Kreml dementiert neue Mobilmachung – doch Zweifel bleiben in Russland
Kreml dementiert Mobilmachung – Zweifel bleiben

Der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat eine erneute Zwangsmobilisierung dementiert. „Es besteht keinerlei Notwendigkeit für eine Mobilmachung. Das ist eine Lüge des Feindes“, erklärte er in einem bei Telegram veröffentlichten Video. Dennoch bleibt die Furcht in der russischen Bevölkerung groß, wie ein dpa-Reporter aus Moskau berichtet.

Hohe Verluste und Rekrutierungsdruck

Laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) haben sich die russischen Verluste im Juni dramatisch erhöht: Pro erobertem Quadratkilometer verlor die Armee rund 1300 Soldaten – ein Jahr zuvor waren es nur 68. Diese Zahl unterstreicht den hohen Blutzoll des Angriffskriegs. Gleichzeitig lockt Russland Freiwillige mit hohen Prämien, doch viele Männer berichten von Druck, sich zu verpflichten. Ukrainischen Angaben zufolge blieb die Rekrutierung zuletzt hinter dem Plan zurück.

Offizielle Beteuerungen und Misstrauen

Medwedew behauptete, 200.000 Freiwillige hätten sich im ersten Halbjahr gemeldet – eine nicht überprüfbare Zahl, die jedoch ukrainischen Schätzungen nahekommt. Der Ex-Präsident, der inzwischen als propagandistischer Scharfmacher agiert, bezeichnete die Mobilmachungsgerüchte als gezielte Lügen, um Russland vor der Parlamentswahl im September zu destabilisieren. Doch die Erinnerung an 2022, als der Kreml ebenfalls eine Mobilisierung dementierte und sie dann doch durchführte, sitzt tief.

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Vorbereitende Maßnahmen und Spekulationen

Das oppositionelle Medium „Verstka“ berichtet unter Berufung auf Gespräche mit Politikern und Beamten, dass der Herbst 2026 „eine Zeit neuer unpopulärer Entscheidungen“ werden könnte. Einige Beamte befürworteten demnach die Idee, „mit dem ganzen Land“ zu kämpfen. Das ISW verweist auf seit 2025 getroffene Maßnahmen, die eine Mobilisierung erleichtern: So wurde die Verwaltung umgestellt, um Wehrpflichtige und Reservisten schneller einberufen zu können. Zudem unterzeichnete Putin am 26. Juli ein Gesetz, das der Nationalgarde und dem Verteidigungsministerium größeren Zugang zu einem Standesamtsregister mit Daten von Militärpersonal und deren Familien gewährt. Das Verteidigungsministerium spricht von Bürokratieabbau.

Keine finale Entscheidung Putins

Eine neue Zwangsmobilisierung ist dennoch nicht garantiert. Putin habe sich noch nicht festgelegt, betont das ISW. Seine Entscheidung hänge von der Lage auf dem Schlachtfeld ab – wo die russische Armee derzeit nur geringe Geländezuwächse verzeichnet. Experten zufolge stellt das Verteidigungsministerium diese Fortschritte größer dar, als sie tatsächlich sind.

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