E-Scooter-Unfälle: Forscher fordert strengere Regeln und mehr Infrastruktur
E-Scooter-Unfälle: Forscher fordert strengere Regeln

Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern in Deutschland wächst rasant. Allein im Jahr 2025 wurden knapp 15.000 Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen registriert. Das geht aus aktuellen Daten der Polizei hervor. Mobilitätsforscher Sören Groth von der Technischen Universität Berlin sieht jedoch nicht allein die Fahrer in der Verantwortung. Im Interview mit dem SPIEGEL erklärte er: „Wir befinden uns mit E-Scootern noch weitgehend in einer Wild-West-Phase.“

Infrastruktur und Regeln müssen angepasst werden

Groth betont, dass die aktuelle Infrastruktur nicht auf die schnellen Elektrokleinstfahrzeuge ausgelegt sei. „Wir haben Fahrradwege, die oft zu schmal sind, und viele Scooter-Fahrer weichen auf die Straße oder den Gehweg aus – das führt zu Konflikten und Unfällen.“ Er fordert daher den Ausbau sicherer Radwege und eine bessere Trennung der Verkehrsarten.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Leihroller, die oft wild in der Stadt abgestellt werden. „Die Anbieter müssen stärker in die Pflicht genommen werden, etwa durch verbesserte Abstellzonen und eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung in Fußgängerzonen“, so Groth.

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Helmpflicht und Alkoholgrenzen

Der Forscher spricht sich zudem für eine bewusstere Nutzung aus. „Wir sollten fürs Helmtragen werben, mit Blick auf Leihroller sehe ich eine Pflicht aber kritisch“, sagte er. Stattdessen plädiert er für eine Senkung der Promillegrenze auf 0,5 für E-Scooter-Fahrer, ähnlich wie für Autofahrer.

Die Unfallzahlen zeigen, dass vor allem junge Männer betroffen sind. Laut Polizeistatistik waren 2025 rund 80 Prozent der Unfallbeteiligten männlich, das Durchschnittsalter lag bei 28 Jahren. Alkohol war in etwa einem Viertel der Fälle im Spiel.

Forderung nach mehr Kontrollen

Groth fordert zudem mehr Polizeikontrollen, um Verstöße wie Fahren ohne Versicherung oder unter Alkoholeinfluss zu ahnden. „Die Dunkelziffer ist hoch, viele Unfälle werden gar nicht erfasst“, sagte er. Um die Sicherheit zu erhöhen, seien auch technische Lösungen denkbar, etwa eine automatische Geschwindigkeitsreduzierung in bestimmten Zonen.

Die Debatte um E-Scooter wird in Deutschland kontrovers geführt. Während Städte wie Paris ein Verbot von Leihrollern erlassen haben, setzt Berlin auf strengere Regeln und mehr Infrastruktur. Groth sieht Deutschland auf einem guten Weg, mahnt aber: „Wir müssen jetzt handeln, bevor die Unfallzahlen weiter steigen.“

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