Bauarbeiter haben auf dem Marineflugplatz Nordholz im Landkreis Cuxhaven zufällig ein Sturmgeschütz III aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Das Fahrzeug lag nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben rund 80 Jahre im Sand verborgen und ist nahezu vollständig erhalten. Es wurde als „historisch bedeutendes Fundobjekt“ eingestuft.
Außergewöhnlicher Erhaltungszustand durch trockenen Sand
Mariel Kubatz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erklärte, dass bei solchen Ausgrabungen normalerweise nur Einzelteile gefunden werden. Diesmal aber kam ein fast komplettes Sturmgeschütz zum Vorschein. Der trockene Sand am Rand einer Böschung wirkte über Jahrzehnte wie eine natürliche Konservierungsschicht. An einigen Stellen ist noch Tarnfarbe zu erkennen, eine Seite des Fahrwerks wirkt erstaunlich intakt.
Der Archäologe Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Landkreis Cuxhaven, sagte, Fachleute gingen davon aus, dass einzelne Teile des Fahrwerks noch kurz vor Kriegsende ausgetauscht worden seien. Dazu zählten offenbar eine Laufrolle und mehrere Räder.
Blick ins Innere: „Sehr eindrucksvoll“ und „bedrückend eng“
Besonders eindrucksvoll ist nach Angaben der Fachleute, dass sich das Fahrzeug noch öffnen lässt. Hüser beschrieb den Blick ins Innere als „sehr eindrucksvoll“, zugleich aber auch als „bedrückend eng“. In diesem engen Raum war das Sturmgeschütz für vier Soldaten ausgelegt: Vorne saß der Fahrer, hinter ihm richtete ein weiterer Soldat die Kanone aus, der Kommandant gab die Befehle, und ein vierter Mann lud die Geschosse nach.
Sturmgeschütz StuG III: Erfolgsmodell ohne drehbaren Turm
Das StuG III hatte keinen drehbaren Turm; seine Kanone war nach vorn ausgerichtet. Wollte die Besatzung grob zielen, musste sie das gesamte Fahrzeug bewegen. Diese Konstruktion machte es einfacher zu bauen als viele Panzer mit Turm. Es war niedriger, vergleichsweise beweglich und für die Wehrmacht wichtig, weil es in großer Zahl produziert werden konnte. Bis April 1945 wurden rund 9.300 Exemplare hergestellt. Henning Haßmann, Landesarchäologe beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, nannte das Sturmgeschütz einen „Bestseller“ der deutschen Rüstungsindustrie.
Spuren heftiger Kämpfe: 17 weiße Markierungen am Kanonenrohr
Nach bisherigen Erkenntnissen gehörte das Sturmgeschütz zu einer Brigade aus Nordholz, die vor allem in Frankreich stationiert war. Mindestens 17 weiße Markierungen am Kanonenrohr deuten darauf hin, dass es Kampferfahrung hatte. Hüser erklärte, für jeden zerstörten gegnerischen Panzer sei offenbar eine solche Markierung angebracht worden. Der Fund erzählt damit auch von den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs in Nordwestdeutschland, wo bis kurz vor Kriegsende noch heftig gekämpft wurde.
Die Archäologen gehen davon aus, dass alliierte Truppen das Sturmgeschütz kurz nach Kriegsende in einem Graben vergruben, zusammen mit weiterem militärischem Material. Bei den Ausgrabungen fanden die Fachleute auch Munitionsreste und kleinere Granatensplitter.
Spezialisten bereiten Panzerfund für Ausstellung vor
Anfang Juni wurde das 29 Tonnen schwere Sturmgeschütz mit einem Kran aus dem Boden gehoben. Im August soll es zunächst ins Deutsche Panzermuseum Munster im Heidekreis gebracht werden. Dort wollen Fachleute das Fahrzeug genauer untersuchen, stabilisieren und vor weiterem Verfall schützen. Perspektivisch soll es im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden gezeigt werden. Bis Besucher das Sturmgeschütz in einer Ausstellung sehen können, dürften allerdings mehrere Jahre vergehen. Dann wird es nicht nur als militärhistorisches Objekt zu sehen sein, sondern auch als Beispiel dafür, wie lange Spuren des Zweiten Weltkriegs im Boden erhalten bleiben können.



