Bei einem massiven russischen Luftangriff in der Nacht zu Dienstag sind in der Ukraine mindestens 18 Menschen getötet und rund 100 verletzt worden. Die Hauptstadt Kyjiw und die Stadt Dnipro waren besonders betroffen. In Kyjiw starben nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens vier Menschen, 58 wurden verletzt, darunter auch Kinder. In Dnipro gab es sechs Tote und 36 Verletzte, wie Regionalgouverneur Oleksandr Handscha mitteilte. In Charkiw wurden zehn Menschen verletzt, darunter ein Kind.
Wohnhaus in Kyjiw getroffen
Ein Raketeneinschlag brachte ein 24-stöckiges Wohngebäude in der Hauptstadt teilweise zum Einsturz. Klitschko sagte, es seien vermutlich Menschen unter den Trümmern verschüttet worden. Zudem seien ein neunstöckiges Wohnhaus sowie Autos im Stadtteil Obolon durch herabstürzende Trümmer in Brand geraten. Tausende Einwohner suchten in den U-Bahn-Stationen Schutz. In Dnipro veröffentlichte Gouverneur Handscha Bilder von zerstörten Wohnhäusern, ausgebrannten Fahrzeugen und einem beschädigten Kinderspielplatz.
Über 70 Raketen und 650 Drohnen
Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, dass Russland rund 650 Drohnen und mehr als 70 Raketen eingesetzt habe. 602 Drohnen und 40 Raketen seien abgefangen worden. Bei dem Angriff habe Russland auch acht Zirkon-Hyperschallraketen verwendet. Dies sei die vermutlich größte Anzahl dieser Raketen, die seit Kriegsbeginn bei einem einzelnen Angriff abgefeuert worden sei, erklärte ein Luftwaffensprecher. Moskau sprach von einem „massiven Angriff“ auf Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes in der Ukraine.
Neue Phase des Krieges
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Krieg in der Ukraine habe wegen ukrainischer Angriffe auf Zivilisten „ein neues Paradigma“ erreicht. Die Ukraine hatte seit Tagen vor neuen schweren Luftangriffen gewarnt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte die Warnung am Montagabend. Russland hatte in der vergangenen Woche „systematische Angriffe“ auf militärische Ziele und Entscheidungszentren in Kyjiw angekündigt.
Ukrainische Drohnenangriffe auf Russland
Russische Behörden meldeten am Dienstag ukrainische Drohnenangriffe auf eigenem Gebiet. In der Raffinerie Ilski im Süden Russlands sei ein Feuer nach einem Drohnenangriff ausgebrochen. Verletzte gebe es nicht. Zudem habe die Luftabwehr Drohnen über dem Flottenstützpunkt Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt. Die Ukraine greift seit Monaten verstärkt russische Ölanlagen an, um wichtige Einnahmequellen zur Finanzierung des Krieges zu schwächen. Beide Seiten weisen den Vorwurf zurück, gezielt Zivilisten zu attackieren.



