In einem insgesamt stabileren Fahrradmarkt erkennt der Elektronik-Hersteller Bosch einen klaren Trend zu leichteren E-Bikes. Während in den vergangenen Jahren vor allem Modelle mit hoher Leistung und großer Reichweite gefragt waren, zeichnet sich nun eine Gegenbewegung ab: Immer mehr Stadtbewohner wünschen sich leichtere und stylischere E-Bikes für den urbanen Alltag. Dies erklärte Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems.
Neuer Nabenmotor und Kompakt-Akku
15 Jahre nach der Einführung des ersten Fahrrad-Mittelmotors haben die Stuttgarter nun erstmals einen Nabenmotor für die Hinterachse vorgestellt. In Kombination mit einem ebenfalls neuen Kompakt-Akku mit einer Kapazität von 360 Wattstunden ermöglicht der Motor besonders leichte und puristische E-Bikes. Während andere Hersteller dieses Konzept bereits seit längerem verfolgen, hatte sich der Marktführer Bosch bislang auf Mittelmotoren, die zugehörige Steuerung und elektronische Services konzentriert.
Fleischer rechnet mit einem Absatzanteil von 5 bis 10 Prozent für das neue Motorkonzept. Die Nachfrage komme vor allem von jüngeren Städtern, die ihre täglichen Wege mit dem Fahrrad zurücklegen.
Post-Corona-Krise überwunden
Der Fahrradmarkt habe die Überproduktionskrise nach dem Corona-Hoch inzwischen überwunden. „Wir sehen jetzt einen normalen Markt wie vor der Pandemie mit einem weiter wachsenden Anteil von E-Bikes“, so Fleischer. Deutschland zähle gemeinsam mit den Niederlanden, Belgien und Österreich zu den Ländern mit dem höchsten E-Anteil von über 50 Prozent. Auch in Frankreich, Italien und den skandinavischen Ländern erwarte man eine positive Entwicklung. Daher sollten jährlich rund 5 Millionen E-Bikes in Europa verkauft werden können, wovon zwei Millionen auf den deutschen Markt entfielen.
Digitales Zertifikat für Gebrauchtmarkt
Zur Stärkung des Gebrauchtmarktes hat Bosch zudem ein digitales Zertifikat vorgestellt, das Auskunft über den technischen Zustand von Batterie und Antrieb eines gebrauchten E-Bikes gibt. Mithilfe eines Sterne-Systems werden unter anderem Laufleistung, Akku-Kapazität oder die Anzahl der Ladezyklen für Kaufinteressenten transparent gemacht. Bosch führt das Zertifikat zunächst ab Juli über den Refurbish-Anbieter Rebike ein, plant aber, es auch für Händler und Privatpersonen zugänglich zu machen.



