Die Hisbollah-Miliz hat mit Vergeltungsangriffen auf die israelischen Metropolen Tel Aviv und Haifa gedroht, falls Israel erneut Beirut und dessen Vororte sowie die Bekaa-Ebene im Libanon attackiert. Diese Drohung äußerte der Hisbollah-Funktionär Mahmud Komati gegenüber dem katarischen TV-Sender Al Araby. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor neue Angriffe im Raum Beirut angekündigt, sollte die mit dem Iran verbündete Hisbollah ihre Attacken auf israelische Städte nicht einstellen.
Hisbollah fordert umfassendes Kriegsende
Ein weiterer Hisbollah-Funktionär, Bilal Lakkis, betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Organisation nichts weniger als ein vollständiges Kriegsende akzeptiere. Die schiitische Miliz werde nicht zulassen, dass Israels Armee sich im Libanon frei zu Land, zu Wasser oder in der Luft bewegen könne. Zudem lehne man eine „Realität der Besatzung im Süden des Libanons“ ab.
Verhandlungen in Washington
In Washington laufen derzeit direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon, die von den USA vermittelt werden. Bereits im April war eine Waffenruhe vereinbart worden, die formell zwischen Israel und dem Libanon gilt. Die Hisbollah ist jedoch nicht an den Gesprächen beteiligt. Die Verhandlungen sollen an diesem Mittwoch fortgesetzt werden, wie ein Sprecher des US-Außenministeriums mitteilte. Ziel sei es, sich von den „Misserfolgen der vergangenen 20 Jahre“ zu verabschieden und ein umfassendes Abkommen zur Souveränität des Libanons und zur Sicherheit Israels zu erreichen.
Schrittweiser Truppenabzug und Entwaffnung
Laut libanesischen Regierungskreisen soll es bei dem Treffen auch um einen schrittweisen Abzug der israelischen Truppen aus dem nördlichen Nachbarland, die Stationierung der libanesischen Armee und eine Festigung der Waffenruhe gehen. Die USA erwägen, die staatliche libanesische Armee auszubilden, um eine Entwaffnung der Hisbollah zu ermöglichen. Offiziell bestätigt sind diese Pläne jedoch nicht.
Israels Bodentruppen waren vor einigen Tagen nördlich des Litani-Flusses vorgedrungen, der im Konflikt als wichtige Trennlinie gilt. Die Armee führte dort Einsätze gegen „Terror-Infrastruktur“ durch und entdeckte nach eigenen Angaben Hunderte Waffen in Wohnhäusern. Zudem griff Israel mit einer Drohne ein Fahrzeug auf einer Schnellstraße südlich von Beirut an, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Die israelische Armee prüft den Vorfall.



