Befristung auf vier Jahre: Mehr Flexibilität oder prekäre Jobs?
Befristung auf vier Jahre: Mehr Flexibilität oder prekäre Jobs?

Die Bundesregierung plant, die maximal zulässige Dauer für sachgrundlose Befristungen von Arbeitsverträgen von zwei auf vier Jahre zu verlängern. Das soll Unternehmen mehr Flexibilität bieten und neue Jobs schaffen. Kritiker warnen jedoch vor einer Verfestigung der „Zweiklassengesellschaft“ am Arbeitsmarkt, insbesondere für Berufseinsteiger.

Was die Verlängerung der Befristung bedeutet

Bislang dürfen Arbeitgeber Arbeitnehmer ohne sachlichen Grund maximal zwei Jahre lang befristet beschäftigen, wobei eine Verlängerung bis zu drei Mal möglich ist. Künftig soll diese Frist auf vier Jahre steigen, mit der Möglichkeit mehrfacher Verlängerungen. Ziel ist es, Unternehmen mehr Planungssicherheit zu geben und die Einstellungsbereitschaft zu erhöhen.

„Mehr Flexibilität für Betriebe kann helfen, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Allerdings betont er auch, dass die Interessen der Arbeitnehmer gewahrt bleiben müssten.

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Kritik: Prekäre Beschäftigung für Berufseinsteiger

Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren die Pläne scharf. „Eine verlängerte Befristung schafft keine neuen Jobs, sondern verlängert die Unsicherheit für Millionen Beschäftigte“, erklärt eine Sprecherin des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Besonders betroffen seien Berufseinsteiger, die oft jahrelang in befristeten Verhältnissen arbeiten müssten, bevor sie eine Festanstellung bekämen.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren 2024 rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland befristet beschäftigt, davon etwa 40 Prozent unter 30 Jahren. Die durchschnittliche Dauer einer Befristung lag bei knapp zwölf Monaten. Bei einer Verlängerung auf vier Jahre drohe eine „Zweiklassengesellschaft“: Stammbelegschaften mit unbefristeten Verträgen stünden einer wachsenden Gruppe von Beschäftigten mit prekären Bedingungen gegenüber.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Befürworter der Reform argumentieren, dass mehr Flexibilität die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärke. „Gerade in innovativen Branchen mit unsicheren Auftragslagen sind befristete Verträge ein wichtiges Instrument, um Fachkräfte einzustellen“, so ein Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Die Verlängerung auf vier Jahre gebe Unternehmen die Möglichkeit, Projekte langfristiger zu planen.

Kritiker verweisen dagegen auf internationale Studien, die zeigen, dass lange Befristungsmöglichkeiten die Arbeitslosigkeit nicht senken, sondern die Fluktuation erhöhen und die Produktivität beeinträchtigen. Zudem sinke die Bereitschaft von Arbeitnehmern, in Weiterbildung zu investieren, wenn die Perspektive auf eine Festanstellung ungewiss sei.

Reaktionen aus der Politik

Die Koalition ist sich in der Frage uneins. Während die FDP auf mehr Flexibilität drängt, fordern SPD und Grüne stärkere Schutzmechanismen. „Wir werden die Pläne so ausgestalten, dass Missbrauch verhindert wird und Berufseinsteiger nicht in der Sackgasse landen“, verspricht eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. Konkret sollen etwa Sachgrundbefristungen weiterhin nur in Ausnahmefällen möglich sein und die Anzahl der Verlängerungen begrenzt werden.

Die Opposition lehnt die Reform ab. „Die Verlängerung der Befristung ist ein Angriff auf die Rechte der Arbeitnehmer“, sagt ein arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linken. „Stattdessen brauchen wir mehr unbefristete Stellen und eine bessere Übernahmequote nach der Ausbildung.“

Der Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr im Bundestag beraten werden. Ob und wann er in Kraft tritt, ist angesichts der kontroversen Debatte ungewiss.

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