Nach Irandeal: Schifffahrt in Straße von Hormus könnte Wochen dauern
Nach Irandeal: Schifffahrt in Hormus könnte Wochen dauern

Glaubt man Donald Trump, hat sich die Lage am Persischen Golf schon fast wieder normalisiert. Bereits am Montag hätten viele der festsitzenden Schiffe damit begonnen, „voll beladen mit Öl, aus der Straße von Hormus zu fahren“, sagte der US-Präsident. Die südliche Passage sei „absolut sicher und unberührt“. Ab Freitag, so die US-Regierung, sei die Meerenge vollständig geöffnet. Während sich europäische Staaten noch über einen gemeinsamen Militäreinsatz abstimmen, um Minen in dem Seegebiet zu räumen, soll vor Ort also schon der Verkehr wieder anlaufen. Zumindest unter westlichen Reedern herrschten zuletzt aber noch Zweifel daran, dass ein schnelles Comeback der Schifffahrt in der seit Monaten umkämpften Meerenge gelingt.

Wochen bis zur Normalisierung

Die Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus könne Wochen dauern, sagte etwa der Vorstandsvorsitzende der großen japanischen Tankerreederei Mitsui O.S.K. Lines in einem Interview mit der „Financial Times“. Man wolle warten, ob das Abkommen zwischen den USA und Iran „substanziell“ ist, sagte Jotaro Tamura dem Interview zufolge. „Was nun zustande kommen muss, ist nicht nur eine einfache Vereinbarung zwischen den betroffenen Ländern, sondern sie muss substanziell sein und sich in der tatsächlichen Lage in der Straße von Hormus niederschlagen, damit die Reedereien sich sicher fühlen, diese zu passieren“, so Tamura.

Durch den am 28. Februar begonnenen Irankrieg ist der Schiffsverkehr auf dem Seeweg in den Persischen Golf weitgehend zum Erliegen gekommen. Zu Friedenszeiten passieren rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasversorgung die Straße von Hormus. Hinzu kommen Produkte wie Aluminium und Harnstoff. Mitsui O.S.K. zählt zu den drei größten japanischen Reedereiunternehmen und verfügt über eine Flotte von mehr als 900 Schiffen, darunter Massengutfrachter, Tanker und Fähren.

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Vorsichtiger Optimismus bei deutschen Reedern

Auch deutsche Reeder zeigten sich bislang nur verhalten optimistisch. „Ob die für Freitag angekündigte Vereinbarung zu einer dauerhaft sicheren und verlässlichen Passage durch die Straße von Hormus führt, muss sich erst noch beweisen“, sagte der Chef des Verbands deutscher Reeder (VDR), Martin Kröger, am Montag. „Wir sind aber vorsichtig optimistisch.“ Jetzt komme es darauf an, Vertrauen und Sicherheit wiederherzustellen. Dass die Bundesregierung sich an der Sicherung der Schifffahrt in der Region beteiligen will, begrüßt der Verband.

„Angesichts der Erfahrungen der letzten Monate halte ich es für realistisch anzunehmen, dass es mindestens ein paar Wochen, wenn nicht sogar einen Monat dauern könnte“, sagte Tamura der Zeitung. Die Tatsache, dass das Abkommen zwischen Washington und Teheran kurz vor dem Abschluss stand, habe Tamuras Einschätzung nicht geändert, hieß es in dem FT-Bericht.

Lieferketten bleiben angespannt

Eine vollständige Entspannung der Versorgungsströme ist laut dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) derweil noch lange nicht in Sicht. Zahlreiche Lieferketten blieben belastet, darunter litten besonders die Branchen Chemie, Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Halbleiterindustrie sowie Pharma und Medizintechnik. Der BME rechnet noch mit Störungen „über Wochen und Monate in den Produktionsnetzwerken“. Immerhin am Ölmarkt hat die vorläufige Einigung zwischen den USA und Iran bereits für Entspannung gesorgt.

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