Ukraine greift Raffinerie am Ural an – Merz bei Pariser Parade
Ukraine greift Raffinerie am Ural an – Merz bei Parade

Die Ukraine hat in der Nacht eine Ölraffinerie in der russischen Teilrepublik Baschkortostan nahe dem Uralgebirge angegriffen. Republikchef Radij Chabirow bestätigte auf Telegram eine massive Attacke auf das Industriegebiet in Salawat. „Es gibt einige Rauchherde, die durch das Herabstürzen von Drohnentrümmern hervorgerufen wurden“, schrieb er. Tote oder Verletzte gebe es nicht, die Feuerwehr sei beim Löschen. Medienberichten zufolge brachen Brände in der Ölverarbeitungsanlage aus, nachdem in der Nacht Explosionen zu hören waren. Anwohner berichteten von mehreren Einschlägen. Salawat liegt mehr als 1.400 Kilometer von der Front entfernt.

Raffinerie mit hoher Kapazität bereits mehrfach attackiert

Die zum Ölkonzern Gazpromneft gehörende Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von mehr als sieben Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Bereits im September 2025 wurde sie zweimal angegriffen, arbeitete laut Chabirow aber weiter störungsfrei. Der Angriff erfolgte parallel zu weiteren ukrainischen Drohnenangriffen: Im Asowschen Meer wurden nach Angaben des Kommandeurs der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, elf russische Schiffe getroffen, darunter fünf Tanker, fünf Frachtschiffe und ein Schlepper. Damit stieg die Zahl der in den vergangenen neun Tagen getroffenen Schiffe auf 116.

Parade zu Frankreichs Nationalfeiertag als Zeichen der Unterstützung

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte mit seiner letzten Militärparade zum französischen Nationalfeiertag ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Ukraine. An der Spitze der Parade auf den Pariser Champs-Élysées marschierten 500 Soldaten aus Mitgliedsländern der sogenannten Koalition der Willigen, darunter auch deutsche Soldaten. Die Kunstflugstaffel „Patrouille de France“ wurde von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung begleitet. Auf der Ehrentribüne wohnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Parade bei, zusammen mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz gehörte zu den Ehrengästen – zuletzt war 2019 die damalige Kanzlerin Angela Merkel bei der Parade in Paris dabei.

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Koalition der Willigen kündigt erste Manöver an

Am Vorabend hatte die von Frankreich und Großbritannien angeführte Koalition der Willigen bei einem Treffen in Paris ihren Willen zur weiteren militärischen Unterstützung der Ukraine bekräftigt. Neben der Zusage weiterer Waffenlieferungen und einer Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr kündigte Macron erste gemeinsame Manöver der Koalition an. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte in Paris, diese Militärmanöver sollen im Herbst in Polen stattfinden. Beteiligt seien Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen. „Die Manöver sollen die Koalition auf konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, so Tusk.

Ukraine verzichtet bewusst auf Angriffe auf die Krim-Brücke

Die Ukraine verzichtet nach Angaben von Robert Browdi derzeit bewusst auf Angriffe gegen die Krim-Brücke. Ziel sei nicht die Zerstörung der Brücke selbst, sondern die schrittweise Isolierung der russischen Truppen auf der besetzten Halbinsel. „Wir rühren die Krim-Brücke nicht an. Sollen sie darüberfahren – ohne Halt zurück nach Russland“, sagte Browdi in einem Interview mit dem britischen Journalisten Keilin Robertson. Stattdessen greifen ukrainische Einheiten systematisch jene Versorgungswege an, über die Russland Treibstoff, Munition, Militärtechnik und Personal auf die Krim bringt. „Es gibt keinen Treibstoff auf der Krim, und es wird dort auch keinen geben“, sagte der Kommandeur. So wolle die Ukraine eine Bodenoperation vermeiden.

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EU treibt Beitrittsverhandlungen mit Ukraine voran

Die EU treibt die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine voran. Bei einem Treffen beider Seiten wurden in Brüssel Gespräche zum Themenbereich Außenbeziehungen aufgenommen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Themen sind unter anderem Handelspolitik sowie Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Der deutsche Europastaatsminister Gunther Krichbaum (CDU) sagte, es gelte, das positive Momentum zu nutzen. Vor der Ukraine liege noch ein langer Weg, die Bundesregierung setze sich aber für eine stufenweise Integration mit einer sogenannten assoziierten Mitgliedschaft als Zwischenstufe ein. Die Beitrittsverhandlungen waren bereits im Juni 2024 formal begonnen worden, wurden aber von Ungarn mit einem Veto blockiert. Erst nach der Abwahl des langjährigen russlandnahen Regierungschefs Viktor Orbán im April kam wieder Bewegung in den Prozess.

Weitere Entwicklungen: Angriffe und Rüstungskooperation

Russland griff in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kyjiw mit Raketen an. In mehreren Stadtteilen brachen Brände aus, unter anderem in zwei Lagerhallen im Bezirk Holosiivskyi. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete zudem brennende Autos nach Drohnenteilen in einem östlichen Vorort. Opfer wurden aus Kyjiw zunächst nicht gemeldet. In Saporischschja wurden bei einem Drohnenangriff elf Menschen verletzt, in der Region Charkiw sechs. Frankreich erlaubt der Ukraine die Produktion französischer Marschflugkörper, Präzisionsbomben und Flugabwehrraketen. Das teilte Macron nach einem Treffen mit Selenskyj mit. Zudem bestellt Kyjiw 16 französische Rafale-Kampfjets, die bis 2029 einsatzbereit sein sollen, sowie Luftabwehrsysteme der neuesten Generation. Selenskyj warb zudem für ein neues europäisches Flugabwehrsystem zur Abwehr ballistischer Raketen. „Wir haben in der Ukraine eine Rakete, doch das ist nur Teil eines Systems“, sagte er in Paris. Eine Massenproduktion werde günstig sein.