Aida-Insider enthüllt: Harte Arbeitsbedingungen und Vertragstricks auf Kreuzfahrtschiffen
Aida-Insider enthüllt harte Arbeitsbedingungen auf Kreuzfahrtschiffen

Aida-Insider enthüllt: Harte Arbeitsbedingungen und Vertragstricks auf Kreuzfahrtschiffen

Ein ZDF-Fernsehteam hat für seine Dokumentation "Die Insider" am Hamburger Hafen Passanten nach ihrer Einschätzung zur Gehaltshöhe eines Barmitarbeiters auf einem Aida-Schiff befragt. Die tatsächliche Antwort sorgte bei vielen für große Verwunderung und offenbart ein düsteres Bild der Arbeitsrealität an Bord.

Deutsche Mitarbeiter verdienen nur sieben Euro brutto pro Stunde

Deutsche Mitarbeiter in der Bar, im Servicebereich oder im Unterhaltungssektor verdienen im Durchschnitt lediglich 2000 bis 2200 Euro brutto im Monat. Bei einem täglichen Arbeitspensum von zehn bis zwölf Stunden und ohne Wochenendzuschläge ergibt sich daraus ein Stundenlohn von gerade einmal sieben Euro brutto. Aida rechtfertigt diese niedrigen Löhne, wie die ZDF-Dokumentation darstellt, mit der Bereitstellung von Unterkunft, Verpflegung und Uniformen.

Mindestlohn wird durch italienische Verträge umschifft

Insider Daniel, ein ehemaliger Aida-Mitarbeiter, berichtet, dass das Unternehmen Arbeitsverträge in Italien abschließe und somit nicht an deutsche Standards gebunden ist. Deswegen kann Aida die Arbeitsbelastung für die Crewmitglieder erhöhen und gleichzeitig niedrigere Löhne und Gehälter zahlen. Da das italienische Arbeitsrecht keinen Mindestlohn vorgibt und die Ruhezeiten großzügiger zugunsten der Arbeitgeber regelt, profitiert das Unternehmen von diesen Bedingungen.

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Aida erlaubt den EU-Mitarbeitenden, drei bis sechs Monate am Stück zu arbeiten, und zahlt den Urlaub erst am Ende der Reise aus. Diese Praxis ermöglicht es dem Unternehmen, die Arbeitskosten weiter zu drücken und die Crewmitglieder über längere Zeiträume ohne angemessene Erholungsphasen einzusetzen.

Beschäftigte aus Nicht-EU-Ländern schuften für vier Euro pro Stunde

Rund 75 Prozent der 17.500 Mitarbeiter stammten aus Ländern wie Indien, Indonesien und vor allem von den Philippinen, heißt es in der Doku. Für sie gelten andere gesetzliche Regelungen. Insider Daniel berichtet, dass philippinische Agenturen diese Arbeitskräfte vermitteln und dafür eine erhebliche Provision verlangen.

Diese Provision müssen die Arbeiter selbst zahlen. Beschäftigte aus Nicht-EU-Ländern arbeiten elf Monate am Stück, sieben Tage die Woche und zwölf Stunden am Tag, ohne Urlaub nehmen zu können. Am Ende bleiben ihnen laut ZDF-Recherche nur vier Euro pro Stunde.

Steuervorteile und Auszeichnungen als Arbeitgeber

Für Aida ist es zudem ein Vorteil, dass in Italien keine Lohnsteuer für die Angestellten anfällt und der Steuersatz dort nur 4,6 Prozent beträgt. Auf seiner Internetseite beschreibt das Kreuzfahrtunternehmen die Arbeit auf den Schiffen als besonders abwechslungsreich und verspricht blaues Meer, ein buntes Team und jeden Tag eine neue Traum-Location.

Das Unternehmen sucht Mitarbeiter für verschiedene Abteilungen – von den Hotelbereichen wie Restaurant und Bar hin zu Tätigkeiten als DJ, Fitnesstrainer oder Kosmetikerin. Aida Cruises hebt seine Auszeichnungen hervor und nennt sich selbst Top Nationaler Arbeitgeber 2023 sowie Top-Ausbildungsbetrieb 2022.

Kritische Dokumentation und fehlende Stellungnahme

Mit seinen elf Schiffen, die Platz für 1.300 bis 5.200 Gäste bieten, erfreut sich Aida großer Beliebtheit. Die ZDF-Dokumentation "Die Insider" beleuchtet vorwiegend kritisch verschiedene Aspekte: Sie thematisiert die Bezahlung an Bord und die negativen Auswirkungen für Gäste, die hohen Preise für Ausflüge und die vermeintlich umweltfreundlichen Schiffe, deren Ökobilanz tatsächlich schlecht ausfällt.

Viele Zuschauer bewerten das ZDF-Format allerdings als einseitig, völlig überzogen und "journalistischen Tiefpunkt". Die ZDF-Mediathek zeigt derzeit die 2023 ausgestrahlte Dokumentation "Die Insider". Unsere Redaktion fragte bei Aida Cruises nach dem aktuellen Stand zur Lohnpolitik des Unternehmens. Das Unternehmen reagierte darauf jedoch nicht.

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