Die Investitionen von Wohnungsunternehmen verlagern sich zunehmend von Neubauten in die Bestandssanierung. Der Spitzenverband der sozial orientierten Wohnungswirtschaft (GdW) warnt vor einem drastischen Rückgang der Neubauinvestitionen im laufenden Jahr. Laut aktuellen Zahlen seiner Mitgliedsunternehmen flossen im vergangenen Jahr 12,7 Milliarden Euro in den Bestand und nur 8,1 Milliarden Euro in den Neubau. Für 2026 droht den Neubauinvestitionen ein Einbruch um fast 26 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro, teilte der GdW am Montag in Berlin mit. Der Spielraum für den Bau neuer bezahlbarer Wohnungen werde damit kleiner.
Gedaschko fordert Maßnahmen gegen Baukostensteigerung
GdW-Präsident Axel Gedaschko forderte die Bundesregierung auf, sich vor allem auf sinkende Baukosten und schnellere Verfahren zu konzentrieren. „Wenn der Wohnungsbau weiter stockt, gerät die soziale Stabilität in unserem Land immer stärker unter Druck“, warnte Gedaschko. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit rund 200.000 neu fertiggestellten Wohnungen, während der jährliche Neubaubedarf bei etwa 320.000 Wohneinheiten liegt. Das Münchner Ifo-Institut geht sogar von nur 185.000 neuen Wohnungen in diesem Jahr aus. 2025 waren 206.600 Wohnungen fertiggestellt worden. Bei den GdW-Unternehmen selbst erwartet Gedaschko nach gut 24.000 Wohnungen im Jahr 2025 in diesem Jahr nur noch 16.000 neue Wohnungen.
Hohe Kosten und Zinsen belasten die Branche
Als Hauptgründe für den Einbruch nennt der Verband die stark gestiegenen Kosten. Seit Ende 2019 seien die Baupreise im Wohnungsbau um rund 51 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die Zinsen seit 2021 vervierfacht. „Hohe Baupreise, hohe Finanzierungskosten und immer neue Anforderungen machen aus genehmigten Projekten Schubladenprojekte“, sagte Gedaschko. Solche genehmigten, aber nicht begonnenen Vorhaben liegen wegen der hohen Bau- und Finanzierungskosten auf Eis. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wollte diese mit einem Förderprogramm der staatlichen KfW wiederbeleben.
Förderprogramm läuft schleppend an
Der Abruf der Mittel verläuft jedoch schleppend. Von insgesamt 800 Millionen Euro, die die Bundesregierung Mitte Dezember bereitgestellt hatte, waren nach Angaben des Bauministeriums per 29. Juni noch rund 281,7 Millionen Euro im Fördertopf. Ursprünglich sollte das Programm Ende Juni auslaufen. Perspektivisch will die Regierung für mehr Klarheit bei den Förderprogrammen sorgen. „Bislang haben komplexe Programme den Zugang zur Förderung oft unnötig erschwert“, sagte Hubertz vergangene Woche dem Handelsblatt. Deshalb werde die Förderung künftig klar gebündelt: Neubau einerseits, Bestand andererseits.
Gebäudetyp E: Gesetzentwurf steht noch aus
Die Branche erwartet zudem Antworten zum Gebäudetyp E. Mit diesem soll Bauen einfacher, schneller und günstiger werden, indem auf kostenintensive Komfort- und Ausstattungsstandards verzichtet wird, die gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben sind. Der Gesetzentwurf steht noch aus und war von der Branche spätestens bis zum Sommer gefordert worden. Dies dürfte nicht mehr klappen. Allerdings will sich Hubertz am Dienstag zusammen mit Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) ein Mehrparteienhaus in Berlin ansehen, das als Gebäudetyp E errichtet wurde. Laut Einladung informieren sie sich dabei über das einfache Bauen und die Erwartungen an den geplanten Gesetzentwurf.



