Russland tarnt Tanklaster als Milch- und Holztransporter auf die Krim
Russland tarnt Tanklaster als Milchtransporter auf Krim

Russland tarnt Tanklaster als Milch- und Holztransporter auf die Krim

Die ukrainische Strategie, gezielt russische Versorgungswege zu attackieren, zeigt offenbar Wirkung. Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist Benzin zur Mangelware geworden. Nun setzen Putins Truppen offenbar auf unkonventionelle Tarnungen, um Treibstoff zu schmuggeln.

Dass Russland infolge des anhaltenden Ukraine-Kriegs zunehmend mit Treibstoffengpässen zu kämpfen hat, ist bekannt. Ukrainische Truppen nehmen vermehrt russische Logistik, Ölraffinerien und Versorgungsrouten unter Beschuss, was zu Engpässen in ganz Russland führt. Das russische Exilmedium „Agentstwo“ berichtete am vergangenen Montag, dass an vielen Tankstellen im ganzen Land Beschränkungen beim Benzinverkauf eingeführt wurden. Die betroffenen Tankstellenketten betreiben Anlagen in mehr als 70 russischen Regionen. Auch Russlands Energieministerium räumte unlängst Probleme infolge ukrainischer Angriffe ein. Via Telegram teilte die Behörde Anfang Juni mit, dass diverse Unternehmen in der Treibstoffbranche mit „vorübergehenden Schwierigkeiten“ konfrontiert seien.

Chaos an Tankstellen

In sozialen Medien werden Videos geteilt, die chaotische Szenen an Tankstellen zeigen. Ein Zusammenschnitt zeigt eine massive Schlange wartender Autos auf der Autobahn zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Eine junge Frau fragt: „Weiß jemand, was in Moskau los ist? Keine einzige Tankstelle hat 100-Oktan-Benzin. Rosneft ist geschlossen. Ist etwas passiert?“ Die Videos ließen sich bislang nicht unabhängig überprüfen.

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Benzin-Knappheit trifft Krim besonders hart

Vor allem in russisch besetzten Gebieten spitzt sich die Situation zu. Auf der Krim können Bewohner Treibstoff nur noch mit Bezugsschein tanken. In sozialen Medien berichteten Autofahrer, dass bei Tankstellenöffnungen die Vorräte innerhalb einer Stunde aufgebraucht waren. Am 4. Juni erklärte Sergej Aksjonow, der von Moskau eingesetzte Statthalter, via Telegram, dass der Verkauf von Benzin gegen Barzahlung eingeschränkt und Tankgutscheine nicht mehr verfügbar seien. „Das Tanken in Kanister ist verboten“, schrieb er.

Ukraine schaltet Krim-Routen aus

In den vergangenen Wochen nahm die ukrainische Armee mit gezielten Drohnenangriffen vor allem Versorgungsrouten und Straßenverbindungen zwischen der Krim und dem Festland ins Visier. Die Halbinsel wird hauptsächlich über drei Routen und Brücken versorgt: die Armjansk-Brücke im Westen, die Tschonhar-Brücke im Osten und die Kertsch-Brücke im Südwesten. Da Treibstofftransporte über die Kertsch-Brücke exponiert sind, wurde die Versorgung zuletzt über die nördlichen Routen abgewickelt. Doch auch die Tschonhar-Brücke geriet unter Beschuss, sodass der russische Gouverneur Chersons, Wolodymyr Saldo, zur Nutzung der Armjansk-Brücke aufrief. In der Nacht zum 11. Juni wurde schließlich auch diese Brücke angegriffen, um mit Treibstoff und Munition beladene Lastwagen auszuschalten.

Russlands Armee wird erfinderisch

In sozialen Medien werden vermehrt Videos geteilt, die russische Tanklaster auf dem Weg zur Krim zeigen sollen. Die Lkw sind nicht als Tankwagen zu erkennen, sondern wurden offenbar getarnt. Dmytro Pletenchuk, Sprecher der ukrainischen Seestreitkräfte, sagte: „Es gibt Informationen, dass sie mittlerweile Fahrzeuge einsetzen, die sonst Lebensmittel wie Milch transportieren.“ Ein Video des estnischen Kriegsbloggers „WarTranslated“ soll einen getarnten Lastwagen zeigen, der als Holztransporter getarnt ist. „Russische Besatzer tarnen militärische Tanklastwagen als zivile Holztransporter, um Treibstoff auf die Krim zu schmuggeln“, heißt es dazu. In dem Video hört man: „Schaut euch an, was sie gemacht haben. Da ist sie, die Schönheit. Was für Clowns.“ Die Aufnahmen ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Pletenchuk schilderte laut „Ukrinform“, dass ukrainische Truppen „sehr systematisch“ vorgehen, um russische Versorgungsrouten zur Krim zu unterbrechen. Die Gegner seien daher zu unkonventionellen Tarnmaßnahmen übergegangen: „Es ist mittlerweile so weit gekommen, dass sie Abdeckungen über Tanklastwagen anbringen, um diese als zivile Fahrzeuge zu tarnen.“

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