Russland hat nach eigenen Angaben einen der bislang größten Drohnenangriffe aus der Ukraine auf die Hauptstadt Moskau und umliegende Regionen abgewehrt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht zum Dienstag seien insgesamt mehr als 400 ukrainische Drohnen über russischem Territorium abgefangen und zerstört worden. Der Angriff habe sich vor allem gegen die Millionenmetropole Moskau und die angrenzende Oblast Moskau gerichtet.
Massenangriff auf Moskau: Zahl der Drohnen steigt auf über 400
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden allein über der Hauptstadt Moskau 150 Drohnen abgeschossen, über der Oblast Moskau weitere 100. Hinzu kamen Dutzende Drohnen in anderen Regionen wie Brjansk, Kursk, Tula und Kaluga. Insgesamt sprach das Ministerium von 406 abgefangenen Drohnen – eine Zahl, die im Vergleich zu früheren Angriffen deutlich gestiegen ist. Der ukrainische Generalstab äußerte sich zunächst nicht zu dem Angriff.
Der Angriff löste in Moskau und Umgebung Panik aus. Nach Berichten örtlicher Behörden wurden mehrere Gebäude getroffen, darunter ein Wohnhaus in der Stadt Ramenskoje südöstlich von Moskau. Dabei seien mindestens eine Person getötet und mehrere verletzt worden. In der Region Moskau wurden nach Angaben von Gouverneur Andrei Worobjow drei Menschen verletzt, darunter ein Kind. Die Einsatzkräfte seien im Großeinsatz.
Flughäfen in Moskau stellen Betrieb ein
Die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija ordnete wegen des Drohnenangriffs vorübergehende Schließungen der Moskauer Flughäfen Schukowski, Domodedowo und Wnukowo an. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet. Auch der Flughafen Scheremetjewo war betroffen. Die Flughäfen nahmen den Betrieb erst am Morgen wieder auf.
Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden nach einem ukrainischen Vorstoß mit Marschflugkörpern und Drohnen auf die russische Region Brjansk, bei dem nach russischen Angaben 12 Raketen und zwei Drohnen abgefangen wurden. Die Ukraine setzt zunehmend auf Drohnenangriffe, um die russische Luftverteidigung zu überlasten und strategische Ziele anzugreifen.
Selenskyj: Drohnenproduktion in der Ukraine massiv gesteigert
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erst kürzlich erklärt, die Ukraine habe die Produktion eigener Drohnen massiv hochgefahren. Ziel sei es, Russland mit einer „Drohnenarmee“ zu überziehen und die russische Luftabwehr zu zermürben. Die Ukraine setzt dabei auf eine Mischung aus improvisierten und industriell gefertigten Drohnen, die oft mit Sprengstoff bestückt sind.
Der Angriff auf Moskau zeigt, dass die Ukraine in der Lage ist, tief in russisches Territorium vorzudringen. Bereits im Mai hatte die Ukraine erstmals eine Drohnenattacke auf den Moskauer Kreml geflogen. Seitdem haben die Angriffe auf die russische Hauptstadt und andere Städte zugenommen. Russland reagiert mit verstärkter Luftabwehr und elektronischen Gegenmaßnahmen.
Reaktionen aus Russland und international
Der russische Außenminister Sergej Lawrow verurteilte den Angriff als „Terrorakt“ und kündigte Vergeltung an. Die russische Regierung warf der Ukraine vor, gezielt zivile Infrastruktur anzugreifen. Internationale Reaktionen blieben zunächst verhalten. Die USA und die EU bekräftigten ihr Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung, mahnten aber zur Einhaltung humanitärer Normen.
Der Angriff könnte die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine weiter verschärfen. Experten sehen darin eine Eskalation der ukrainischen Strategie, den Krieg auf russisches Territorium zu tragen. Die Ukraine selbst verweist auf das Recht, militärische Ziele in Russland anzugreifen, um die russischen Angriffsfähigkeiten zu schwächen.



