Nach der Rekordhitze in Deutschland droht nun eine neue Extremwetterlage. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor schweren Gewittern, Starkregen und Sturmböen, insbesondere im Süden und Südosten des Landes. Eine Tornadolage sei jedoch nicht zu erwarten, erklärte Adrian Leyser Sturm von der Tornado-Expertengruppe des DWD.
Hitzewelle mit Rekordtemperaturen
Am vergangenen Wochenende wurden in Deutschland mehrere Temperaturrekorde gebrochen. Laut DWD erreichte das Quecksilber am Sonntag im brandenburgischen Neißemünde-Coschen 41,7 Grad Celsius – ein neuer Höchstwert für Juni. Vorläufigen Messungen zufolge handelte es sich um den zweitwärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. DWD-Meteorologen bezeichneten die Extremtemperaturen als „Hitzewelle für die Geschichtsbücher“ und machten den Klimawandel dafür verantwortlich: „Was früher Ausnahme war, häuft sich zunehmend.“
Wettertechnisch geteiltes Land
Derzeit ist Deutschland wettertechnisch zweigeteilt. Eine Luftmassengrenze über der Mitte trennt sehr warme und feuchte Luft im Süden und Südosten von kühlerer Luft im Nordwesten. In der Nacht zum Mittwoch soll sich die kühlere Luft nur langsam nach Südosten bewegen. In Regionen wie Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen bestehe die größte Unwettergefahr, so Sturm. Dort könne es im Zuge des Luftmassenwechsels zu schweren Gewittern und Starkniederschlägen kommen.
Keine Tornadolage, aber Starkregengefahr
Ob die aktuelle Wetterlage Tornados begünstigt, verneinte der Experte: „Einzelne Tornados sind zwar nicht komplett ausgeschlossen, es handelt sich insgesamt aber nicht um eine ausgewiesene Tornadolage.“ Stattdessen warnte er vor heftigem Starkregen: „Die größte Gefahr geht von heftigem Starkregen aus.“ Innerhalb kurzer Zeit könnten 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter niedergehen, regional sogar bis zu 80 Liter. „Das entspricht dem ein- bis zweifachen einer üblichen Monatssumme an Niederschlag binnen weniger Stunden“, ergänzte Sturm.
Mögliche Folgen: Überflutungen und Erdrutsche
Die Starkregenlage könne zu Überflutungen, vollgelaufenen Kellern, Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie Erdrutschen führen. Autofahrer müssten mit Aquaplaning rechnen. Zudem seien Hagel in Kronkorkengröße und Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometern pro Stunde möglich.
Ausblick: Beruhigung im Wochenverlauf
Im weiteren Wochenverlauf sollen sich die Gewitter beruhigen. Allerdings könnten Tiefausläufer in der Nordhälfte für unbeständiges Wetter sorgen. „Ein böiger, vor allem an der See teils auch stürmischer West- bis Nordwestwind sorgt bisweilen sogar für einen herbstlichen Touch“, prognostizierte Sturm. In der Südhälfte dominiere dagegen Hochdruckeinfluss mit viel Sonnenschein und wenig Niederschlag. Die Temperaturgegensätze blieben bestehen: Im Norden werde es selten über 25 Grad, im Süden sommerlich warm. Extreme Hitze sei binnen Wochenfrist aber nicht zu befürchten.



