Ruhe ist im Büro offenbar ein knappes Gut – und die größte Lärmquelle sitzt meist im selben Raum: die Kollegen. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Logitech zufolge wünschen sich 95 Prozent der Bürobeschäftigten in Deutschland eine ruhige Arbeitsumgebung. Doch ausgerechnet die menschliche Kommunikation steht dem am häufigsten im Weg. Das gilt besonders für Telefonate, direkte Gespräche und Videomeetings, die ohne Kopfhörer stattfinden.
An der Erhebung nahmen gut 2.100 Menschen in Deutschland teil, die zumindest zeitweise im Büro arbeiten. Sie wurden gefragt, welche Geräusche sie im Arbeitsalltag besonders stören. Bis zu drei Nennungen waren möglich. Das Ergebnis macht deutlich: Die Lärmbelastung hat weniger mit Technik als mit dem Miteinander zu tun.
Die Top 3 der Lärmquellen: Calls, Gespräche und Videos ohne Kopfhörer
Die Rangliste der Störgeräusche führen die beruflichen Telefonate an: 53 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Anrufe und Calls von Kollegen besonders stören. Auf Platz zwei folgen Gespräche zwischen Kollegen mit 47 Prozent. Mit 41 Prozent nennen die Befragten auch Videomeetings, die ohne Kopfhörer geführt werden, als deutliche Belastung. Erst mit großem Abstand folgen Hintergrundgeräusche wie Lüftung, Drucker oder Kaffeemaschine – sie stören 18 Prozent. Tastaturgeräusche fallen bei 7 Prozent negativ auf, Mausklicks nur bei 4 Prozent.
Die Umfrage macht damit deutlich, dass weniger technische Geräte als vielmehr die Art der Zusammenarbeit störend wirkt. Kommunikation ist im Büro unvermeidlich – die Frage ist, wie sie stattfindet. Besonders hybride Meetings, bei denen ein Teil der Belegschaft remote zugeschaltet ist, scheinen neue Lärmquellen zu schaffen.
Ruhebedürfnis wächst – aber die Regeln hinken hinterher
Das Bedürfnis nach Stille nimmt einer wachsenden Zahl von Beschäftigten zufolge weiter zu. 68 Prozent gaben an, dass ihr Ruhebedürfnis in den vergangenen fünf Jahren angestiegen ist. Demgegenüber sehen nur 41 Prozent, dass in den Büros tatsächlich bewusster auf Lautstärke geachtet wird. Auffällig ist die Einschätzung des eigenen Verhaltens: 51 Prozent der Befragten sagen über sich selbst, dass sie sich stärker zu rücksichtsvollem Verhalten verpflichtet fühlen. Es existiert also eine bemerkenswerte Schere zwischen dem, was man von anderen erwartet, und dem, was man selbst beizutragen bereit ist.
Diese Diskrepanz könnte ein Grund sein, warum das Thema Lärm im Büro so konfliktträchtig ist. Viele fühlen sich selbst als rücksichtsvoll, nehmen die anderen aber als Störquelle wahr. Das deckt sich mit dem Erleben vieler Angestellter, in deren Alltag die Grenzen zwischen konzentrierter Einzelarbeit und lebendigem Austausch oft verschwimmen.
70 Prozent leiden unter Konzentrationsverlust
Die Folgen der Geräuschkulisse sind beträchtlich: 70 Prozent der Büroarbeitenden berichten, dass Bürogeräusche ihre Konzentration beeinträchtigen. Wer ständig unterbrochen wird, braucht länger für einfache Aufgaben und macht eher Fehler – und das kann auf Dauer zu Frustration führen. Besonders in Phasen fokussierter Arbeit sind unerwartete Geräusche eine Belastungsprobe.
Logitech-Deutschlandchef Serkan Ates sieht hier einen klaren Handlungsbedarf. „Ein gestiegenes Ruhebedürfnis bedeutet nicht, dass Menschen weniger Austausch wollen. Es zeigt vielmehr, dass Kommunikation im Büro bewusster organisiert werden muss“, sagt er. „Viele Arbeitsroutinen haben sich verändert, aber die Regeln für das Miteinander im Büro sind nicht überall im gleichen Tempo mitgewachsen. Gerade bei Calls, spontanen Gesprächen und hybriden Meetings braucht es mehr Klarheit darüber, was für andere zumutbar ist.“
Rücksicht ist der Schlüssel
Ates sieht in der Rücksichtnahme den entscheidenden Faktor für eine produktive Arbeitsatmosphäre. Letztlich entscheide diese darüber, „ob Menschen im Arbeitsalltag fokussiert bleiben oder ständig aus ihrer Konzentration gerissen werden“. Die Umfrage liefert damit eine klare Botschaft an Unternehmen: Wer die Leistungsfähigkeit seiner Teams erhalten will, muss für klare Kommunikationsregeln sorgen.
Dazu gehören beispielsweise vereinbarte Ruhezonen, die Nutzung von Headsets bei Anrufen und Videomeetings oder festgelegte Zeiten für Telefonate. Manche Unternehmen setzen auf eine Kultur, in der Kopfhörer als Signal für „Bitte nicht stören“ gelten. Letztlich, so zeigen die Ergebnisse, geht es nicht darum, Gespräche im Büro zu verbieten – sondern darum, sie so zu gestalten, dass alle damit leben können.
Die Erhebung von YouGov wurde im Auftrag von Logitech durchgeführt. Mehr als 2.100 Beschäftigte in Deutschland, die zumindest teilweise im Büro arbeiten, wurden befragt. Die Ergebnisse seien mit Blick auf die moderne Arbeitswelt als deutlicher Hinweis zu verstehen, dass Büros nicht nur Orte des Austauschs, sondern auch der Konzentration sein müssen – und dass dies nur mit gemeinsam vereinbarten Spielregeln gelingt.



