USA und Israel: Trump und Netanjahu im Clinch über Iran und Libanon
Trump und Netanjahu: Beziehung auf dem Prüfstand

Das Verhältnis zwischen den USA und Israel ist derart angespannt wie seit langem nicht mehr. Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten belasten die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zunehmend. Insbesondere das US-iranische Rahmenabkommen sowie die anhaltenden Gefechte mit der Hisbollah im Libanon sorgen für Spannungen.

Vance greift israelische Regierung an

US-Vizepräsident JD Vance verschärfte den Ton am Donnerstag deutlich. „Donald J. Trump ist derzeit das einzige Staatsoberhaupt der Welt, das Israel wohlgesinnt ist“, erklärte er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Er kritisierte namentlich die rechtsextremen Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, die Trump und das Abkommen attackiert hatten. Vance betonte, dass zwei Drittel der Verteidigungswaffen, die Israel vor Angriffen der Hisbollah schützten, aus amerikanischer Produktion stammten und mit US-Steuergeldern finanziert würden. Er warnte davor, den einzigen mächtigen Verbündeten zu attackieren.

Israelische Minister kontern scharf

Ben-Gvir wies die Kritik umgehend zurück: „Israel ist den Vereinigten Staaten nicht untergeordnet. Wir sind ein unabhängiges und souveränes Land.“ Er bezeichnete das Abkommen als nicht bindend für Israel und lehnte einen Rückzug aus eroberten Gebieten im Libanon ab. Smotrich forderte auf X, „die Pforten der Hölle zu öffnen“, nachdem israelische Soldaten getötet worden waren. Ben-Gvir verlangte, dass für jede Träne einer israelischen Mutter tausend libanesische Mütter weinen müssten: „Der ganze Libanon muss brennen!“

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Neue Gefechte trotz Waffenruhe

Am Freitag und Samstag kam es erneut zu schweren Gefechten zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Die israelische Luftwaffe griff Stellungen der Miliz im Südlibanon an, nachdem die Hisbollah Raketen abgefeuert hatte. Vier israelische Soldaten wurden getötet, auf libanesischer Seite starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut mindestens 23 Menschen. Die Waffenruhe, die im Rahmen des US-iranischen Abkommens vereinbart wurde, scheint äußerst brüchig.

Rahmenabkommen ohne klare Regelung für den Libanon

Das bilaterale Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sieht ein Ende der militärischen Konflikte in der Region vor, enthält aber keine explizite Klausel über einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Libanon. Geplante Gespräche in Luzern zur Ausgestaltung des Abkommens kamen möglicherweise wegen der Kämpfe nicht zustande. Ein hochrangiger US-Beamter deutete an, dass die Lage im Libanon ein Grund für die Verschiebung sein könnte. Der Iran hat offenbar ein Ende der Kämpfe im Libanon zur Bedingung für ein endgültiges Abkommen gemacht, was Netanjahu ablehnt.

Israel sieht existenzielle Bedrohung durch Iran

Israel kritisiert das Rahmenabkommen scharf. Der Netanjahu nahestehende Journalist Shimon Riklin verglich den Iran mit Nazi-Deutschland und warf Trump vor, Teherans Forderungen nachzugeben. Zudem sei das iranische Atomprogramm, das Israel als existenzielle Bedrohung betrachtet, vorerst ausgeklammert. Das Abkommen sieht zudem Sanktionslockerungen und freigegebene Vermögenswerte in Milliardenhöhe vor, die der Iran laut israelischen Befürchtungen für die Aufrüstung von Milizen wie Hisbollah und Hamas nutzen könnte.

Wahlkampf in Israel: Netanjahu meidet Trump-Nähe

Die Spannungen wirken sich auch auf den israelischen Wahlkampf aus. Netanjahu, der eine weitere Amtszeit anstrebt, wird nach Medienberichten nicht mehr auf sein enges Verhältnis zu Trump setzen. Parteistrategen seien zu dem Schluss gekommen, dass dies nach dem Iran-Deal und Trumps Kritik keinen Vorteil bringe. Trump selbst ließ in einem Interview offen, wen er unterstützen werde, und forderte Netanjahu auf, „vernünftiger“ zu werden. Es klang wie eine Drohung.

Die Beziehung zwischen den USA und Israel steht damit vor einer Bewährungsprobe. Ob die traditionell enge Allianz die aktuellen Differenzen überbrücken kann, bleibt abzuwarten.

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