Berlin. Ein angebliches Verschwinden vietnamesischer Auszubildender in Berlin hat sich als Missverständnis herausgestellt. Die Polizei hat die Ermittlungen abgeschlossen und konnte keine Hinweise auf Menschenhandel oder andere Straftaten finden. Die jungen Menschen waren nie wirklich verschwunden.
Hintergrund des angeblichen Verschwindens
Im Herbst 2025 sorgte eine Meldung für Aufruhr: Fast ein Drittel der insgesamt 700 an einer Berufsschule in Weißensee gemeldeten Schüler sei spurlos verschwunden. Der rbb berichtete zuerst darüber und äußerte den Verdacht auf organisierte Kriminalität – die Azubis könnten Menschenhändlern zum Opfer gefallen oder in Ausbeutungsverhältnissen gelandet sein. Die Polizei prüfte unter anderem den Verdacht auf Menschenhandel, aber auch über Prostitution und Schwarzarbeit wurde spekuliert. Auch die Berliner Morgenpost berichtete über den Fall.
Ermittlungen ergeben: Kein Menschenhandel und keine Vermissten
Inzwischen steht fest: Die jungen Menschen sind nie wirklich weg gewesen. Das berichtet der „Tagesspiegel“. „Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass die betroffenen Personen nicht vermisst wurden“, antwortete der Senat auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Damiano Valgolio und Katina Schubert. Der Verdacht auf Menschenhandel habe sich nicht bestätigt. Hinweise auf entsprechende Straftaten gebe es ebenso nicht. Hinter der Abwesenheit der Schülerinnen und Schüler an der Berufsschule sollen ganz andere Motive liegen, etwa nicht erteilte Visa, „Eheschließung, Umzug in ein anderes Bundesland oder Wechsel des Ausbildungsplatzes“, heißt es in der Antwort, die dem „Tagesspiegel“ vorliegt. Die Spekulationen, dass die Azubis womöglich irgendwo illegal arbeiten würden, haben sich nicht bestätigt.
Vietnamesische Azubis: Hohe Schulden durch Vermittlungsgebühren
Seit Jahren ist jedoch ein Problem bekannt: Viele der Vietnamesen müssten sich verschulden, um Gebühren für Vermittlungsagenturen, oft in Höhe von mehreren tausend Euro, zu bezahlen. Das erklärte im Dezember 2025 Sebastian Riesner, NGG-Geschäftsführer des Landesbezirks Ost, gegenüber dieser Redaktion. Damit entstehe ein sehr hoher ökonomischer Druck. Es sei deshalb vorstellbar, dass die Azubis irgendwo jobben – zum Beispiel in Nagelstudios. In der zuständigen Projektgruppe, die sich mit der Lage vietnamesischer Auszubildender befasst, sei laut der Senatsantwort auch über „fragwürdige Werbepraktiken im Herkunftsland“ berichtet worden. Dabei kämen vor allem soziale Medien und Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Rechtliche Handhabe gegen diese „irreführenden Anwerbepraktiken“ gebe es jedoch nicht.



