18-stündiger Warnstreik legt Haribo-Produktion lahm
Im Bonner Stammwerk von Haribo, wo normalerweise beliebte Sorten wie Colorado und Lakritzschnecken produziert werden, herrscht am Freitag Ausnahmezustand. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat zu einem 18-stündigen Warnstreik von 5 bis 23 Uhr aufgerufen, der sowohl die Früh- als auch die Spätschicht betrifft. Die Produktion läuft daher nur noch auf Sparflamme.
Forderung nach 5,8 Prozent mehr Lohn
Hintergrund des Arbeitskampfes ist die laufende Tarifrunde in der Süßwarenindustrie. Die NGG fordert für die rund 600 Beschäftigten in Bonn eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), hat bisher lediglich zwei Prozent mehr Gehalt sowie eine Einmalzahlung von 156 Euro angeboten.
„Derzeit beteiligen sich etwa 100 Beschäftigte am Warnstreik“, sagte Gewerkschaftssprecherin Sarah Richter gegenüber BILD. Für 13 Uhr ist eine Protestkundgebung am Werkstor in Bonn geplant, um den Druck vor der nächsten Verhandlungsrunde im August zu erhöhen.
Branche unter Druck: Gestiegene Kosten und sinkende Produktion
Der BDSI beschreibt die Lage in der Süßwarenindustrie als angespannt. Energie-, Rohstoff- und Logistikpreise seien deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 sei die Produktionsmenge von Süßigkeiten um vier Prozent auf 3,73 Millionen Tonnen gesunken. Diese Entwicklung belaste die Unternehmen und schränke den Spielraum für Lohnerhöhungen ein.
Der Werbespruch „Haribo macht Kinder froh – und Erwachsene ebenso“ gilt für die Belegschaft im Bonner Werk derzeit nicht. Die Unzufriedenheit der Angestellten entlädt sich in der hohen Beteiligung am Warnstreik.



