Präsident Donald Trump wollte der Welt beweisen, dass sein neues Präsidentenflugzeug einsatzbereit ist – doch das Gegenteil trat ein. Ausgerechnet auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel in Ankara ließ Trump die von Katar geschenkte Boeing 747 stehen und stieg stattdessen in die fast 40 Jahre alte Air Force One. Offiziell sprach Trump von einer Geste für amerikanische Soldaten in Großbritannien, die das neue Prachtstück auf dem Stützpunkt Mildenhall besichtigen sollten. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass diese Erklärung halbgar war.
Sicherheitsbedenken als Hauptgrund
Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien spielten massive Sicherheitsbedenken die ausschlaggebende Rolle. Die renommierte Investigativjournalistin Carol Leonnig, einst Washington Post, berichtete unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Quellen, die neue Maschine verfüge nicht über jene Kommunikations- und Verteidigungssysteme, die für einen Präsidentenflug „während der Feindseligkeiten mit Iran“ erforderlich seien. Damit bekommt die Affäre um das 400 Millionen Dollar teure Geschenk aus Katar eine neue Dimension.
Die Maschine ist zwar für rund weitere 400 Millionen Dollar auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers umgebaut worden. Sie bleibt aber ein Provisorium – ein sogenanntes „Bridge Aircraft“, das die Zeit überbrücken soll, bis die eigentlichen neuen Präsidentenflugzeuge von Boeing fertiggestellt sind, was nach Ende der zweiten Amtszeit Trumps Anfang 2029 der Fall sein wird.
Fehlende Systeme einer fliegenden Festung
Weil Trump die Maschine der Scheichs möglichst schnell nutzen wollte, wurden nicht alle sicherheitsrelevanten Systeme eingebaut, die eine klassische Air Force One zu einer fliegenden Festung machen. Dazu gehören hochgesicherte Kommunikationssysteme, ausgefeilte Raketenabwehrtechnik sowie weitere militärische Schutzvorrichtungen, die sich nicht kurzfristig nachrüsten lassen. Manche Komponenten müssen bereits während des ursprünglichen Flugzeugbaus integriert werden.
Die Sicherheitslage macht das Problem besonders brisant. Nach den amerikanischen Angriffen auf iranische Ziele und dem Wiederaufflammen der Feindseligkeiten gilt Trump nach eigenen Worten als „Nummer eins“ auf der iranischen Tötungsliste. Auf dem Flug von Ankara nach Westen hätte sich die Präsidentenmaschine zeitweise deutlich näher an iranischer Reichweite befunden als später über Großbritannien. Genau für diesen ersten Abschnitt empfahlen Sicherheitsbehörden deshalb offenbar den Wechsel auf die alte VC-25A, deren Schutzsysteme seit Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt wurden.
Weißes Haus weist Vorwürfe zurück
Das Weiße Haus weist die Darstellung zurück. Kommunikationsdirektor Steven Cheung sprach von „Fake News“ und betonte, das neue Flugzeug verfüge über hochentwickelte Sicherheitsmerkmale. Später argumentierte das Weiße Haus zusätzlich, der Flugzeugwechsel sei Teil einer Strategie aus „Ablenkung und Irreführung“ gewesen, um mögliche Gegner über Trumps tatsächliche Reiseroute im Unklaren zu lassen.
Es bleibt ein Nachgeschmack. Seit Monaten hatte Trump die neue Air Force One als Symbol seiner Handlungsfähigkeit präsentiert. Die Boeing aus Katar sollte demonstrieren, dass seine Regierung schneller liefern könne als Boeing mit den seit Jahren verspäteten offiziellen Nachfolgemaschinen. Nun zeigte ausgerechnet der erste große Auslandseinsatz die Grenzen auf. Trump hatte nach der milliardenschweren Prestigeanschaffung auf mögliche schnelle Indienststellung gedrängt. Die Zeit war offenbar zu kurz, um die neue „Air Force One“ absolut sicher zu machen.



