Herr über fast einen Kilometer Schleppnetz ist Uwe Siekierkowski. Das Geflecht türmt sich in seiner Radener Werkstatt bei Teterow. Vor allem wenn es kalt ist, werden Netze geflickt. Obenauf thront Gabi, der dicke Grautiger. Denn wo der Ofen bullert und es Fisch gibt, sind auch Katzen.
Der Mann ist Fischer, liebt die Einsamkeit und das Freiheitsgefühl in der Natur – genau wie es das Klischee beschreibt. Schon seit 1990 arbeitet der gebürtige Güstrower selbstständig in diesem noch sehr traditionellen Beruf, und das gern als Alleinkämpfer.
Die Arbeit ist hart, wenn man aus kaltem Wasser im Akkord bis zu 40 Kilo Fisch ins Boot hievt. „Das wird schnell unterschätzt“, weiß Uwe Siekierkowski. „Gestandene Jungs vom Dorf, die das mal ausprobiert haben, bekannten: ,Wir hätten nicht gedacht, dass der Job so schwer ist!‘“ Es gäbe immer noch Menschen, die glauben, Fischer gingen ja nur angeln... Aufgrund der Härte der Arbeit, aber auch weil die Kaufkraft der Kunden in diesen ländlichen Regionen schwindet, würden immer weniger Kollegen diesen Beruf ausüben wollen, so der Fischer.
Ein Freiheitsgefühl für harte Arbeit
Heute verkauft Uwe Siekierkowski ausschließlich ab Hof. Auf Märkte zu fahren, ist mittlerweile für seinen Ein-Mann-Betrieb mit dem Verarbeiten, also Schlachten, Putzen, Räuchern, zu viel Arbeit. Und so ein Verkaufswagen kostet immerhin 70.000 Euro. Harte Arbeit versus Freiheitsgefühl, wenig Geld, aber viel Natur – das bekommt der Fischer für seinen Job.
Dass Fischer viel aushalten müssen, bestätigt Sebastian Paetsch als Präsident des Landesfischereiverbandes. Vor allem an den Küsten seien die Rahmenbedingungen aktuell schwer, spricht er unter anderem geringe Fangquoten an. Der Heringsbestand leide unter dem Klimawandel, Kormorane und zunehmend auch Robben seien Konkurrenten. „Vor allem letztere zerstören Fanggeräte und holen sich die kleinen Fische. Außerdem ist es natürlich ungleich härter, bei Sturm und Regen hinauszufahren als an einem lauen Frühjahrsmorgen“, weiß Sebastian Paetsch um die harte Arbeit von Fischern.
Dennoch und obwohl es nach wie vor viele Alleinkämpfer gebe: „Der knorrige Fischer von früher ist nur noch selten“, spricht Sebastian Paetsch von einer innovativen Branche vor allem im Binnenland. Seit der Wende sei die Fischerei einem großen Umbruch ausgesetzt gewesen. Nebenproduktionen wie Schilfschneiden und Nerzzucht sind inzwischen einer breit gefächerten Direktvermarktung gewichen, verknüpft an Urlaub auf dem Fischerhof. „Viele haben jetzt ihre Nischen im Tourismus gefunden. Die Nachfrage in den Betrieben ist groß. Unsere Tradition war immer schon wandlungsfähig.“
24 Stunden Fisch und Feinkost online
Aufgrund seiner Vielfalt werde der Beruf zunehmend interessant für Quereinsteiger, erklärt Sebastian Paetsch. Er selbst ist eigentlich Politikwissenschaftler und Soziologe. Als Leitender Angestellter der Müritzfischer weiß Paetsch das Unternehmen perfekt zu vermarkten. Das Fischkaufhaus in Waren, die Manufaktur der Müritzfischer, liefert 24 Stunden Fisch und Feinkost im Netz, und zwar dem weltweiten. Gerade bekam das Unternehmen den Seafoodstar als Bester Onlinehandel 2026 – eine von vielen Auszeichnungen wie im Magazin „Feinschmecker“ und lobenden Beiträgen in etlichen Restaurant-Fachzeitschriften. Auf der Homepage der Müritzfischer kann man Interviews mit Food-Influencern und Sterne-Köchen lesen, Journalisten können sich Presse-Kits herunterladen.
Auch für Frauen ist der Beruf attraktiv geworden, nennt er etwa Sabine Reimer-Meißner aus Rödlin bei Neubrandenburg und Pauline Rettig. Die kernige Blondine, die das Familienunternehmen Rettig als Fischerhof Sternberg weiterführt, betreibt einen eigenen Instagram-Kanal. Begleiterinnen ihrer Fischzüge und Nachtangelaktionen sind immer wieder auch TV-Kameras. Auf Erlebnisfischerei als Neben-Standbein hat sich beispielsweise auch Oliver Pahlke aus Feldberg konzentriert. Der junge Mann engagiert sich außerdem im Naturschutz für den Lebensraum der Fischotter. „Die Fischerei als Kulturgut zu erhalten, daran arbeiten wir intensiv“, bekräftigt Sebastian Paetsch. Und zwar „eng vernetzt“.



