Vor genau 40 Tagen kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine rätselhafte „40-tägige Einflussoperation“ der ukrainischen Geheimdienste an. Das erklärte Ziel: Russland zum Einlenken bewegen. Ein Frieden ist bis heute nicht in Sicht – doch der Krieg hat sich durch diese Operation nachhaltig verändert. Die Ukraine hat dabei viel erreicht, aber ein Waffenstillstand hängt weiterhin an einer bestehenden großen Schwäche. Die Experten-Einschätzungen gibt es jetzt mit BILDplus.
Was geschah in den 40 Tagen?
Die Operation, die von Selenskyj am 25. Juni 2026 angekündigt wurde, zielte darauf ab, die russische Führung durch eine Kombination aus militärischen Schlägen, Cyberangriffen und psychologischer Kriegsführung zu schwächen. Laut Militärexperten umfasste die Operation Angriffe auf russische Kommandostrukturen, Logistikzentren und Treibstoffdepots in den besetzten Gebieten sowie auf der Krim. Besonders bemerkenswert war eine Serie von Drohnenangriffen auf russische Ölraffinerien, die die Treibstoffversorgung der russischen Truppen erheblich beeinträchtigte.
Parallel dazu führte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR eine groß angelegte Cyberkampagne durch, die russische Regierungswebsites, Banken und Kommunikationssysteme lahmlegte. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden dabei über 200 russische Online-Dienste vorübergehend gestört. „Wir haben die russische Führung gezwungen, Ressourcen von der Front abzuziehen, um ihre eigene Infrastruktur zu schützen“, erklärte ein hochrangiger ukrainischer Offizier unter der Bedingung der Anonymität.
Militärische Erfolge und ihre Wirkung
Die Operation zeigte auch an der Front Wirkung. Ukrainische Truppen nutzten die Verwirrung, um in der Region Saporischschja und bei Cherson Geländegewinne zu erzielen. Laut dem Institute for the Study of War (ISW) konnten die ukrainischen Streitkräfte in den letzten 40 Tagen etwa 300 Quadratkilometer Territorium zurückerobern. Das ist zwar weniger als bei der Gegenoffensive 2023, aber dennoch ein strategischer Erfolg, da es die russischen Versorgungslinien weiter destabilisierte.
Besonders schwer traf Russland der Verlust von mehreren Luftabwehrsystemen, die durch ukrainische Präzisionsschläge zerstört wurden. Dies ermöglichte es der Ukraine, ihre Drohnenangriffe bis tief in russisches Gebiet auszuweiten. In der russischen Stadt Engels, wo ein wichtiger Militärflugplatz liegt, kam es zu mehreren Explosionen, die von ukrainischen Drohnen ausgelöst wurden. Die russische Luftwaffe musste daraufhin einen Teil ihrer strategischen Bomber nach Osten verlegen.
Die große Schwäche: Die Luftüberlegenheit bleibt russisch
Trotz dieser Erfolge bleibt die Ukraine in einer entscheidenden Frage verwundbar: der Luftüberlegenheit. Russische Kampfjets und Hubschrauber dominieren weiterhin den Luftraum über der Frontlinie. Die von westlichen Partnern zugesagten F-16-Kampfjets sind bislang nur in geringer Zahl eingetroffen, und die ukrainische Luftabwehr ist überlastet. „Ohne eine effektive Luftverteidigung und moderne Kampfflugzeuge wird die Ukraine keinen dauerhaften Waffenstillstand erreichen können“, sagt der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations.
Diese Schwäche macht sich vor allem bei den täglichen russischen Luftangriffen auf ukrainische Städte bemerkbar. In den letzten 40 Tagen wurden dabei über 200 Zivilisten getötet, wie die Vereinten Nationen berichten. Die Ukraine kann zwar viele Raketen und Drohnen abfangen, aber die russische Überlegenheit in der Luft führt dazu, dass die Ukraine gezwungen ist, ihre eigenen Kräfte zu schonen und sich defensiv zu verhalten.
Diplomatische Initiativen und der Weg zu Verhandlungen
Die Einflussoperation hatte auch eine diplomatische Komponente. Selenskyj nutzte die militärischen Erfolge, um auf internationaler Bühne Druck auf Russland auszuüben. Bei einem Treffen mit westlichen Verbündeten in Brüssel forderte er erneut die Einladung der Ukraine in die NATO und die Lieferung weiterer Waffen. Die USA und Deutschland kündigten daraufhin neue Militärhilfen im Wert von mehreren Milliarden Euro an, darunter weitere Patriot-Systeme und Artilleriemunition.
Gleichzeitig signalisierte die russische Regierung erstmals vorsichtige Gesprächsbereitschaft. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, dass Moskau bereit sei, über einen Waffenstillstand zu verhandeln, allerdings nur unter Berücksichtigung der „neuen territorialen Realitäten“. Diese Äußerung wird von Beobachtern als Reaktion auf die ukrainischen Erfolge gewertet, aber auch als Versuch, Zeit zu gewinnen.
Die Zukunft: Waffenstillstand oder Eskalation?
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die Ukraine hat bewiesen, dass sie Russland militärisch und psychologisch unter Druck setzen kann. Doch ohne eine Lösung der Luftüberlegenheit und ohne eine klare Sicherheitsgarantie des Westens bleibt ein dauerhafter Frieden unwahrscheinlich. „Die Ukraine hat in den letzten 40 Tagen gezeigt, dass sie kämpfen kann, aber der Preis ist hoch“, sagt die Politikwissenschaftlerin Oksana Syroїd von der Kiewer Akademie. „Ein Waffenstillstand wird nur gelingen, wenn der Westen seine Unterstützung nicht nur beibehält, sondern deutlich ausbaut.“
Die nächsten Schritte werden zeigen, ob die Einflussoperation nachhaltig ist oder ob Russland sich von den Rückschlägen erholt. Fest steht: Der Krieg hat eine neue Dynamik bekommen, und Putin hat die ukrainische Widerstandsfähigkeit erneut unterschätzt. Die vollständigen Experten-Analysen und Hintergründe lesen Sie jetzt mit BILDplus.



