ISW: Wachsende Kritik in Russland an Militär und Kreml nach Drohnenangriff auf Moskau
ISW: Wachsende Kritik in Russland an Militär und Kreml

Nach heftiger Attacke der Ukraine auf Moskau: ISW-Analyse sieht wachsende Kritik in Russland an Militär und Kreml

Nach dem großangelegten Drohnenangriff auf Moskau in der Nacht zum 18. Juni wächst in Russland die Kritik an der Leistungsfähigkeit der Luftverteidigung sowie an der offiziellen Berichterstattung des Kremls. Darauf weist das US-amerikanische Institute for the Study of War (ISW) in seinem aktuellen Lagebericht hin.

Den Analysten zufolge räumten mehrere russische Militärblogger ein, dass ukrainische Drohnen trotz der dichten Luftverteidigung rund um die Hauptstadt strategisch wichtige Ziele erreichen konnten. Zugleich warnten sie davor, dass sich der Krieg zunehmend von den Grenzregionen auf das russische Kernland ausweite und kritische Infrastruktur im ganzen Land gefährde.

Besonders scharf fiel die Kritik an den staatlichen Medien aus. Nach Angaben des ISW berichteten die großen Fernsehsender nur eingeschränkt über die Angriffe oder beschränkten sich auf offizielle Verlautbarungen. Russische Kriegsblogger werfen den Staatsmedien vor, ein verzerrtes Bild der Lage zu zeichnen und die Folgen der Angriffe herunterzuspielen. Das ISW wertet dies als Versuch des Kremls, die Kontrolle über das öffentliche Narrativ zu bewahren und die gesellschaftlichen Auswirkungen von Angriffen auf russischem Territorium zu begrenzen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Nach Angaben russischer Behörden wurden während der Attacke rund 194 Drohnen abgefangen. Der ukrainische Generalstab meldete hingegen einen erneuten Treffer auf die Moskauer Raffinerie.

Ukraine verstärkt offenbar Angriffe auf Hafen in Mariupol

Das ukrainische Erste Asow-Korps weitet seine Angriffe auf russische Logistik- und Versorgungsstrukturen im besetzten Mariupol aus. Wie Reuters berichtet, richteten sich die jüngsten Angriffe gegen die Infrastruktur des Seehafens, den Russland als einen der wichtigsten Nachschubknotenpunkte im Süden der Ukraine nutzt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur griffen ukrainische Drohnen Umspannwerke, Reparaturanlagen sowie ein unter internationalen Sanktionen stehendes Schiff an. Teile der Hafeninfrastruktur fielen dadurch vorübergehend aus. Nach Angaben ukrainischer Militärs besteht das Hauptziel darin, die Versorgung russischer Truppen mit Treibstoff, Munition und militärischer Ausrüstung über Mariupol und Donezk zu stören.

Der Chef des Stabes des Ersten Asow-Korps, Arsen Dmytryk, erklärte gegenüber Reuters, die Ukraine werde sich unabhängig vom benötigten Zeitraum auf die Rückkehr nach Mariupol vorbereiten. „Ich glaube, dass wir Mariupol zurückholen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte er.

Westliche Militärexperten gehen davon aus, dass die systematischen Angriffe auf Verkehrswege und Infrastruktur Russland dazu zwingen, längere Nachschubrouten zu nutzen und zusätzliche Ressourcen für den Schutz seiner Logistik aufzuwenden, was die Durchführung offensiver Operationen erschwert.

Russland meldet 14 Einschläge am AKW Saporischschja

Der Fuhrpark des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist nach Angaben der russischen Besatzungsverwaltung Ziel eines schweren Drohnenangriffs geworden. Bei der Attacke am späten Donnerstagabend und in der folgenden Nacht seien mindestens 14 Einschläge registriert worden, teilte die Werkleitung am Freitag mit. In einem Bereich sei ein Feuer ausgebrochen, zudem seien Gebäude beschädigt worden. Verletzte habe es nach ersten Erkenntnissen nicht gegeben. Eine vollständige Schadensaufnahme sei wegen der anhaltenden Gefahr weiterer Angriffe zunächst nicht möglich gewesen.

Das größte Atomkraftwerk Europas im Osten der Ukraine ist seit den ersten Wochen des russischen Angriffskriegs von russischen Truppen besetzt. Beide Seiten machen sich immer wieder gegenseitig für Angriffe auf das AKW-Gelände verantwortlich.

