Verspätungen, Zugausfälle und kurzfristige Änderungen gehören für viele Bahnreisende längst zum Alltag. Doch die Krise der Deutschen Bahn trifft nicht nur die Fahrgäste. Auch die Mitarbeiter bekommen die Folgen jeden Tag zu spüren. Vor allem Zugbegleiter stehen unter großem Druck. Sie müssen einen immer schwierigeren Betrieb meistern und gleichzeitig den Frust der Reisenden aushalten.
„Was hier so hinter den Kulissen läuft, damit könnte man ein ganzes Buch füllen“
Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn, der anonym bleiben möchte, sagte gegenüber TRAVELBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer): „Was hier so hinter den Kulissen läuft, damit könnte man ein ganzes Buch füllen.“ Schon dieser Satz zeigt, wie belastend der Arbeitsalltag vieler Beschäftigter inzwischen geworden ist. Die verbliebenen Zugbegleiter spüren die Folgen unmittelbar. TRAVELBOOK sprach mit einer Mitarbeiterin, die während einer Schicht bereits zwölf Stunden über Nacht im Einsatz war. „Es gibt keine Kollegen“, erklärte sie. Und: „Wir wundern uns inzwischen selbst, wenn Züge pünktlich ankommen.“
Gewalt gegen Zugbegleiter nimmt zu
Wie die „FAZ“ berichtet, gaben allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 1630 Beschäftigte der Deutschen Bahn an, Opfer einer Straftat geworden zu sein. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beobachtet seit Jahren mehr Übergriffe. Der DGB fordert deshalb ein entschlosseneres Handeln der Politik und eine bessere Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Besonders wichtig sei mehr Personal. Zugbegleiter sollten nicht allein im Zug eingesetzt werden. Eine Doppelbesetzung könne die Sicherheit von Mitarbeitern und Fahrgästen erhöhen.
Personalmangel verschärft die DB-Probleme
Nach eigenen Angaben kämpft die Deutsche Bahn seit Jahren mit fehlenden Fachkräften. Besonders betroffen sind operative Bereiche wie Zugbetrieb, Stellwerke und Instandhaltung. Fehlt dort Personal, kann das Auswirkungen auf den gesamten Bahnbetrieb haben und zu Verspätungen oder Zugausfällen führen. Die verbliebenen Zugbegleiter spüren die Folgen unmittelbar.
Deutsche Bahn verweist auf Sicherheitsmaßnahmen
Auf TRAVELBOOK-Nachfrage erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn, das Unternehmen reagiere mit mehr Sicherheitsmaßnahmen in den Zügen, einer verstärkten Personalgewinnung und milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur auf die aktuellen Herausforderungen. Gleichzeitig räumt die Deutsche Bahn ein, dass der Fachkräftemangel und die über Jahre gewachsenen Probleme im Schienennetz große Herausforderungen bleiben.



