Tarifkonflikt im Einzelhandel: Ver.di weitet Warnstreiks auf Ikea aus
Im festgefahrenen Tarifstreit des deutschen Einzelhandels verschärft die Gewerkschaft Ver.di den Druck. Für diesen Freitag sind flächendeckende Warnstreiks angekündigt, die in besonderem Maße die Möbelhauskette Ikea treffen sollen. Nach Angaben von Ver.di werden Beschäftigte in mehr als der Hälfte der 53 deutschen Ikea-Einrichtungshäuser die Arbeit niederlegen. Auch Mitarbeiter anderer Handelsunternehmen beteiligen sich demnach an den Arbeitsniederlegungen.
Kritik an Unternehmenspolitik
Silke Zimmer, Ver.di-Bundesvorstandsmitglied, äußerte scharfe Kritik an der Haltung der Arbeitgeber: „Im Handel werden täglich Milliardenumsätze erzielt, aber bei den Beschäftigten kommt so gut wie nichts davon an – das gilt ganz besonders für Ikea.“ Das Unternehmen stehe wirtschaftlich hervorragend da, plane aber dennoch einen Stellenabbau. Statt faire Löhne zu zahlen, werde ein radikaler Sparkurs gefahren. Bereits Mitte Mai und Anfang Juni hatte Ver.di zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.
Forderungen und Angebote
Die Tarifverhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel waren im April in den ersten Landesbezirken gestartet. In einigen Bundesländern legte die Arbeitgeberseite zuletzt Angebote vor, die Ver.di jedoch als unzureichend zurückwies. Ikea spielt in der aktuellen Tarifrunde auf Arbeitgeberseite eine einflussreiche Rolle, so die Gewerkschaft. Das Unternehmen sei an Arbeitgeberkommissionen beteiligt und stelle im Saarland die Verhandlungsführung. Ver.di fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens 225 Euro mehr im Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben in einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg für den Einzelhandel ab November eine Erhöhung um zwei Prozent angeboten und ab August 2027 eine weitere um 1,5 Prozent – bei einer Laufzeit von zwei Jahren.
Branche in Bewegung
Nach Ver.di-Angaben arbeiten im deutschen Handel rund 5,2 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorangegangene Tarifrunde zog sich über mehr als ein Jahr hin. Mit den aktuellen Warnstreiks will die Gewerkschaft den Druck vor der nächsten Verhandlungsrunde erhöhen.



