Ukrainische Armee vor Wandel: Neue Führung setzt auf Eigenverantwortung und Technologie
Ukrainische Armee vor Wandel: Neue Führung setzt auf Technologie

In der ukrainischen Armee weht ein neuer Wind. Mychajlo Drapatyj, der sich in den vergangenen zwölf Jahren in verschiedenen Führungspositionen bei der Abwehr russischer Angriffe ausgezeichnet hat, führt seit einer Woche die Streitkräfte. Mit ihm kommen bedeutende Veränderungen: mehr Eigenverantwortung für Kommandeure, eine stärkere Betonung von Technologie statt Infanterie und eine Empathie für die Soldaten, die sich in bürokratischen Erleichterungen niederschlägt. Diese Reformen sollen Russland endgültig stoppen und den Kreml zwingen, den Angriffskrieg zu beenden.

Neue Befugnisse für Kommandeure vor Ort

Wie der Militärexperte Nico Lange auf X schreibt, erhalten ukrainische Bataillons- und Brigadekommandeure unter dem neuen Armeechef umfassende Befugnisse, um operative Entscheidungen vor Ort zu treffen – „ohne langwierige Genehmigungsverfahren durch höhere Kommandostellen durchlaufen zu müssen“. Dies soll die Reaktionsfähigkeit an der Front deutlich erhöhen. Gleichzeitig wird der Erhalt des Personals priorisiert. Lang zufolge wird die Doktrin des „Um jeden Preis-Haltens von Stellungen“ durch eine Manöververteidigung ersetzt. Keine Einheit soll gezwungen sein, eine Stellung zu halten, wenn dadurch eine Einkesselung oder ungerechtfertigte Verluste drohen.

Das Prinzip, Stellungen bei zu starkem Druck aufzugeben, wird in der Ukraine bereits seit Jahren praktiziert. Auch der frühere Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj hatte dies immer wieder betont, stand jedoch in der Kritik, zu sorglos mit Soldatenleben umzugehen. Ein neuer transparenter Bewertungsprozess für Kommandeure soll nun Offiziere identifizieren, die „keine Anpassungsfähigkeit und keine Sorge um ihre Truppen zeigen“, so Lange. Diese werden aus ihren Führungspositionen entfernt.

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Technologie vor Infanterie

Ein zentraler Erfolgsfaktor der Ukraine im Abwehrkampf ist der Einsatz von Technologie wie Drohnen, um die zahlenmäßige Unterlegenheit auszugleichen. Drapatyj dürfte diesen Bereich weiter vorantreiben. „Der Einsatz von Drohnen, elektronischen Kampfsystemen und Roboterplattformen soll bis auf Kompanie- und Bataillonsniveau ausgeweitet werden. Wann immer möglich, soll die Technologie den Auftrag erfüllen, bevor Infanterie eingesetzt wird“, schreibt Lange. Systeme wie kleine autonome Fahrzeuge mit montierten Maschinengewehren halten zunehmend Einzug in die Streitkräfte. Weitere bedeutende Fortschritte in diesem Bereich gelten als wahrscheinlich.

Zudem will Drapatyj die Soldaten von bürokratischen Lasten befreien. „Der Papierkram und die Verfahren zur Abschreibung beschädigter oder verlorener Ausrüstung werden für Einheiten, die an der Front im Einsatz sind, erheblich vereinfacht“, so Lange. Der Armeechef selbst skizzierte kürzlich im Gespräch mit dem Chef der Nato-Truppen in Europa, Alexus Grynkewich, seine Vision eines „Sieges der Ukraine“. Das derzeitige Eindringen russischer Soldaten in die ukrainischen Verteidigungslinien müsse verhindert werden. „Wir arbeiten daran, die Verluste des Feindes an Kampfkraft zu erhöhen und gleichzeitig die kriegswirtschaftlichen Kapazitäten Moskaus zu schwächen. Um dies zu erreichen, setzen wir auf asymmetrische Ansätze und ukrainische Technologien“, so Drapatyj.

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