Die traditionelle 9-bis-17-Uhr-Arbeitswelt gehört zunehmend der Vergangenheit an. Immer mehr Unternehmen in Deutschland führen flexible Schichtmodelle ein, um den Herausforderungen des Fachkräftemangels zu begegnen und die Produktivität zu steigern. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben bereits 45 Prozent der Betriebe ihre Arbeitszeitmodelle in den letzten zwei Jahren angepasst.
Neue Modelle für mehr Flexibilität
Besonders in der Industrie und im Dienstleistungssektor setzen Firmen auf sogenannte „Schichtwechsel“-Modelle, bei denen Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten selbstständiger gestalten können. So ermöglicht etwa der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen seinen Beschäftigten, zwischen Früh-, Spät- und Nachtschichten zu wählen, anstatt feste Schichtpläne vorzugeben. „Die Mitarbeiter schätzen die größere Freiheit, was zu einer höheren Zufriedenheit und geringeren Fluktuation führt“, erklärt Personalchefin Susanne Müller gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Auswirkungen auf die Belegschaft
Die Umstellung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. So müssen Betriebe sicherstellen, dass alle Schichten ausreichend besetzt sind und die Arbeitsbelastung fair verteilt wird. Einige Unternehmen setzen daher auf digitale Planungstools, die Präferenzen der Mitarbeiter berücksichtigen und gleichzeitig betriebliche Anforderungen erfüllen. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom nutzen bereits 38 Prozent der deutschen Firmen solche Softwarelösungen.
Produktivitätssteigerung durch Flexibilisierung
Die Flexibilisierung der Arbeitszeit zeigt positive Effekte auf die Produktivität. Eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung ergab, dass Unternehmen mit flexiblen Schichtmodellen eine um durchschnittlich 12 Prozent höhere Produktivität verzeichnen. „Flexible Arbeitszeiten sind kein Selbstzweck, sondern ein strategisches Instrument, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, betont Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Klaus Zimmermann.
Branchenübergreifender Trend
Der Trend zu neuen Schichtmodellen ist branchenübergreifend zu beobachten. Im Gesundheitswesen, im Einzelhandel und in der Logistik werden ebenfalls vermehrt flexible Modelle eingeführt. In der Pflege etwa ermöglichen sogenannte „Wunschschichten“ den Beschäftigten, ihre Einsätze selbst zu planen. Dies trägt dazu bei, den Personalmangel abzumildern und die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen.
Zukunft der Arbeit
Experten gehen davon aus, dass sich der Trend zu flexiblen Schichtmodellen weiter verstärken wird. Die Digitalisierung und der demografische Wandel treiben die Entwicklung voran. „Unternehmen, die sich nicht anpassen, werden es schwer haben, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten“, warnt Prof. Zimmermann. Die Arbeitswelt der Zukunft wird daher von mehr Eigenverantwortung und Flexibilität geprägt sein.



