Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die Übernahme der Mehrheit an der dtv Verlagsgesellschaft durch den Münchner Verlag C. H. Beck gegeben. Wie die Wettbewerbsbehörde am Donnerstag mitteilte, darf C. H. Beck die alleinige Kontrolle über den traditionsreichen Taschenbuchverlag übernehmen. Bisher war C. H. Beck bereits Miteigentümer; nun erwirbt das Unternehmen den Anteil der Ganske Verlagsgruppe, der bislang rund 50 Prozent betrug. Der Carl Hanser Verlag und eine weitere Firma bleiben als Minderheitsgesellschafter an Bord, doch C. H. Beck wird künftig die alleinige Kontrolle ausüben. Die Transaktion soll zum 1. Juli abgeschlossen werden. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.
Hintergrund der Verlage
dtv, gegründet 1960 als Deutscher Taschenbuchverlag, hat sich von einem reinen Taschenbuchverlag für Zweitveröffentlichungen zu einem breit aufgestellten Publikumsverlag entwickelt. Heute verlegt das Unternehmen Belletristik, Biografien, Sachbücher, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbücher, darunter auch Hardcover. Mit rund 400 Neuerscheinungen pro Jahr zählt dtv laut Kartellamt zu den größten konzernunabhängigen Publikumsverlagen im deutschsprachigen Raum. Aktuelle Erfolgstitel sind etwa die Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme und „Der Weg“ von Wolfgang Büscher, eine Reiseerzählung aus der Sahara.
C. H. Beck hingegen ist ein traditionsreicher Wissenschaftsverlag mit Schwerpunkt auf Recht, Steuern und Wirtschaft, aber auch mit einem belletristischen und sachbuchorientierten Programm. Der 1763 gegründete Verlag beschäftigt rund 900 Mitarbeiter und bringt jährlich etwa 1200 Neuerscheinungen heraus. Zu den jüngsten Erfolgen zählt die „Balkan-Odyssee“ von Marie-Janine Calic, die 2025 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet wurde. Das Buch behandelt die Flucht von Künstlern vor den Nazis zwischen 1933 und 1941.
Wettbewerbshüter sehen keine Bedenken
Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte: „C. H. Beck verfügt insbesondere im Bereich juristischer Fachinformationen über eine starke Marktstellung. Der Zusammenschluss betrifft aber vor allem die Bereiche Belletristik, Sachbuch, Ratgeber sowie Kinder- und Jugendbuch. In diesen Segmenten stehen die Beteiligten im Wettbewerb mit einer Vielzahl weiterer Verlage.“ Die Behörde sah daher keine wettbewerbsrechtlichen Hindernisse für die Übernahme.
Die Ganske Verlagsgruppe begründete ihren Rückzug mit der strategischen Neuausrichtung: Sie wolle ihre Ressourcen gezielt auf zukünftige Wachstumsfelder konzentrieren. Jonathan Beck, Mitglied der Geschäftsführung von C. H. Beck aus der siebten Generation der Verlegerfamilie, zeigte sich erfreut: „Für C. H. Beck ergibt sich dadurch die erfreuliche Möglichkeit, unser langjähriges Engagement als Gesellschafter des dtv auszubauen und die erfolgreiche Entwicklung des dtv weiter konstruktiv zu begleiten.“
Auswirkungen auf den Buchmarkt
Mit der Übernahme festigt C. H. Beck seine Position im Publikumsverlagsgeschäft. Branchenbeobachter erwarten, dass der Verlag durch die Zusammenlegung von Vertriebs- und Verwaltungsstrukturen Synergien heben kann. Zugleich bleibt dtv als eigenständige Marke erhalten. Die Konzentration im Verlagswesen schreitet damit weiter voran, doch das Kartellamt sieht in diesem Fall keine Gefahr für den Wettbewerb. Die Entscheidung fiel im Rahmen der regulären Fusionskontrolle.



