Bahn plant flächendeckendes Alkoholverbot
Die Deutsche Bahn will den Konsum von Alkohol an allen Bahnhöfen verbieten. Die flächendeckende Umsetzung soll bis zum 15. Oktober 2026 abgeschlossen sein. Bislang gilt ein Verbot des Alkoholkonsums vor allem an großen deutschen Bahnhöfen wie Frankfurt, Hamburg oder Köln. Insgesamt setzt die Deutsche Bahn deutschlandweit rund 4500 Sicherheitskräfte an Bahnhöfen ein. Fraglich ist jedoch, wie die Regel flächendeckend kontrolliert werden soll.
Politik fordert mehr Bahn-Sicherheitspersonal
Union und SPD sehen die Bahn bei der Durchsetzung des geplanten Alkoholverbots in der Pflicht. „Dass die Deutsche Bahn ihre eigenen Sicherheitsbemühungen verstärkt, begrüße ich ausdrücklich“, sagte der innenpolitische Sprecher der Union, Alexander Throm, der „Welt“. „Dazu gehört aber auch, dass sie diese Regeln mit eigenem Personal durchsetzt.“ Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, sagte: „Eine Umsetzung kann nur in Betracht kommen, sofern die Bahn eine erhebliche personelle Verstärkung bei der DB Sicherheit nachweist.“
Polizeigewerkschaft: Bahn muss Hausrecht durchsetzen
Ähnlich sieht es die Deutsche Polizeigewerkschaft. Deren Vorsitzender Heiko Teggatz rief die Bahn in der „Welt“ dazu auf, das Personal für die Überwachung des Alkoholverbots bereitzustellen: „Das ist eine Sache des Hausrechts der Bahn. Sie muss dafür sorgen, mehr Sicherheitspersonal zu stellen.“ Für die Sicherheit an Bahnhöfen ist neben den DB-Sicherheitskräften auch die Bundespolizei zuständig, die dem Bundesinnenministerium untersteht.
Bundesinnenminister Dobrindt äußert Bedenken
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt begrüßt im Grundsatz den Vorstoß von Bahnchefin Evelyn Palla. Die Frage der Durchsetzung eines solchen Verbots sei allerdings „eine problematische“. Er würde auch gern mit Palla darüber sprechen, welche Grundlage ihr Vorstoß habe und welche Informationen und Studien sie zu dieser Idee veranlasst haben.
Wohnungslosenhilfe warnt vor Verdrängung
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe befürchtet indes neue Härten für obdachlose Menschen mit Alkoholsucht. „Ein Verbot verändert nicht die Lebenslage der Menschen, die sich am Bahnhof aufhalten, sondern verdrängt sie lediglich aus dem Blickfeld“, sagte Vize-Geschäftsführer Joachim Krauß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Bahnhof gehöre für viele zu den wenigen witterungsgeschützten und gut zugänglichen öffentlichen Orten. „Durch das Verbot werden die Menschen in Bereiche gedrängt, die weniger Schutz bieten und weniger Anschluss an das Hilfesystem haben“, sagte Krauß. In Hamburg, wo ein entsprechendes Verbot bereits umgesetzt wurde, habe die Wohnungslosenhilfe die Erfahrung gemacht, dass die obdachlosen Menschen in angrenzende Stadtteile verdrängt worden seien.



