Ein Bergführer, der fast eine Woche lang am Mount Everest in Nepal vermisst worden war, wurde lebend gefunden. Die Nachricht von seiner Rettung sorgte für Erleichterung und Verwunderung, denn die Überlebenschancen in extremer Höhe waren gering. Der 57-jährige Dawa Sherpa – auch bekannt als Hillary Dawa – gehörte zur ethnischen Gruppe der Sherpa und war zuletzt am 29. Mai in der Nähe des Camps III auf etwa 7.100 Metern Höhe gesehen worden. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich auf dem Abstieg des 8.849 Meter hohen Berges, nachdem er einen polnischen Bergsteiger erfolgreich zum Gipfel geführt hatte.
Suchaktion und glückliche Rettung
Am Mittwoch war eine Suchaktion per Hubschrauber, die bis hinauf zu Camp III reichte, noch erfolglos geblieben. Die Besatzung konnte keine Spur von Dawa Sherpa entdecken. Doch am Donnerstag dann geschah das Wunder: Bergführer, die gerade Seile und Leitern für die endende diesjährige Saison abbauten, entdeckten den Vermissten inmitten von Gletscherspalten nahe dem Khumbu-Eisbruch, unmittelbar oberhalb des 5.364 Meter hoch gelegenen Basislagers. Er lief dort entlang, offenbar geschwächt, aber am Leben. Die Retter handelten sofort und organisierten einen Hubschrauber, der Dawa Sherpa nach Kathmandu ausflog. Dort wird er derzeit in einem Krankenhaus medizinisch behandelt. Behördenvertreter und Expeditionsveranstalter erklärten, er befinde sich in gutem Gesundheitszustand.
Ein Wunder der Selbstrettung
„Es ist ein Wunder“, sagte ein Sprecher seiner Expeditionsagentur 8K Expeditions der Deutschen Presse-Agentur. „Er erzählte uns, dass er gestern den Hubschrauber gesehen habe. Es scheint, als sei er erschöpft gewesen und habe sich daraufhin ausgeruht. Ich denke, man kann dies wohl als eine ‚Selbstrettung‘ bezeichnen.“ Details darüber, warum der Sherpa plötzlich verschwand und wie er fast eine Woche lang allein am Berg überleben konnte, blieben zunächst unklar. Die Bedingungen am Everest sind extrem: Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, dünne Luft und die Gefahr von Erfrierungen und Höhenkrankheit machen ein Überleben ohne Ausrüstung und Nahrung nahezu unmöglich. Dass Dawa Sherpa dies schaffte, grenzt an ein Wunder.
Rekordsaison am Mount Everest
Laut Khimlal Gautam, dem Leiter des Büros für das Everest-Basislager des Tourismusministeriums, erklommen während der Frühjahrssaison 2026 mindestens 1.000 Bergsteiger – einschließlich der Bergführer – erfolgreich den höchsten Gipfel der Welt. Das ist ein neuer Rekord nach 866 erfolgreichen Gipfelstürmern im Vorjahr. Der Mount Everest kann sowohl von Nepal als auch von China aus erklommen werden; die tibetische Seite des Bergs war in dieser Saison jedoch geschlossen. Die diesjährige Saison war besonders erfolgreich, aber auch von tragischen Unfällen und verschwundenen Bergsteigern geprägt. Die Rettung von Dawa Sherpa gibt Hoffnung und zeigt, dass selbst in den extremsten Lagen ein Überleben möglich ist.



