Angriff auf US-LNG-Lager in Ägypten: Eskalation erreicht Mittelmeer
Angriff auf US-Lager in Ägypten: Eskalation erreicht Mittelmeer

Ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf ein US-Tanklager in Ägypten am Mittelmeer hat die Eskalationsspirale im Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter verschärft. Der Angriff, der sich gegen ein Flüssigerdgas-Lager der USA richtete, zeigt laut Nahost-Experte Simon Wolfgang Fuchs, dass der Krieg nun auch das Mittelmeerende des Suezkanals erreicht. „In Trumps Krieg gegen den Iran werden immer mehr Länder hineingezogen, die vorher gar nicht im Fokus standen“, warnt der Professor der Hebräischen Universität Jerusalem.

Hintergründe des Angriffs

Die fragile Feuerpause zwischen den USA und dem Iran war zuvor beendet worden. Das US-Militär hatte neue Angriffe auf Teheran gestartet, nachdem der Iran US-Streitkräfte in Jordanien attackiert hatte. Fuchs erklärt: „Mit dem überraschenden Schlag gegen Jordanien wollte der Iran ein Signal senden. Die Raketen waren nicht die neueste Generation – es ging eher um die Demonstration: Wir sind wieder bereit für eine weitere Eskalationsstufe.“ Zuvor hatte der Iran über Wochen lediglich auf US-Schläge reagiert.

Die Angriffe des US-Militärs zielen auf dieselben Orte wie zuvor, doch Fuchs stellt die Wirksamkeit infrage: „Dabei stellt sich die Frage: mit welchem Effekt eigentlich?“ US-Präsident Donald Trump fehle ein klarer Plan, die Dynamik sei unberechenbar. Die Straße von Hormus sei weiterhin blockiert, und der Iran setze auf die Zeit bis zu den US-Zwischenwahlen im November. „Die Iraner haben ganz klar Trumps Midterms im Blick“, so Fuchs.

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Wirtschaftlicher Druck auf den Iran

Das Regime in Teheran stehe selbst massiv unter Druck. Zwar hatte das Memorandum of Understanding mit Washington über einen vorläufigen Waffenstillstand dem Iran eine Atempause verschafft, in der es mehr Öl verkaufen konnte. Doch nun gelinge der Verkauf nur noch in geringerem Umfang. „In staatlichen Medien wird intensiv die Einheit des Landes gefordert. Dahinter steht ein Ringen um die Zukunft des Systems“, sagt Fuchs. Die wirtschaftliche Lage sei desolat, die Inflation erreiche ungeahnte Höhen, es gebe sogar Nachschubprobleme bei Alltagsprodukten – etwas, das Iraner nicht gewohnt seien. Der Eindruck einer Überlegenheit Irans stehe daher auf wackligem Fundament.

Innerhalb des Regimes tobt eine Debatte über den künftigen Kurs: Abkommen schließen trotz tiefen Misstrauens gegenüber den USA und der Gefahr neuer Angriffe, oder den Kurs absoluter Härte wählen. Fuchs zufolge sind Regime-Kritiker im Land derzeit außer Gefecht, da der Schock über die Niederschlagung der Aufstände im Januar zu tief sitze. Viele Iraner fürchteten eine Eskalation, die die Stromversorgung oder grundlegende Lebensverhältnisse zerstöre.

Widersprüchliche Signale aus Washington

Trump sendet Teheran widersprüchliche Signale: mal Verhandlungsbereitschaft, mal Drohungen. Fuchs kritisiert: „Wir sehen ein grundsätzliches Problem: Es gibt keinen erkennbaren Lernprozess auf US-Seite im Umgang mit Iran. Es ist wieder das gleiche Paket aus vagen Angeboten, völlig überzogenen Drohungen und einem schwer nachvollziehbaren Optimismus hinsichtlich angeblicher Geheimverhandlungen.“ Selbst bei der Straße von Hormus, dem einfachsten Fall, bewege sich nichts. Ein Kompromissvorschlag Omans – freiwillige Zahlungen von Reedereien, gemeinsame Verwaltung durch Iran und Oman – wurde vom iranischen Regime weitgehend abgelehnt. Iran beharre auf eigenen Servicegebühren.

Trump soll sogar den Einsatz von US-Bodentruppen erwägen. Fuchs hält diese Drohungen für „relativ leer“, da der notwendige Truppenaufbau im Golf fehle. Denkbar seien Spezialoperationen, etwa gegen die Insel Kharg, aber selbst dafür reiche das US-Personal in der Region nicht. Zugleich zeige die Zerstörungskraft iranischer Angriffe – mithilfe russischer und chinesischer Geheimdienstinformationen –, dass die USA ihre Truppen und Verbündete nicht ausreichend schützen könnten. „Das wirft Fragen zur Zukunft der amerikanischen Präsenz im Golf auf“, so Fuchs.

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Auswirkungen auf die Region

Die US-Präsenz im Nahen Osten diente stets zwei Zielen: Sicherung der Ölwege und Eindämmung des Iran. Doch der aktuelle Krieg mit unklarem Ausgang führt zu einem Umdenken unter den Alliierten. „Viele Golfstaaten müssen sich fragen, ob die US-Basen ihnen mehr genutzt oder mehr geschadet haben“, erklärt Fuchs. Es gebe Signale, dass die Region sich auf eine „Zeit nach dem Krieg“ ohne starke US-Präsenz einstellen wolle. Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate versuchten, wieder mit Iran ins Gespräch zu kommen. Auch Saudi-Arabien werde vorsichtiger. Da die USA nicht mehr von Öl aus der Region abhängig seien, sei eine signifikante Reduzierung der US-Präsenz im Golf möglich – was Raum für China öffnen würde.

Der Angriff auf das US-Lager in Ägypten sei extrem signifikant, da sich Ägypten bislang weitgehend aus dem Konflikt herausgehalten habe. „In Trumps Krieg gegen den Iran werden immer mehr Länder hineingezogen“, betont Fuchs. Die Huthis kopieren offenbar das iranische Modell und erwägen, Gebühren für die Durchfahrt durch das Rote Meer zu erheben. Zwar gibt es alternative Routen zum Suezkanal, doch bereits die Ankündigung einer möglichen Blockade erzeuge enorme Nervosität, was die Ölpreise in die Höhe treibe. „In der Summe zeigt all das, wie gefährlich es ist, einen ritualisierten Beschuss zwischen Iran und den USA einfach weiterlaufen zu lassen, ohne ernsthaft auf eine politische Lösung zu drängen.“ Immer neue Akteure und Räume würden in den Konflikt hineingezogen – vom Kaspischen Meer über den Golf bis zum östlichen Mittelmeer.