Putin muss wegen der Kriegskosten offenbar deutlich mehr Schulden aufnehmen

Russland ist zunehmend auf die Aufnahme von Inlandsschulden angewiesen, um den Krieg von Machthaber Wladimir Putin gegen die Ukraine zu finanzieren, da internationale Sanktionen den Zugang des Kremls zu ausländischen Finanzierungsquellen weitgehend abgeschnitten haben. Das berichtet Bloomberg.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur könnten die russischen Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 die ursprünglichen Haushaltspläne um vier bis fünf Billionen Rubel (44 bis 55 Milliarden Euro) übersteigen. Das wären fast 40 Prozent mehr als ursprünglich vorgesehen. Gleichzeitig erreichte das Haushaltsdefizit in den ersten fünf Monaten des Jahres 6 Billionen Rubel (66 Milliarden Euro) und lag damit rund 60 Prozent über dem für das Gesamtjahr vorgesehenen Zielwert.

Analysten weisen darauf hin, dass die Kosten für den Schuldendienst aufgrund hoher Zinsen und des steigenden Finanzierungsbedarfs für den Krieg stark zunehmen. Im Jahr 2026 plant Moskau, fast vier Billionen Rubel (44 Milliarden Euro) für Zinszahlungen und die Bedienung seiner Staatsschulden auszugeben. Dies entspricht rund neun Prozent des föderalen Haushalts und macht den Schuldendienst zum fünftgrößten Ausgabenposten des russischen Staates.

Nach Prognosen von Bloomberg Economics könnte Russland in den kommenden zehn Jahren insgesamt Zinszahlungen in Höhe von rund 15 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts leisten müssen – ein Betrag, der in etwa dem heutigen Umfang der gesamten russischen Staatsverschuldung entspricht.

Russische Angriffe auf Häfen gefährden offenbar ein Drittel der ukrainischen Getreideexporte

Angriffe der russischen Armee auf ukrainische Seehäfen, die Eisenbahninfrastruktur und Energieanlagen könnten die monatlichen Getreideexporte der Ukraine um etwa ein Drittel reduzieren. Dies berichtet Reuters unter Berufung auf Exporteure und Vertreter der Agrarbranche.

Die Ukraine ist in hohem Maße von ihren Schwarzmeerhäfen abhängig, über die mehr als 90 Prozent der Exporte des Landes abgewickelt werden. Branchenvertreter warnen, dass Schäden an Hafenanlagen, Energieinfrastruktur und Logistikrouten zusätzliche Risiken für den ununterbrochenen Export von Getreide auf die Weltmärkte schaffen.

Die Warnungen erfolgen vor dem Hintergrund anhaltender russischer Angriffe auf die ukrainische Transport- und Energieinfrastruktur. Der Getreideexport bleibt eine der wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen der ukrainischen Wirtschaft und ein bedeutender Faktor für die globale Ernährungssicherheit.

Lettland: Kein Land sollte alleine mit Russland verhandeln

Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs hat davor gewarnt, jetzt schon diplomatische Kanäle zu Russland aufzubauen. „Es macht also keinen Sinn, diplomatische Kanäle zu unterhalten, wenn es keinen Grund für Gespräche gibt“, sagt er vor dem zweiten EU-Gipfeltag in Brüssel mit Blick auf russische Angriffe auf die Ukraine.

In der Debatte, wer für Europa sprechen sollte, mahnt er zur Zurückhaltung. „Das war Teil der gestrigen Diskussion“, sagt Kulbergs. Es gebe klare EU-Zuständigkeiten. „Es sollte nicht ein einzelnes Land geben, das diese Rolle übernimmt“, fügt er in Anspielung auf große Mitgliedstaaten hinzu. „Wir haben Institutionen geschaffen, das ist klar. Wir sollten die Regeln nicht ändern.“

Im Kreis der 27 EU-Regierungen hatte es in der Nacht teilweise Kritik gegeben, dass EU-Ratspräsident Antonio Costa beansprucht, Gespräche zu führen.

Ukraine: Ein Toter bei russischen Drohnenangriffen auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer

Bei russischen Drohnenangriffen auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer ist nach ukrainischen Angaben mindestens ein Mensch getötet worden. „Infolge eines russischen Drohnenangriffs auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer kam ein Besatzungsmitglied eines unter panamaischer Flagge fahrenden Schiffes ums Leben“, erklärte der ukrainische Vize-Regierungschef Oleksij Kuleba am Freitag im Onlinedienst Telegram.

