Russland priorisiert Benzin für Lebensmitteltransporte wegen Engpässen
Benzinpriorisierung für Lebensmitteltransporte in Russland

Die russische Regierung berät angesichts landesweiter Kraftstoffengpässe über eine vorrangige Versorgung von Fahrzeugen großer Lebensmitteleinzelhandelsketten. Dies bestätigte Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak am Mittwoch. „Wir haben die Notwendigkeit erörtert, die Kraftstoffversorgung für Fahrzeuge zu priorisieren, die Lebensmittel für große Einzelhandelsketten ausliefern. Das ist wichtig, um sowohl den Verderb von Lebensmitteln zu verhindern als auch zusätzliche Kosten zu vermeiden, die sich letztlich in den Verbraucherpreisen niederschlagen könnten“, sagte Nowak.

Regierungsarbeitsgruppe zur Bewältigung der Kraftstoffkrise

Darüber hinaus habe eine neu eingerichtete Regierungsarbeitsgruppe zur Bewältigung der Kraftstoffkrise die aktuelle Dieselversorgung innerhalb des Agrarsektors erörtert, so der Kreml-Politiker. Die Beratungen verdeutlichen die besorgte Haltung des Kremls angesichts der Kraftstoffknappheit.

Ursache: Ukrainische Drohnenangriffe

Ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur und darauffolgende Betriebsunterbrechungen in den großen Ölraffinerien hatten zu den Engpässen geführt. Die Behörden stellen aktuell Tankkarten aus, mit denen Fahrer an den Tankstellen ihre Fahrzeuge betanken können. Die russische Benzinproduktion soll jüngst auf ein Niveau gefallen sein, das nur etwa 65 Prozent des saisonalen Durchschnittsverbrauchs entspricht, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei Insiderquellen aus der Branche.

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Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum

Derweil erklärte die russische Zentralbank, dass der Rückgang der Kraftstoffproduktion voraussichtlich das Wirtschaftswachstum des Landes im zweiten Quartal 2026 beeinträchtigen werde.

Wachsende Unruhe in der Bevölkerung

Die Treibstoffkrise in Russland schürt wachsende Unruhe. In den landwirtschaftlich geprägten Regionen wächst unter den Bauern die Sorge um die Ernte. Mit den Angriffen auf die russische Energieinfrastruktur versucht die Ukraine, die Regierung in Moskau zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Autofahrer nutzen inzwischen digitale Karten und tauschen im Internet Tipps aus, an welchen Tankstellen es noch Benzin gibt und wo die Schlangen am kürzesten sind.

Handgreiflichkeiten und soziale Medien

Der Mangel strapaziert die Nerven: In sozialen Medien kursieren Videos, die Handgreiflichkeiten zwischen wartenden Autofahrern zeigen. In einem Video mit dem Titel „Der ultimative Luxus 2026“ gießt ein Mann langsam Benzin aus einem Kanister in seinen Rasenmäher und scherzt: „Was für ein Luxus. Wer kann sich das jetzt noch leisten?“ Dem Portal „iPhones.ru“ zufolge stiegen die Online-Suchanfragen nach Anleitungen zum Absaugen von Kraftstoff bei der russischen Suchmaschine Yandex bis zum 21. Juni auf mehr als 9300. Einen Monat zuvor waren es lediglich 697 Suchanfragen.

Landwirte in der Schwarzerde-Region betroffen

In sozialen Netzwerken berichten Landwirte aus der fruchtbaren Schwarzerde-Region in Zentralrussland, dass sie sich den Treibstoff für die Ernte kaum noch leisten können. Ein anderer Beitrag beschreibt einen Bauern, der mit seinem Mähdrescher an eine herkömmliche Tankstelle fahren musste, weil ihm verboten worden war, Treibstoff in Kanister abzufüllen. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte diese Berichte nicht unabhängig überprüfen.

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