Schweinepreise: „Sogar große Betriebe geraten in Schieflage“
Schweinepreise: Große Betriebe in Schieflage

Tiefpreise für Schweine: Existenznot in der Ferkelzucht

Die Ferkelzüchterin Dagmar Klingelhöller aus Niedersachsen schildert im Interview mit dem SPIEGEL eine prekäre Lage: Trotz steigender Fleischpreise im Supermarkt erhalten die Erzeuger kaum mehr Geld für ihre Tiere. „Wir zahlen drauf“, sagt sie und berichtet, dass selbst große Betriebe in Schieflage geraten. Die Verbraucher seien indirekt mitverantwortlich, da sie beim Einkauf oft nur auf den günstigsten Preis achten.

Preisschere zwischen Erzeuger und Verbraucher

Klingelhöller erklärt, dass die Preise für Schweinefleisch an der Börse zuletzt zwar leicht gestiegen seien, doch die Kosten für Futter, Energie und Stallbau seien überproportional gewachsen. „Die Schere zwischen dem, was wir bekommen, und dem, was wir ausgeben müssen, wird immer größer.“ Sie nennt konkrete Zahlen: „Für ein Ferkel bekommen wir derzeit etwa 50 Euro, aber die Aufzucht kostet uns 70 Euro pro Tier.“ Das führe zu einem Verlust von 20 Euro pro Ferkel.

Strukturelle Krise der deutschen Schweinehaltung

Die Züchterin sieht die Ursachen in einer strukturellen Krise: Immer mehr Betriebe geben auf, weil die Auflagen steigen und die Planungssicherheit fehle. „In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Ferkelzuchtbetriebe in Deutschland halbiert“, so Klingelhöller. Sie fordert faire Preise, die die tatsächlichen Produktionskosten decken. Zudem appelliert sie an die Verbraucher, beim Fleischkauf auf Herkunft und Qualität zu achten.

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Verbraucherverhalten als Treiber

Klingelhöller macht deutlich, dass das Einkaufsverhalten der Verbraucher direkte Auswirkungen hat: „Solange die Kundinnen und Kunden nur nach dem günstigsten Preis greifen, werden die Discounter den Druck an uns weitergeben.“ Sie plädiert für ein Umdenken: „Wenn jeder bereit wäre, 20 Cent mehr pro Kilo zu zahlen, könnte die Landwirtschaft in Deutschland überleben.“

Politische Forderungen und Ausblick

Die Ferkelzüchterin fordert die Politik auf, verbindliche Herkunftskennzeichnungen einzuführen und die Verhandlungsmacht des Lebensmitteleinzelhandels zu beschränken. „Wir brauchen ein Gesetz gegen den ruinösen Preiskampf“, sagt sie. Ohne Änderungen werde die heimische Ferkelzucht in wenigen Jahren weitgehend verschwunden sein.

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