalition der Willigen“ an
Erste Militärmanöver der „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine sollen in diesem Herbst in Polen stattfinden. Das kündigte Ministerpräsident Donald Tusk in Paris an. Truppen aus Frankreich und Großbritannien werden teilnehmen. Die Manöver sollen die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, so Tusk. Die Koalition plant eine multinationale, von Europa geführte und von den USA unterstützte Truppe für die Zeit nach einem Kriegsende.
Kreml kritisiert Merz für Sicherheitsgarantien
Der Kreml hat Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu künftigen Sicherheitsgarantien für die Ukraine kritisiert. „Sicherheitsgarantien ohne die Beteiligung Russlands zu formulieren, ist unmöglich“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Merz hatte erklärt: „Wie wir im Einzelnen unsere Sicherheitsgarantien ausgestalten, das werden die Ukraine und ihre Partner entscheiden, nicht Moskau.“
Weitere Entwicklungen
Russland hielt unangekündigte Schießübungen auf dem Peipussee an der Grenze zu Estland ab. Die EU treibt die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine voran, unter anderem mit Gesprächen zur Außenpolitik. Russland prüft neue Frachtrouten nach ukrainischen Drohnenangriffen im Asowschen Meer, bei denen nach Kiewer Angaben 116 Schiffe getroffen wurden. Die Ukraine attackierte eine Raffinerie in Baschkortostan nahe dem Ural. Bei einem Treffen der „Koalition der Willigen“ in Paris kündigte Emmanuel Macron gemeinsame Manöver in Nachbarländern der Ukraine an. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und sechs weitere Staaten gründeten eine Raketenabwehr-Koalition mit der Ukraine.