Den ukrainischen Angaben zufolge wurden zwei weitere Besatzungsmitglieder auf diesem Schiff verletzt, eines von ihnen schwer. Drei Seeleute eines weiteren Schiffes seien ebenfalls leicht verletzt worden, fügte Kuleba hinzu. Das zweite Schiff fuhr demnach unter der Flagge von St. Kitts und Nevis.

Bereits am Vortag war die Ukraine erneut zum Ziel russischer Angriffe geworden. Die Luftwaffe gab die Zahl der nächtlichen russischen Drohnen am Donnerstag mit 239 und die der Raketen mit sieben an. Aus der Stadt Dnipro und der Region Sumy wurde jeweils ein Toter gemeldet.

Die Verhandlungen über eine Beendigung des Ukraine-Kriegs stecken derzeit in einer Sackgasse. Der Vormarsch der russischen Streitkräfte in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt. Beim G7-Gipfel in Evian sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag, Russland müsse „ein Abkommen“ mit der Ukraine schließen.

Mehrere Verletzte nach russischem Bombardement in Charkiw

Bei einem schweren russischen Luftangriff sind in der ukrainischen Millionenstadt Charkiw offiziellen Angaben nach mindestens neun Menschen verletzt worden, darunter vier Kinder. Mehr als 40 private Wohnhäuser seien durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben in der Stadt beschädigt worden, teilte Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow bei Telegram mit.

Charkiw liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Die vor dem Krieg zweitgrößte Stadt der Ukraine ist damit eins der häufigsten Ziele russischer Angriffe und wurde in den vier Jahren Krieg stark zerstört.

Selenskyj: Kenne keine Details der Costa-Initiative

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Kontaktaufnahme des Teams von EU-Ratspräsident Antonio Costa mit Russland noch nicht beurteilen. „Ich kenne nicht allzu viele Details darüber“, sagte Selenskyj der Deutschen Presse-Agentur beim Verlassen des EU-Gipfels in Brüssel auf die Frage, wie er die Initiative findet.

Costas Büro hatte zuvor bestätigt, Kontakt mit Russland für mögliche Verhandlungen über das Ende des Ukraine-Krieges aufgenommen zu haben. „In den vergangenen Wochen gab es kurze Kontakte auf diplomatischer Ebene, um Kommunikationskanäle zu eröffnen“, bestätigte ein EU-Beamter. Es seien jedoch keine inhaltlichen Gespräche geführt worden.

Insider: Massive Kritik an Costas Moskau-Kontakten

Etliche EU-Regierungen haben EU-Ratspräsident Antonio Costa für seine Kontaktversuche nach Moskau kritisiert. „Es gibt kein Mandat, seine Gespräche waren nicht mit den Mitgliedstaaten abgestimmt“, sagt ein Diplomat eines großen EU-Landes zu Reuters. Costa agiere „nicht professionell“. Es habe in der Sitzung der EU-27 deutliche Kritik mehrerer Länder gegeben. Das Büro des EU-Ratspräsidenten hatte mitgeteilt, dass man Kontakte nach Moskau aufgebaut habe, für den Fall, dass Verhandlungen über den Ukraine-Krieg starten könnten. In der EU ist nicht geklärt, wer dann für die Europäer verhandeln soll. Kanzler Friedrich Merz etwa hatte allerdings deutlich gemacht, dass er vor allem die E3 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) dann in einer wichtigen Rolle sieht.

Lawrow sieht in der EU keinen geeigneten Verhandlungspartner

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht in der Europäischen Union keinen geeigneten Verhandlungspartner, um ein Ende des Ukraine-Kriegs zu erreichen. Das eigentliche Ziel der europäischen Politiker sei nicht, mit Russland zu verhandeln, sondern die Regierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu retten und das Nachbarland als Ausgangspunkt für eine fortgesetzte Konfrontation mit Russland zu erhalten, schrieb Lawrow in einem vom russischen Außenministerium im Internet veröffentlichten Artikel.

Zuvor hatte ein EU-Beamter bestätigt, dass das Büro von EU-Ratspräsident António Costa Kontakt mit Russland aufgenommen habe für mögliche Verhandlungen über das Ende des Ukraine-Krieges. Es seien jedoch keine inhaltlichen Gespräche geführt worden. Mit seiner unabgesprochenen Kontaktaufnahme zu Russland sorgte Costa bei EU-Staats- und Regierungschefs für Verärgerung.

