Schwarz-Rot plant weitreichende Änderungen bei Krankschreibungen
Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hat sich auf weitreichende Änderungen bei den Krankschreibungen verständigt. Wie die Bundesregierung am Donnerstag mitteilte, plant Schwarz-Rot, die telefonische Krankschreibung ersatzlos zu streichen. Zudem soll ein Attest ab dem ersten Krankheitstag verlangt werden. Diese Pläne stoßen bei Hausärzten auf deutliche Kritik.
Drei Hausärzte äußern sich im Klartext
In einem Bericht des Tagesspiegels kommen drei Hausärzte zu Wort, die die Pläne als Misstrauensvotum gegen Ärzte und Patienten bezeichnen. „Ich bin nicht der Formulardepp der Nation“, zitiert der Tagesspiegel einen der Mediziner. Die Ärzte sehen die geplanten Maßnahmen als bürokratische Hürde, die weder dem Gesundheitssystem noch den Patienten nutze.
Ein Hausarzt aus Berlin kritisiert, dass die telefonische Krankschreibung in der Pandemie bewährt habe und nun abgeschafft werden solle. „Das entlastet die Praxen nicht, sondern belastet sie zusätzlich“, sagt er. Ein anderer Arzt aus Hamburg ergänzt, dass die Regelung vor allem chronisch Kranke treffe, die regelmäßig Atteste benötigten.
Auswirkungen auf Patienten und Praxen
Die Pläne sehen vor, dass Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen müssen. Bislang ist dies erst ab dem dritten Tag erforderlich. Die Ärzte befürchten, dass die Praxen noch mehr überlaufen werden, während die telefonische Krankschreibung eine sinnvolle Entlastung darstelle.
Laut einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) befürworten 72 Prozent der Hausärzte die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung. Die geplante Streichung sei ein Rückschritt, so die Ärzte.
Kritik an bürokratischer Belastung
Die Hausärzte fordern, dass die Politik auf die Erfahrungen der Praktiker höre. „Wir sind diejenigen, die täglich mit den Patienten arbeiten“, betont ein Arzt aus München. Die Pläne von Schwarz-Rot seien praxisfern und würden zu mehr Bürokratie führen. „Statt Vertrauen in die Ärzte zu setzen, wird Misstrauen geschürt“, so der Mediziner.



