US-Armee setzt Angriffe auf Iran fort
Die US-Armee hat am Dienstag den vierten Tag in Folge iranische Ziele angegriffen. Die Luftangriffe dienten laut dem Regionalkommando Centcom dazu, „die iranischen Fähigkeiten weiter zu schwächen, die für Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus eingesetzt werden“. Gleichzeitig bereiten sich die US-Streitkräfte darauf vor, die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder aufzunehmen. Ein US-Beamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass das Militär „einige militärische Ziele“ im Iran ins Visier genommen habe, um „aufkommende Bedrohungen zu beseitigen“. Der Sender ABC News berichtete unter Berufung auf einen US-Beamten, dass die Luftangriffe bereits seit mehreren Stunden andauerten. US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe mit dem Iran vergangene Woche für beendet erklärt und weitere harte Angriffe angekündigt.
Iranische Insel Keschm getroffen
Die iranische Insel Keschm nahe der Straße von Hormus wurde nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens von Geschossen getroffen. Der staatliche Sender Irib zitierte das Büro des Gouverneurs der Provinz Hormosgan, wonach die Insel um 19 Uhr Ortszeit „von Geschossen des amerikanischen Feindes getroffen“ worden sei. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete von Explosionen auf Keschm und wies darauf hin, dass das Gebiet Masan in den vergangenen Tagen mehrfach von der US-Armee attackiert worden war. Seit Anfang April galt eine brüchige Waffenruhe im Iran-Krieg, die zuletzt immer wieder durch Angriffe im Zusammenhang mit dem Streit um die Straße von Hormus erschüttert wurde.
Iran droht mit Blockade aller Energieexporte
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben mit einer Blockade sämtlicher Energieexporte aus der Region gedroht. Solange die „bösartigen Handlungen“ der USA andauerten, werde „kein einziger Tropfen Öl und Gas“ aus der Region exportiert, meldeten iranische Staatsmedien. Die „Aggressionen“ der USA würden die Wiedereröffnung der Straße von Hormus verzögern. Iranische Angriffe auf US-Einrichtungen in Kuwait und Bahrain seien Reaktionen auf US-Angriffe auf den Iran. Unterdessen meldete Kuwait erneute Angriffe aus dem Iran; die Flugabwehr fange Raketen und Drohnen ab. In Bahrain ertönten erneut Warnsirenen, die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben.
Trump verzichtet auf Gebühr für Schiffsfracht
US-Präsident Donald Trump machte eine überraschende Kehrtwende: Einen Tag nach der Ankündigung einer 20-prozentigen US-Gebühr für Schiffsfracht in der Straße von Hormus ließ er den Plan am Dienstag wieder fallen. Nach „sehr produktiven Gesprächen“ mit Führungsspitzen im Nahen Osten habe er beschlossen, die Abgabe durch „massive“ Handels- und Investitionsabkommen mit den Golfstaaten zu ersetzen, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. Dank des US-Militärs sei die „Straße von Hormus offen für den gesamten Schiffsverkehr mit Ausnahme des Irans“. Die Seeblockade iranischer Häfen solle wie geplant um 22 Uhr MESZ wieder aufgenommen werden. Die zwischenzeitlich gestiegenen Ölpreise sind ein zentrales Thema vor den Kongresswahlen in den USA.
Israel droht Iran mit harter Vergeltung
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte dem Iran im Falle eines Angriffs mit großer Härte. Israel sei auf jedes Szenario vorbereitet, sagte Netanjahu laut Regierungspresseamt. „Die Zeiten, in denen uns jemand Schaden zufügt und wir nicht doppelt zurückschlagen, sind vorbei“, so Netanjahu. Der Iran müsse mit einer viel stärkeren Reaktion rechnen. Zuvor hatte US-Präsident Trump Netanjahu laut dem Nachrichtenportal Axios in einem Telefonat zum Abzug israelischer Truppen aus Syrien und dem Libanon aufgefordert. Unterdessen billigte das israelische Sicherheitskabinett ein Budget von 1,3 Milliarden Schekel (379 Millionen Euro) für den Bau von 34 neuen Siedlungen im besetzten Westjordanland.
Iranisches Parlament fordert Blutrache
Eine große Mehrheit des iranischen Parlaments hat „Blutrache“ für den im Krieg getöteten obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei gefordert. Mehr als 180 der 290 Abgeordneten verlangten Vergeltung, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete. Sie kritisierten auch die Verhandlungen mit den USA scharf: „Die Lösung der Probleme zwischen dem Iran und den USA ist durch Verhandlungen nicht möglich“, hieß es in einer Stellungnahme. Bei der Sitzung am Montagabend schwenkten die Abgeordneten rote Flaggen mit Vergeltungsaufrufen. Das Parlament hat begrenzten Einfluss, die eigentliche Macht liegt bei der Staatsführung und den Revolutionsgarden.
Weitere Entwicklungen: US-Abzug aus Irak und Angriffe auf Buschehr
Das US-Militär wird bis zum 30. September vollständig aus dem Irak abziehen, wie der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi bei einem Treffen mit US-Präsident Trump in Washington bekannt gab. Trump sagte, man glaube nicht, dass man das Militär dort noch brauche. Die Zahl der US-Truppen im Irak war zuvor bereits auf etwa 2500 reduziert worden. Unterdessen griffen die USA nach iranischen Angaben die Stadt Buschehr an, in der sich das einzige aktive Atomkraftwerk des Landes befindet. Vier Stellen in der Hafenstadt seien „von feindlichen Geschossen getroffen“ worden, sagte der stellvertretende Provinzgouverneur. Zudem wurden US-Angriffe auf die Grenzregion nahe des Iraks und Kuwaits sowie auf die Städte Abadan und Mahschahr gemeldet.