Lawrow warf in dem Beitrag EU-Politikern vor, ihr Engagement diene nur als Vorwand für eine Expansion des Westens, insbesondere der Nato und der EU, in Richtung der russischen Grenzen. Europa sei an einer Niederlage Moskaus in dem Krieg interessiert, könne nicht als unparteiischer Beobachter betrachtet werden und schreibe Russland „aggressive Pläne“ zu. Das sei keine Grundlage für umfassende Gespräche. Lawrow warnte zudem vor möglichen gegenseitigen Atomschlägen mit katastrophalen Folgen bei einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der Nato.

Bulgarien legt Veto gegen Russland-Sanktionen der EU ein

Bulgarien wird gegen das jüngste Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland sein Veto einlegen. Das kündigt Ministerpräsident Rumen Radev vor dem EU-Gipfel in Brüssel an. Die geplanten Sanktionen könnten sich negativ auf die bulgarische Wirtschaft auswirken. Die EU hat am Montag ihre Sanktionsliste erweitert und 34 Einzelpersonen sowie 47 Organisationen hinzugefügt, die mit dem militärisch-industriellen Komplex Russlands, seiner Schattenflotte von Öl- und Gastankern und anderen an politischen Einmischungsaktivitäten beteiligten Personen in Verbindung stehen. „Für den Betrieb von Lukoil besteht ein erhebliches Risiko“, sagt Radev zu dem russischen Ölunternehmen, das einer der größten Kraftstoffhändler in Bulgarien ist und die einzige Raffinerie des Landes betreibt.

Ukraine erhält Milliardenzusage für Militärhilfe

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben umfangreiche neue Zusagen für Militärhilfe in Milliardenhöhe für ihren Abwehrkampf gegen Russland bekommen. Bei einem von Deutschland und Großbritannien geleiteten Treffen im Nato-Hauptquartier in Brüssel wurden rund eine Milliarde Dollar (900 Mio. Euro) für die Finanzierung von US-Rüstungsgütern zugunsten der Ukraine zugesagt, wie Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow in einer anschließenden Pressekonferenz sagte.

Zudem sei Unterstützung für weitreichende Artilleriesysteme sowie für die Produktion von Drohnen und Raketen angekündigt worden, sagte er. Allein die Niederlande hätten Unterstützung für mehr als 700 Marschflugkörper versprochen.

„Die vollständigen Auswirkungen und die gesamte Bedeutung dieser Zusagen werden wir erst in einigen Stunden überblicken können, weil heute wirklich sehr viele unterschiedliche Ankündigungen gemacht wurden“, sagte Fedorow. Schon jetzt sehe man jedoch, dass sich das Gesamtvolumen auf etwa vier Milliarden Dollar belaufen dürfte – möglicherweise sogar mehr.

EU-Regierungen warnen vor zu schnellen Kontakten mit Moskau

Mehrere EU-Spitzenpolitiker warnen vor dem EU-Gipfel davor, voreilig Verhandlungen mit Russland über die Ukraine aufzunehmen. „Zunächst einmal muss es auf der anderen Seite jemanden geben, der zum Frieden bereit ist“, sagt der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs. „Es ist viel besser, einzugreifen, wenn wir positive Signale aus Russland sehen, die zeigen, dass das Land zur Aufnahme von Friedensverhandlungen oder zu einem Waffenstillstand bereit ist“, sagt Litauens Präsident Gitanas Nauseda. Nauseda sprach sich auch dafür aus, dass die EU noch im Juli alle Verhandlungskapitel mit den Beitrittskandidaten Ukraine und der Republik Moldau eröffnet. Er bezeichnete die ukrainischen Angriffe auf Ölanlagen in Moskau vor dem EU-Gipfel in Brüssel zudem als einen „Gamechanger“ in dem Krieg.

Kulbergs und Nauseda reagieren auf eine Meldung, dass das Büro des EU-Ratspräsidenten António Costa in den vergangenen Wochen „kurze Kontakte auf diplomatischer Ebene“ mit dem Kreml geknüpft hatte. Andere drängen jedoch auf einen Dialog mit Moskau. Die EU solle die „Dynamik“ rund um die Friedensgespräche in der Ukraine nutzen, um die Bemühungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin voranzutreiben, sagt der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker der „Financial Times“.

