Die deutschen Autohersteller haben zum Jahresbeginn beim Umsatz im Vergleich zur internationalen Konkurrenz deutlich an Boden verloren. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die die weltweit 19 größten Automobilhersteller unter die Lupe genommen hat. Demnach sanken die Umsätze von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW von Januar bis März 2024 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,3 Prozent. Demgegenüber steht ein durchschnittliches Plus von 1,7 Prozent über alle betrachteten Hersteller hinweg.
Umsatzentwicklung im Detail
Besonders erfreulich entwickelten sich die beiden anderen europäischen Hersteller Stellantis und Renault, die ein Umsatzplus von 6,7 Prozent verzeichneten. Auch die US-Hersteller konnten um fünf Prozent zulegen, während japanische Autobauer ein Plus von 4,3 Prozent erreichten. Die chinesischen Autohersteller hingegen verbuchten ein Minus von 1,4 Prozent. Damit zeigt sich eine klare Zweiteilung des Marktes: Westliche Hersteller außerhalb Deutschlands gewinnen, während deutsche und chinesische Anbieter Federn lassen müssen.
Operativer Gewinn: Große Unterschiede
Noch deutlicher fällt die Schere beim operativen Gewinn (Ebit) aus. Insgesamt ging der Gewinn der 19 Hersteller um 32,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro zurück. Dabei spielten jedoch Sondereffekte eine wichtige Rolle. So habe der japanische Hersteller Honda Abschreibungen auf Elektroautos in Milliardenhöhe vorgenommen, teilte ein EY-Sprecher mit. Der operative Gewinn der deutschen Hersteller sank um 23,3 Prozent, während die chinesischen Hersteller ein Minus von 43,4 Prozent verzeichneten. Die US-Hersteller Ford, General Motors und Tesla konnten hingegen ein Plus von 82,9 Prozent verbuchen.
EY-Autoexperte Constantin Gall erklärte, dass das deutliche Gewinnwachstum der US-Hersteller unter anderem auf die Abschirmung des US-Markts gegen Produkte aus dem Ausland zurückzuführen sei. Zudem hätten teilweise gekippte Einfuhrzölle zu hohen Rückzahlungen an die Hersteller geführt.
Herausforderungen für die deutsche Autoindustrie
„Die gesamte deutsche Autoindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel: wegfallende Auslandsmärkte, teure Überkapazitäten, hohe Software-Investitionen und ein langsamer Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse“, sagte Gall. Die deutschen Autokonzerne sähen sich enormem Gegenwind ausgesetzt, sowohl in den USA als auch in China.
In China hatten die drei deutschen Autobauer der Analyse zufolge im ersten Quartal einen Absatzrückgang von 16 Prozent verzeichnet. „China bleibt eines der größten Probleme für die deutschen Konzerne“, betonte Gall. Der Markt sei extrem wettbewerbsintensiv, und hochpreisige Premium-Fahrzeuge verkauften sich aufgrund der schwachen Konjunktur schlecht. Im wachsenden Elektrosegment bevorzugten die Chinesen zudem einheimische Marken. „Da gibt es für die westlichen Hersteller aktuell wenig zu gewinnen“, so Gall.



