Galeria-Krise: Politik fordert Eigentümer zum Handeln auf
Galeria-Krise: Politik nimmt Eigentümer in die Pflicht

Die deutsche Warenhauskette Galeria befindet sich erneut in einer existenziellen Krise. Nach der dritten Insolvenz im Sommer 2024 und der Übernahme durch die Unternehmer Bernd Beetz und Richard Baker kämpft das Traditionsunternehmen nun mit neuen finanziellen Engpässen. Mitarbeiter befürchten eine vierte Insolvenz, während das Management nach Rettungsmöglichkeiten sucht.

Finanzielle Notlage und neue Kreditlinie

Um die Liquidität zu sichern, verhandelt Galeria mit dem US-Investor Gordon Brothers über eine Refinanzierung in Höhe von rund 160 Millionen Euro. Diese Mittel sollen vor allem dazu dienen, eine teurere alte Kreditlinie abzulösen. Kritiker sehen dies jedoch kritisch, da Gordon Brothers als Spezialist für die Abwicklung von Einzelhändlern gilt, wie im Fall der Spielwarenkette Toys R Us. Für eine nachhaltige Neuausrichtung der verbliebenen 83 Filialen bleibt nach der Umschuldung vermutlich kaum Geld übrig.

Rabattaktionen und fehlende Weihnachtsvorbereitung

Um die Einnahmen zu steigern, hat Galeria bereits umfangreiche Rabattaktionen gestartet. Laut Berichten werden derzeit bis zu 50 Prozent Nachlass auf viele Waren gewährt, in der kommenden Woche sogar bis zu 70 Prozent. Gleichzeitig verzichtet das Management auf die übliche Vorbereitung des Weihnachtsgeschäfts: Bestellungen bei Lieferanten erfolgen nicht fest, sondern nur als Vormerkung. Dies deutet auf eine unsichere Zukunft hin.

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Hohe Mietbelastung als strukturelles Problem

Ein zentrales Problem sind die überhöhten Mietkosten. Galeria zahlt teilweise bis zu 15 Prozent des Umsatzes für Miete, während branchenüblich sechs Prozent sind. Viele Vermieter berichten zudem von Zahlungsrückständen. Die Trennung von Immobilien und operativem Geschäft vor zwei Jahrzehnten hat zu dieser Schieflage geführt: Die Warenhäuser in Top-Lagen wurden verkauft und zu teuren Konditionen zurückgemietet. Diese Last ist angesichts der schwachen Konsumlaune kaum tragbar.

Appelle an die Politik und die Eigentümer

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert von der Bundesregierung spürbare Entlastungen, etwa bei der Stromsteuer und den Lohnnebenkosten. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth betont, dass Konsum auch Psychologie sei: „Die Menschen müssen im Alltag eine Verbesserung spüren.“ Doch allein eine bessere Stimmung wird Galeria nicht retten. Bei acht Filialen, unter anderem in Köln, Berlin und München, steht eine Schließung bereits im Raum. Branchenkenner halten sogar die Schließung der Hälfte aller Standorte für möglich.

Die SPD im Bundestag übt scharfe Kritik an den Eigentümern Beetz und Baker. Der wirtschaftspolitische Sprecher Sebastian Roloff sagte: „Nach drei Insolvenzen darf bei Galeria nicht wieder dieselbe Logik gelten: Investoren verdienen, Beschäftigte zahlen.“ Er fordert ein klares Konzept für die Zukunft des Unternehmens im Sinne der rund 12.000 Beschäftigten. Galeria selbst äußert sich nicht zu den Details der Verhandlungen, betont aber einen konstruktiven Austausch mit den Stakeholdern.

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