Russland droht Ukraine mit „massiven“ Angriffen

Nach dem ukrainischen Großangriff auf Ziele in Moskau hat Russland mit Vergeltung gedroht. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Donnerstag zu Journalisten in Moskau, Kreml-Chef Wladimir Putin habe bereits angekündigt, dass Russland weitere „massive Angriffe“ gegen die Ukraine ausführen werde. Die russische Armee „setzt dies um und wird das auch weiterhin tun.“

Die Ukraine hatte zuvor den größten Angriff auf die russische Hauptstadt seit Jahren ausgeführt und dabei auch eine wichtige Ölraffinerie getroffen. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin wurden von der Luftabwehr in Moskau 180 ukrainische Drohnen abgewehrt. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht seien landesweit mehr als 500 Drohnen zerstört worden.

Auch die Ukraine wurde in der Nacht wieder zum Ziel russischer Angriffe. Die Luftwaffe gab die Zahl der russischen Drohnen mit 239 und die der Raketen mit sieben an.

London: Liefern Ukraine bis Ende des Jahres 150.000 Drohnen

Großbritannien will der Ukraine bis Ende des Jahres 150.000 Drohnen liefern. Hinzu kommen 350 Luftabwehrraketen und Radarsysteme. Das kündigte der britische Verteidigungsminister Dan Jarvis bei einem Treffen der Nato-Außenminister und der Ukraine-Kontaktgruppe in Brüssel an. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm an der Runde teil.

Finanziert wird das gut 750 Millionen Pfund (rund 865 Millionen Euro) schwere Paket durch einen Kredit, der mit den Erlösen aus eingefrorenem russischen Vermögen gegenfinanziert wird.

„Dieses Paket von Drohnen, Luftabwehrraketen und Radarsystemen wird dabei helfen, unschuldige Menschen in der Ukraine vor Putins Sperrfeuer aus Drohnen und Raketen zu schützen“, sagte Jarvis einer Mitteilung zufolge.

Russland wirft europäischen Staatschefs schädlichen Einfluss auf Trump vor

Russland wirft den europäischen Staats- und Regierungschefs vor, US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel mit „schädlichen Ideen“ zum Ukraine-Krieg beeinflusst zu haben. Sie versuchten, ihn in eine wenig hilfreiche Richtung zu drängen, sagt der außenpolitische Berater des Kremls, Juri Uschakow, am Donnerstag im russischen Staatsfernsehen. Die Darstellung der Europäer, dass sich die militärische Lage der Ukraine verbessert habe, sei falsch. Trump sei jedoch ein starker Politiker, der an seinen eigenen Ansichten festhalte. Russland erwarte einen Besuch der Trump-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Ein Termin dafür stehe noch nicht fest.

Trump hatte beim G7-Gipfel in Frankreich auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen und danach Russland zu einem Friedensschluss mit der Ukraine aufgefordert. Zudem trug er eine G7-Erklärung mit, in der die territoriale Integrität der Ukraine unterstützt, eine Verschärfung der Russland-Sanktionen angekündigt und eine Ausweitung der Lieferungen von weitreichenden Waffen- und Flugabwehrsystemen an die Ukraine vereinbart wurde.

CDU-Außenpolitiker Laschet plädiert erneut für diplomatischen Dialog mit Russland

Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet hat die EU-Staats- und Regierungschefs vor ihrem Gipfel in Brüssel aufgefordert, Russland einen diplomatischen Dialog anzubieten. Die Europäer sollten Moskau ihre Forderungen sowie ein Konzept vorlegen und klar machen: „Wir sind bereit, in den Dialog einzutreten“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag dem Fernsehsender Phoenix am Donnerstag. „Möglicherweise kommen wir da heute auf dem Gipfel in Brüssel einen Schritt weiter“.

Die Aufnahme eines Dialogs mit Russland wäre „ein großer Schritt“, sagte Laschet. Dabei sei es wichtig, dass auch Länder wie die baltischen Staaten oder Polen dafür Rückendeckung geben würden. Es müssten „alle 27 sagen: Ja, jetzt ist der Zeitpunkt da.“

Russland und Ukraine tauschen Leichen gefallener Soldaten aus

Russland und die Ukraine haben erneut Leichen von im Krieg gefallenen Soldaten ausgetauscht. Die Ukraine habe Russland 33 Leichen übergeben, im Gegenzug habe die Ukraine von Russland 522 Leichen erhalten, berichtet das russische Medienportal RBC unter Berufung auf einen russischen Abgeordneten.