Zwei schwere Erdbeben in Venezuela: Zehntausende Tote befürchtet
Zwei Erdbeben in Venezuela: Zehntausende Tote befürchtet

Zwei schwere Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 haben Venezuela am Mittwochabend erschüttert und katastrophale Schäden angerichtet. Die Regierung rief den nationalen Notstand aus. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS liegen die beiden Beben nur 39 Sekunden auseinander. Die Zahl der Todesopfer könnte nach Modellrechnungen zwischen 10.000 und 100.000 liegen.

Epizentren nahe dicht besiedelter Gebiete

Das erste Beben ereignete sich um 18:04 Uhr Ortszeit (00:04 MESZ) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in 21,9 Kilometern Tiefe. Das zweite, stärkere Beben folgte nur Sekunden später wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens verheerender sein. Allein in den Städten Puerto Cabello und San Felipe leben laut USGS rund 400.000 Menschen. Auch dort wurden Gebäudeeinstürze und erhebliche Schäden gemeldet.

Schäden in Caracas und an der Küste

Die Millionenstadt Caracas liegt mehr als 150 Kilometer östlich der Epizentren, dennoch zeigen Bilder und Videos eingestürzte Gebäude und schwere Schäden. Der internationale Flughafen der Hauptstadt wurde wegen Schäden geschlossen. In sozialen Netzwerken kursieren Aufnahmen von verängstigten Menschen, die am Flughafen Schutz suchen, während der Boden bebt und Staubwolken aufsteigen. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“ und betonte, die Priorität gelte den Rettungsarbeiten. Der Schulunterricht wurde landesweit ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt.

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Erwartete Opferzahlen und Rettungsarbeiten

Die automatische Modellrechnung der USGS legt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe. Aktuelle Schätzungen gehen von 10.000 bis 100.000 Toten aus. In der Stadt Tucacas an der Karibikküste werden nach Angaben von Gouverneur Víctor Clark 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet. Rund 22 Verletzte werden in Kliniken versorgt.

Internationale Hilfe läuft an

Das US-Außenministerium richtete einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken. Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, kündigte auf der Plattform X an, 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter nach Caracas zu bringen. Auch der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, entsendet spezialisierte Such- und Rettungsteams. Brasilien signalisierte ebenfalls Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge haben bereits weitere Staaten Hilfe angeboten.

Warnung vor Nachbeben und Gasaustritt

Innenminister Diosdado Cabello warnte im Fernsehen vor Nachbeben, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten. „Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Cabello. Er rief die Bevölkerung auf, an sicheren Orten zu bleiben. Um Explosionen zu verhindern, ordneten die Behörden an, die Gaszufuhr zu unterbrechen. Die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie.“

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